Landwirtschaft weiterentwickeln

Uni Kassel beteiligt an länderübergreifendem Forschungsverbund

In der deutschen Agrarforschung ist dieses Projekt ein Schwergewicht: Drei Hochschulen und ein Leibniz-Institut wollen mit einem auf Dauer angelegten und mit hoher Förderung unterlegten Forschungsverbund die Landwirtschaft zukunfts- und klimawandeltauglich machen.

Im Zentrum stehen sogenannte Reallabore, in denen neue Ansätze erprobt und in die Praxis umgesetzt werden. Die Universität Kassel profitiert mit ihrem Standort Witzenhausen durch drei zusätzliche Professuren und ein Reallabor „Nordhessische Lössebene (Intensivierte Ökologische Landwirtschaft)“. Am 17. März gab das Konsortium in Anwesenheit von Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer in Berlin offiziell den Startschuss.

Wie kann Landwirtschaft wettbewerbsfähig, umweltschonend und klimaresilient sein und zugleich Versorgungs- und Ernährungssicherheit auch in Krisenzeiten gewährleisten? Mit dem im Futurium/Berlin feierlich eröffneten Innovationszentrum für Agrarsystemtransformation (IAT) gehen das Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF), die Universität Kassel, die Justus-Liebig-Universität Gießen und die Hochschule Geisenheim neue Wege. In fünf Regionen in Brandenburg und Hessen – den Reallaboren – werden künftig gemeinsam mit Praxisakteuren innovative Lösungen für zentrale Herausforderungen in Landwirtschaft und Ernährungssystemen entwickelt und unter realen Bedingungen erprobt. Rund 250 Gäste aus Politik, Landwirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft nahmen an dem Festakt teil.

Das IAT betrachtet Land- und Ernährungswirtschaft nicht isoliert durch die Brille einzelner Disziplinen oder einzelner Akteure, sondern auf regionaler Landschaftsebene im Zusammenspiel von Produktion, Verarbeitung, Vermarktung und gesellschaftlichen Erwartungen. Entscheidungen in Ackerbau, Grünlandwirtschaft, Tierhaltung oder Energieerzeugung wirken sich auf ganze Regionen aus – in ökologischer, wirtschaftlicher und sozialer Hinsicht. Im Mittelpunkt des IAT stehen fünf Reallabore als dauerhafte Kooperations- und Experimentierräume. Dort arbeiten Forschung, landwirtschaftliche Betriebe, Kommunen, Verwaltung, Wirtschaft und Zivilgesellschaft über viele Jahre hinweg gemeinsam an tragfähigen Ansätzen.

Prof. Dr. Michael Wachendorf, Vizepräsident Forschung der Universität Kassel und selbst Agrarwissenschaftler, betonte: „Das ist ein spannendes, relevantes und extrem vielversprechendes Projekt, das durch seine langfristige Finanzierung die Perspektive eröffnet, gewonnene Erkenntnisse über kurze Zyklen hinaus zu erproben und in die Praxis zu bringen. Wir bringen vor allem unsere Expertise in ökologischer Landwirtschaft ein, aber auch unsere langjährige Erfahrung in der Kooperation mit Partnern aus der Praxis und der Gesellschaft. Auf die enge Zusammenarbeit mit dem ZALF und mit zwei weiteren hessischen Hochschulen freuen wir uns sehr.“

Sebastian Rogga (ZALF), Prof. Ilona Leyer (Hochschule Geisenheim), Silke Flörke (Universität Kassel), Julia Gunnoltz (ZALF) und Barbara Sprenger (JLU Gießen) geben beim Festakt im Futurium Berlin am 17. März mit einem symbolischen Knopfdruck das Startsignal für den Beginn der Reallaborforschung im Innovationszentrum für Agrarsystemtransformation (IAT). | Quelle: © Reimann Fotografen / ZALF.

Timon Gremmels, Hessischer Minister für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur, sagte: „Klimawandel, Kriege und die wachsende Weltbevölkerung stellen die Landwirtschaft vor große Herausforderungen. In den Reallaboren bringen die hessischen Hochschulen wertvolle Expertise ein. Auf diesen hessischen Beitrag zu wichtigen Zukunftsfragen der Versorgung sind wir stolz.“

Am Fachbereich Ökologische Agrarwissenschaften der Universität Kassel werden für das Vorhaben drei sogenannte Sonderprofessuren eingerichtet. Sonderprofessuren haben in erster Linie einen Forschungsauftrag an einer externen Institution (hier das ZALF), übernehmen aber auch ein gewisses Lehrdeputat an der Universität und betreuen dort Studierende. Auch üben sie das Promotionsrecht aus, wodurch sich für Nachwuchswissenschaftler/innen zusätzliche Forschungs- und Karrieremöglichkeiten ergeben.

Die Professuren haben die Denominationen „Ökologischer Gemüsebau“, „Tiergebundene Mischkultursysteme“ und „Nachhaltiges Unternehmertum“. Mit den Berufungen ist in den kommenden Monaten zu rechnen. Die neuen Professuren werden das geplante Reallabor „Nordhessische Lössebene“ inhaltlich entwickeln. Gemeinsam mit Partnern aus der landwirtschaftlichen Praxis, der Politik und der Gesellschaft soll in Nordhessen nach neuen Produktions-, Verarbeitungs- und Vermarktungslösungen gesucht werden, die möglichst nachhaltig sind. „Für den Fachbereich Ökologische Agrarwissenschaften sehen wir hier das Potential, endlich deutlich sichtbarer das so wichtige Thema Gemüsebau sowie die Integration von Tieren und Pflanzenbau zu befördern. Gemeinsam mit der Professur Nachhaltiges Unternehmertum kann hier ein wichtiger Beitrag zur Transformation zu klimaangepasster und Zukunftsfähiger Landwirtschaft geleistet werden“, sagte die Dekanin des Fachbereichs, Prof. Dr. Maria Finckh.

Das IAT wird mit Mitteln des Bundes und der Länder mit einer Aufstockung der Grundfinanzierung des ZALF von 7,2 Mio. Euro im Jahr 2026 (ab 2027 jährlich 9,5 Mio. Euro) realisiert, aufgrund eines Beschlusses der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz (GWK) am 22. November 2024.

Agroforst-Experiment der Uni Kassel in Reiffenhausen bei Witzenhausen. Foto: Matthias Wenger.

18.03.2026

Pressemeldung:
Universität Kassel


Die Universität Kassel hat rund 21.000 Studierende (Wintersemester). Sie versteht sich als eine Universität, an der Offenheit, Initiative, fächerübergreifendes und unkonventionelles Denken gewünscht und gefördert werden. Mehr als 300 Professuren sind in elf Fachbereichen (inkl. Kunsthochschule) organisiert. Zahlreiche neue Studiengänge entstehen derzeit, u.a. im Bereich der Nachhaltigen Transformationen.

Nachhaltigkeitsstudiengänge: www.uni-kassel.de/go/unikassel360grad
Alle Studiengänge: www.uni-kassel.de/go/studium

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