Die Klimawende fängt zu Hause an

Die Nachdenk-Kolumne

Wie Bürgerinnen und Bürger die lokale Klimawende in Kassel und der Region vorantreiben können.

Die Klimakrise ist keine abstrakte Bedrohung mehr. Hitzesommer, Starkregen und Ernteausfälle zeigen auch diesen Sommer wieder: Es ist Zeit zu handeln! Der Juni war in Westeuropa der heißeste bisher gemessene. In Spanien und Portugal wurden bis zu 49 Grad gemessen. In den Nachrichten erscheinen Bilder von Waldbränden aus mehreren Ländern. Städte heizen auf und so auch Wohnräume. Immer häufiger wird vor damit einhergehenden gesundheitlichen Risiken gewarnt. Natürlich könnten wir uns jetzt zurücklehnen und – vergeblich – auf politisches Engagement aus Berlin oder Brüssel warten. Wir können aber auch bereits einiges vor Ort tun.

Erneuerbare Energien als zentrales Werkzeug
Denn die gute Nachricht ist: Die Klimawende kann lokal vorangetrieben werden. Jede Kommune, jede Stadt und jede Nachbarschaft kann Teil der Lösung sein – so auch Kassel und die Region Nordhessen. Das zentrale Werkzeug dafür sind erneuerbare Energien. Ob Photovoltaik auf dem Schuldach, ein Bürgerwindrad am Ortsrand oder ein Nahwärmenetz mit Biogas – all das sind keine Zukunftsvisionen, sondern Projekte, die bereits vielerorts realisiert werden.
Dabei lohnt sich das Engagement gleich mehrfach. Erneuerbare Energien schaffen regionale Wertschöpfung, machen unabhängiger von Energieimporten und senken langfristig Kosten.

Lokale Projekte in Kassel und Umgebung
Ein Beispiel mit Vorbildcharakter ist „SoLocal Energy“. Ein Kollektiv aus Kassel, mit dem Ziel, die Klimawende gemeinschaftlich und von unten zu gestalten. Jährlich installiert SoLocal mittlerweile bis zu 200 Balkon kraftwerke in Kassel und der näheren Umgebung oder baut zusammen mit Schülerinnen und Schülern Solaranlagen auf Schuldächern. Auch die Gemeinde Niederkaufungen setzt sich vorbildlich für die Klimawende ein. Über die Förderung von Solar- und Photovoltaikanlagen hinaus ist auch Windenergie in der Region vertreten. Dabei setzt Kaufungen auf die Zusammenarbeit mit Bürgerinnen und Bürgern. Der Windpark Stiftswald ist mit Bürgerbeteiligung durch die Energiegenossenschaft Kaufungen entstanden. Er betreibt neun Anlagen, mit einer Jahresleistung, die mittlerweile für etwa 25.000 Haushalte ausreicht.

Mut zur Veränderung
Was es braucht, ist Mut zur Veränderung und Menschen, die sich zu sammentun. Kommunalpolitik kann Rahmenbedingungen setzen, etwa durch vereinfachte Genehmigungsverfahren oder die Förderung gemeinschaftlicher Energieprojekte. Doch auch als Bürgerinnen und Bürger können wir vieles tun: ein Balkonkraftwerk oder eine Solaranlage auf dem Dach installieren, zum Ökostromanbieter wechseln oder uns an einem Windkraftprojekt beteiligen. Die Klimawende braucht deine Entscheidung, Teil der Lösung zu sein. Denn in Kassel und Nordhessen kommt sie nicht irgendwann, sondern sie ist bereits in vollem Gange.

27.09.2025

Die Autorinnen Kristina Gruber und Martina Keller
sind Nachhaltigkeitswissenschaftlerinnen und forschen zur Nachhaltigkeit
in der Veranstaltungsbranche und zu nachhaltigen Lebensmittel-Wertschöpfungsketten. Als Projektschmiede Keller & Gruber gestalten sie Nachhaltigkeitsprojekte.

Diesen Artikel auch zu lesen in der StadtZeit-Ausgabe 125, Herbst 2025, S. 39
>>hier zu lesen

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