Material im Alltag: Cyanotypie mit Sonne und Pflanzen

Eine Kolumne von Gita Wikullil

Wenn es wieder heller wird, fallen Licht und Schatten wieder stärker ins Auge. Schattenwürfe auf Oberflächen und überall wachsendes Grün. Im Studio Alltag beginnt vieles mit dem, was gerade vorhanden ist. In dieser Ausgabe sind es Sonne und Pflanzen aus der Umgebung. Materialien, die sich mit wenig Aufwand in Gestaltung übersetzen lassen.

Cyanotypie ist ein fotografisches Verfahren, das auf Licht reagiert. Eine beschichtete Oberfläche reagiert auf UV-Strahlung und verändert dabei ihre Farbe. Nach dem Auswaschen mit Wasser  wird das charakteristische Blau sichtbar, während abgedeckte Bereiche hell bleiben. So zeigen sich klare, reduzierte Abbildungen der verwendeten Motive.

Solche Verfahren zeigen, wie sich Zugänge öffnen, wenn Material und Prozess verständlich werden. Cyanotypie eignet sich dafür besonders gut. Mit wenigen Mitteln entstehen Bilder, bei denen Licht, Motiv und Oberfläche unmittelbar zusammenwirken.

Gräser, kleine Pflanzen und Blüten aus der Umgebung lassen sich direkt auf Papier oder Stoff platzieren.

Vom Abdruck zum Objekt

Aus den Cyanotypien ergeben sich unterschiedliche Formate.Ein Leporello verbindet mehrere Motive zu einer fortlaufenden Reihe. Aufgefaltet zeigt sich eine zusammenhängende Fläche, im geschlossenen Zustand eine Abfolge einzelner Motive.

Zusätzlich nutzen kleine Hefte die Cyanotypien als Seiten oder Umschläge. Der Fokus verschiebt sich vom einzelnen Bild hin zur Nutzung im Alltag.

Auch kleine aufstellbare Kärtchen lassen sich daraus herstellen. Fotografien werden dafür als Negative auf Folie gedruckt und belichtet. So entstehen reduzierte Bildübersetzungen, die sich gut als Erinnerungsstücke eignen.

Das Material verstehen

Im Mittelpunkt steht weniger das einzelne Ergebnis als der Prozess. Variationen ergeben sich durch kleine Veränderungen: andere Motive, unterschiedliche Dichte, veränderte Belichtungszeiten oder verschiedene Untergründe.

Das Verfahren bewegt sich zwischen Gestaltung und Zufall und macht sichtbar, was Material und Licht leisten können.

Bilder: Gita Wikullil

Material und Einstieg

Für den Einstieg braucht es wenig. Entscheidend ist das Zusammenspiel von Licht, Motiv und Oberfläche.

  • Cyanotypie-Chemikalien aus dem Fachhandel
  • Aquarellpapier oder Stoff als Trägermaterial
  • Sonnenlicht
  • Wasser zum Auswaschen
  • Motive oder Negative

Optional:

  • Glasplatte und Klammern zum Fixieren der Motive

Die lichtempfindliche Lösung kommt auf das Material und trocknet vor der Belichtung. Alles, was das Licht abschirmt, bleibt hell, die belichteten Flächen färben sich blau. So entstehen direkte Abbildungen oder grafische Übersetzungen von Fotografien.

Da es bereits viele gute Tutorials zur Cyanotypie gibt, entfällt diesmal ein eigenes Anleitungsvideo. Stattdessen lädt dieser Beitrag dazu ein, das Verfahren mit einfachen Mitteln selbst auszuprobieren.

03.06.2026

Studio Alltag – Material.Idee.Design

Ergebnisse können gerne über Instagram geteilt werden:
www.instagram.com/gita_wikullil/

Mein Laden und Studio in der Nordstadt:
Holländische Straße 48
34127 Kassel

Gita Wikullil ist Designerin mit Schwerpunkt Papier- und Verpackungsdesign. Sie betreibt ein Geschäft für Architektur- und Zeichenbedarf. Ihr Wissen gibt sie in Workshops weiter und auch über Lehraufträge an der Kunsthochschule Kassel sowie am Fachbereich Architektur, Stadt- und Landschaftsplanung der Uni Kassel.

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