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    Direkter Kontakt:

    Klaus Schaake
    Tel. 0561 – 475 10 11
    post@mittendrin-kassel.de

     

    Gefördert bis Ende 2019 durch:

    Balkonkraftwerke aufbauen kann jeder!

    Sonnenenergie für jeden nutzbar machen: Dafür setzen sich auch Menschen in Kassel ein. Der Aufbau eines Balkonkraftwerks ist inzwischen ein Kinderspiel, so günstig wie nie zuvor und kann sogar einen Heidenspaß bereiten.

    Es ist kurz vor 10 Uhr morgens. Die Sonne scheint blinzelnd durch die Blätter eines großen prächtigen Baumes und an der Grundschule Vollmarshausen herrscht stille Konzentration. Die Kinder in ihren Klassenzimmern sind vertieft in Mathe, Deutsch und Sachkundeaufgaben, während draußen Arvid Jasper geübt die Unterkonstruktion eines Balkonkraftwerks an die alte Backsteinfassade des Schulgebäudes anbringt. Arvid gehört zu SoLocal Energy, einem Photovoltaik Kollektivbetrieb aus Kassel. Über die Installation und die Beratung rund um das Thema „Balkonkraftwerke“ hinaus engagiert sich das Kollektiv auch in der Klimabildung und bringt so selbst den Jüngsten bei, wie die Energiewende gelingen kann. Arvid durchforstet seinen Werkzeugkasten, den er aus dem Schwerlastenrad gehoben hat und erzählt: „Wir alle erleben heute schon eine Klimakrise, aber je jünger die Leute sind, desto schlimmer werden die Folgen sein, die sie wahrscheinlich miterleben werden. Wir wollen deswegen einen Teilbeitrag dazu leisten, dass Informationen über Lösungen, wie man gegen die Klimakrise vorgehen kann oder sie zumindest eindämmen kann, bereits bei den Kids ankommen. Erfahrungsgemäß sprechen viele danach mit ihren Eltern und das kann natürlich nochmal weitere Impulse setzen.“ Kaum hat er ausgesprochen, da hört Arvid bereits aus der Ferne die schnellen Schritte der Kinder. Sie stürmen zu dem jungen Mann und schauen hinauf zu den Arbeiten an dem alten Schulgebäude. „Was machst du da?“, fragt ein Mädchen selbstbewusst. Arvid grinst und zeigt den Kindern die Solarpaneele, die an der Wand lehnen: „Wisst ihr was das ist?“, „JAAA!“ rufen einige lautstark. Dann beginnt ein reges Ge
    spräch. „Wofür braucht man Strom?“, fragt Arvid und „Könnt ihr euch erinnern wofür ihr ihn heute schon genutzt habt?“ Die Kinder kleben ihm an den Lippen und begutachten fachkundig die Paneele. In der Zwischenzeit stößt Heino Kirchof von der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie hinzu und lässt die Kinder mit einem solarbetriebenen Spielzeugauto und kleinen, sich wild drehenden Dynamos mit Photovoltaikpaneelen spielen. Arvid zeigt ih
    nen einen Wechselrichter: „Wenn das Balkonkraftwerk heute Nachmittag fertig angebaut ist, könnt ihr zusehen, wie ihr Strom produziert. Je schneller das Lämpchen auf dem Wechselrichter leuchtet, desto mehr Strom entsteht gerade!“

    Auch an der Hauswand einfach anzubringen: Solarpaneele eines Balkonkraftwerks. Foto: SoLocal Energy e.V

    „So günstig wie ein Smartphone!“
    Balkonkraftwerke erfreuen sich in den letzten Jahren zunehmender Beliebtheit. Zu Recht, findet Arvid Jasper, denn sie sind ein einfacher
    Einstieg in das Thema Photovoltaik und dabei inzwischen sehr simpel selbst zu installieren. Interessierten empfiehlt er lediglich, bestmöglich ein Komplettset zu kaufen, damit die Bestandteile aufeinander abgestimmt sind: „Es ist wirklich ein ganz einfacher erster Schritt in der Klimawende und sendet natürlich auch ein Zeichen an Nachbarn, Gäste und selbstverständlich auch an die Kinder: Wir können wirklich etwas tun und wir müssen auch was tun“, erklärt Arvid Jasper. Balkonkraftwerke benötigen nur wenig Platz, ob am Balkon, auf der Garage oder dem Dach des Schuppens ist dabei eigentlich egal, nur zu schattig sollte es nicht sein. „Man kann etwa 1/5 des Stroms, den man zuhause verbraucht, mit dem Balkonkraftwerk selbst erzeugen. Damit spart man dann zehn bis zwanzig Prozent der Stromkosten, je nachdem wie viel von dem Strom man verbraucht. Damit lohnt sich so ein Balkonkraftwerk tatsächlich noch schneller als eine Dachanlage. Je nachdem wie teuer das Balkonkraftwerk war und wenn man es selbst anbringt, dauert es gerade mal vier bis zehn Jahre.
    Im Vergleich dazu, die Paneele halten 20 bis 25 Jahre, es haben also alle auf jeden Fall finanziell etwas davon und zugleich sparen wir Treibhausgase ein. Pro Modul sind das über die gesamte Lebensdauer knapp zwei Tonnen CO2, das ist in etwa so viel wie 15.000 Kilometer Autofahren.“ Die Preise für Balkonkraftwerke sind in den vergangenen Jahren gesunken. Knapp 500 bis 1.500 € sollte man für die Solarpaneele investieren, meint Arvid Jasper: „Also so viel wie ein neues Smartphone!“ Wer zur Miete wohnt, sollte vorher mit Vermieter:innen oder Wohnungsgenossenschaft sprechen, die Auflagen sind inzwischen nur noch gering und die Anmeldung einer Balkonanlage ist wesentlich einfacher als noch vor einem Jahr. „Manche Wohnungsbaugesellschaften haben sich dazu entschlossen, dass Balkonkraftwerke jetzt überall in Ordnung sind, die Vereinigten Wohnstätten 1889 sind da ein Beispiel, genauso wie die Baugenossenschaft Deutsche Kriegsopfer hier in Kassel, mit denen arbeiten wir inzwischen auch zusammen.“

    Als Teil der Klimabildung entstehen regelmäßig in Zusammenarbeit von SoLocal Energy mit den Schulen Solarbauprojekte.. Foto: SoLocal Energy e.V

    Die Klimawende mit Zuversicht anpacken
    Für Arvid funktioniert eine Energiewende nur aus der Hand der Bürgerinnen und Bürger, umso wichtiger empfindet er Engagement von allen im Großen wie im Kleinen: „Ich habe einfach gesehen, und das ist leider nach wie vor so, dass die meisten Konzerne nur auf Profitmaximierung aus sind, die Energiewende gezielt blockieren und damit verschleppen. Greenwashing, also der Versuch ein nachhaltiges Bild in der Werbung zu vermitteln, während beispielsweise nur drei Prozent des Stroms tatsächlich aus erneuerbaren Energien entsteht, ist ein ganz typisches Thema. Deswegen braucht es so starke Bewegungen wie zum Beispiel Bürgerenergie-Genossenschaften, die Windparks mitfinanzieren und Photovoltaik vorantreiben. Wir können nicht darauf warten, dass jemand etwas entscheidet, wir müssen unseren eigenen Teil dazu beitragen.“ Über die Frage hinaus, wie unser Strom entsteht, empfiehlt Arvid sich zu fragen, ob und wie man vom eigenen Auto wegkommen kann und welche Fördermöglichkeiten einen bei dem Ersetzen der alten Ölheizung helfen können. „Vieles davon muss auf der politischen Ebene gelöst werden, die Infrastruktur zum Beispiel, die es ermöglicht das Auto stehen zu lassen, nur wir alle müssen unseren Teil beitragen. Es gibt super viel zu tun. Auch für uns. In Zukunft wollen wir noch mehr mit Schulen, Vereinen und anderen Orten wo Menschen zusammenkommen, zusammenarbeiten, um Photovoltaikanlagen auf die Dächer zu bringen. Wenn die Menschen Lust haben selbst für die Klimawende aktiv zu werden, dann kann man das mit uns auf jeden Fall gut tun.“
    Die Pausenglocke klingelt, die Schulstunde „Balkonkraftwerke“ ist vorbei. Für die Kinder kommt nun der beste Teil des interaktiven Workshops. Arvid hat ihnen versprochen, sie auf den Schwerlastenrad über den Pausenhof zu fahren. Das selbstbewusste rothaarige Mädchen steigt als erstes auf und tritt gemeinsam mit Arvid in die Pedalen. Es dauert nicht lange, bis sie von einer ganzen Horde rennender Kinder begleitet werden. Arvid wird heute noch fünf, sechs, sieben Runden drehen, bis die Pause zu Ende ist und der Unterricht wieder beginnt. Er selbst hat sichtlich Spaß. „Es ist das Schönste zu sehen, mit welcher Begeisterung die Kinder Lösungen für eine Energiewende lernen.“

    31.10.2025

    Die Autorin Johanna Groß
    ist Filmemacherin, Fotografin und Geschichtenerzählerin. Sie interessiert sich für die tiefen Belange menschlichen Lebens und beobachtet gern Alltagsmomente. Bibliotheken durchforstet sie mit Freude nach neuen Inspirationsquellen.

    Diesen Artikel auch zu lesen in der StadtZeit-Ausgabe 125, Herbst 2025, S. 34
    >>hier zu lesen

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