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Lisa Marie Fink
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Lisa Marie Fink2026-10-04 14:52:012026-10-02 15:16:50Kassel – begrünt und bewässertKassel – begrünt und bewässert
Fußläufig unterwegs – Streifzüge durch kulturelle Welten
Der Zisselbrunnen und seine Umgebung
An der verkehrsbelärmten Altmarkt-Kreuzung in Kassel, einem in Asphalt gegossenen Wahrzeichen des autogerechten Wiederaufbaus der kriegszerstörten Stadt, überrascht der Zisselbrunnen als städtebaulicher Kontrapunkt. Dort, wo Brüderstraße und Kurt-Schumacher-Straße aufeinandertreffen und der Stadtteil „Freiheit“ mit der Straße gleichen Namens endet, sollte nach dem Willen der Stadtplaner inmitten des anschwellenden Verkehrsstroms der Wirtschaftswunderjahre eine „Insel der Ruhe“ mit Brunnen entstehen. Nachdem am 8. August 1957 die „modernste Ampelkreuzung Europas“ feierlich ihrer Bestimmung übergeben wurde, folgte zwei Jahre später am 24. Juni 1959 die nicht minder feierliche Einweihung des Zisselbrunnens. Seitdem ist er von dort nicht mehr wegzudenken.
Vorwärts in die Vergangenheit
Mit dem Wissen von heute erscheint uns das Konzept der damaligen Stadtplaner weit vorausschauend und hellsichtig. Als hätten sie geahnt, wie unbedingt notwendig es ist, am hochfrequentierten Verkehrsknotenpunkt Altmarkt ein kleines Areal zum Innehalten und Durchatmen zu bewahren und nicht dem stets nach mehr Fläche verlangenden Autoverkehr zu opfern. Die Errichtung eines denkmalgeschützten, von Kunstwerken geschmückten Brunnens, dessen schlussendliche Namensgebung die Seele Kassels, den Zissel, hervorhob, war ebenso klug wie zukunftsweisend. Niemals und unter keinen Umständen sollte dieser Brunnen dem Abriss anheimfallen und irgendwelchen Neubauten weichen müssen. Feuchtfröhlich ging es am Zisselbrunnen zu, Badespaß und Festtagswonnen waren angesagt. Die Stadt ließ es sich etwas kosten, den Brunnen und seine Umgebung regelmäßig zu pflegen. Doch die letzte große, kostenintensive Instandsetzung liegt schon mehr als zehn Jahre zurück. Es scheint, als sei die Zeit für eine gestalterische Aufwertung gekommen.
Rückwärts in die Zukunft
Die „Insel der Ruhe“ in der Straße „Die Freiheit“ ist eine schmale, von Häusern umgrenzte, zum Zisselbrunnen hinführende Fußgängerzone. Sie beginnt am Abgrenzungsmäuerchen längs der Wildemannsgasse und führt in Treppenstufen übergehend bis zum Vorplatz am Altmarkt. Was Ende der 1950er Jahre als städtebaulicher Kontrapunkt zum Verkehrslärm erdacht und umgesetzt wurde, zeigt mitdem Wissen von heute das Potenzial für eine grüne Lunge. Die Zissel-Linde auf dem Vorplatz wächst bereits seit Jahrzehnten zum stattlichen Solitär mit schattenspendender Baumkrone heran. Brunnen und Baum gehörten schon damals zusammen. Die vereinzelten kleinen Bäume und Pflanzkübel oberhalb der Zisselbrunnen-Treppe geben Anlass zur Hoffnung. Warum nicht dort noch mehr Asphalt aufbrechen, um weitere blättergeschmückte Gehölze anzupflanzen?! Eine den schmalen Grünstreifen flankierende Anlage zur Wasserverdunstung könnte dem Zisselbrunnen zuarbeiten. Vielleicht wären örtliche Hauseigentümer im Zuge einer amtlich initiierten Stadtverwaldung auch von den Vorzügen einer Fassadenbegrünung zu begeistern. Und wie steht es eigentlich um den Untergrund des Vorplatzes? Sind mit dem erworbenen Wissen um die Anpflanzung des Kiefernforstes am Brüder-Grimm-Platz sogar ungeahnte Möglichkeiten für eine grüne Oase am Altmarkt zu entdecken? In Zeiten des Klimawandels und überhitzter Betonwüsten könnte eine kühlende Insel der Erholung entstehen. Das 100-jährige Jubiläum der Zissel-Namensgebung wäre ein schöner Anlass, dem Zisselbrunnen und seiner Umgebung diese besondere Ehre zu erweisen.

4.10.2026
Dieser Artikel ist auch zu lesen in der StadtZeit-Ausgabe 129, Herbst 2026, S. 41
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David Harwardt
David Harwardt







