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Sabine Kemna2026-10-13 07:31:582026-10-13 07:31:58Fanny und Felix – Zwei Geschwister, zwei musikalische StimmenGeschichte als offene Wunde der Gegenwart
Staatstheater Kassel zeigt Christoph Heins TRUTZ in der Regie von Dušan David Pařízek
Kasseler Premiere: Samstag, 3. Oktober (Tag der Deutschen Einheit), 18 Uhr, Schauspielhaus
Im Anschluss: Theaterradio KuHL FM „Über Freiheit in politischen Systemen gestern, heute und morgen.“
Von der Kritik hochgelobt und mit einer außergewöhnlichen Besetzung, kommt Christoph Heins eindrucksvoller Roman „Trutz“ in der Bühnenbearbeitung von Dušan David Pařízek ab dem 3. Oktober ans Staatstheater Kassel. Der bekannte tschechische Theaterregisseur Dušan David Pařízek seziert gekonnt und humorvoll große politische und historische Erzählungen – nicht als Archiv, sondern als offene Wunde der Gegenwart. In seiner Inszenierung „Trutz“ zeigt er, was passiert, wenn historisches Unrecht nicht aufgearbeitet wird: Es kehrt zurück – in autoritären Reflexen, repressiven Systemen und simplen Antworten auf die komplexen Fragen unserer Zeit.
Maykl Trutz kann nicht vergessen. Er kann das Schicksal seiner Eltern, die vor den Nazis voller Hoffnung in die Sowjetunion flüchten und dort – wie der befreundete russische Linguist Gejm und seine Familie – dem stalinistischen System zum Opfer fallen, nicht vergessen. Als 18-Jähriger kehrt Maykl nach Deutschland zurück, in die DDR. Doch die Erinnerung an das Gewesene lässt ihn nicht in die Jugendorganisation FDJ eintreten und nach der Wende einen Prozess gegen einen Stasimann anstreben, den er verliert.

TRUTZ: Henning Hartmann, Markus John, Ernst Stötzner, Sarah Franke, Foto: Katrin Ribbe
So wie Maykl nicht vergessen kann, will Christoph Hein nicht vergessen und schrieb mit „Trutz“ ein großes Erinnerungsbuch über die grausamen Verflechtungen und die wechselvolle Leidgeschichte, die im vergangenen Jahrhundert gerade Deutschland und Russland bzw. die Sowjetunion prägten. Ein Jahrhunderttext in mehrfacher Bedeutung: ein Jahrhundert umgreifend, ein Jahrhundert verstehbar machend und ein schmerzhafter, aber hellsichtiger Rückblick: Weil Geschichte nicht einfach vorbei ist; weil das, was war, uns und unser Handeln heute beeinflusst; weil mit der Geschichte heutige Politik legitimiert wird.
Die Produktion ist eine Übernahme vom Deutschen Schauspielhaus Hamburg und wurde ursprünglich als Koproduktion des Staatstheaters Hannover mit den Ruhrfestspielen in Recklinghausen 2018 uraufgeführt.
Es spielt die hochkarätige Originalbesetzung, zu der neben Henning Hartmann, Markus John, Ernst Stötzner auch Kassels neue Schauspieldirektorin Sarah Franke gehört.

TRUTZ: Markus John, Henning Hartmann, Sarah Franke, Foto: Katrin Ribbe
Im Anschluss an die Premiere: Theaterradio KuHL FM live
Über Freiheit in politischen Systemen gestern, heute und morgen
Das Theaterradio KuHL FM macht anlässlich des Tags der Deutschen Einheit und der Premiere „Trutz“ historische Dokumente der Unfreiheit und Unterdrückung hörbar. Menschen aus Kassel und Umgebung sind eingeladen, über den oft als selbstverständlich vergessenen Wert der Freiheit, alte und neue Zwänge sowie zur Frage „Wer macht Geschichte?“ ins Gespräch zu kommen. Zudem wird ein Blick in die Zukunft gerichtet: Lily Sykes, die zukünftige Magdeburger Schauspieldirektorin, spricht über die Herausforderungen ihres Amtes in Sachsen-Anhalt angesichts drohender Kultureinschnitte nach dem starken Abschneiden einer als gesichert rechtsextremen Partei bei der letzten Landtagswahl. Außerdem spricht „Trutz“-Regisseur Dušan David Pařízek über seine aktuellen, spürbaren Erfahrungen mit Einschränkungen der Kunstfreiheit.
Pressestimmen TRUTZ (Auswahl):
„Die vier Schauspieler sind herausragend, schlüpfen souverän in verschiedene Rollen und verarbeiten die gewaltige Textmenge mit beeindruckender Coolness und sichtbarer Spielfreude. Immer wieder gab es Zwischenapplaus. »Trutz« ist Theater, wie es sein sollte!“ – STERN online
„Diktaturen sind ironiefreie Zonen, wie Maykls Mutter einmal feststellt. Aber ertragen kann man das Elend, wenn nicht durch seliges Vergessen, dann nur mit Humor. An diese Inszenierung wird man sich lange erinnern.“ – Neue Presse Hannover
„Es ist schon erstaunlich, wie hellsichtig und in vielen Punkten erschreckend aktuell Dušan David Pařízek Bühnenbearbeitung von Christoph Heins Roman „Trutz“ ist. […] Das Fantastische an seiner Inszenierung ist die Leichtigkeit, die Ideenvielfalt und dieser unbändige, bis an die Grenzen gehende Spielwitz. […] Was für ein unglaublicher Abend!“ – Flensburger Tageblatt
Regie: Dušan David Pařízek, Bühne: Dušan David Pařízek, Kostüme: Kamila Polívková, Dramaturgie: Johannes Kirsten, Dramaturgie Kasseler Premiere: Laura Ellersdorfer
Mit: Sarah Franke, Henning Hartmann, Markus John, Ernst Stötzner
Karten für die Kasseler Premiere sowie die Folgevorstellungen sind an der Theaterkasse, Tel. (0561) 1094-222, und online unter www.staatstheater-kassel.de erhältlich.
25.09.2026
Presseinformation:
Staatstheater Kassel
Karten für die Kasseler Premiere sowie die Folgevorstellungen sind an der Theaterkasse, Tel. (0561) 1094-222, und online unter www.staatstheater-kassel.de erhältlich.
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