Einar Schleef – Ich habe kein Deutschland gefunden

Staatstheater Kassel zeigt Dokumentarfilm von Sandra Prechtel

Sonntag, 18. Oktober, 18 Uhr, TiF – Theater im Fridericianum   Eintritt: 9 Euro

Im Anschluss: Filmgespräch mit der Regisseurin

TICKETS

Einar Schleef: Theatermacher und Gesamtkünstler aus der Mitte Deutschlands. Einer, der aus dem Osten floh und im Westen nie ankam. Der das Theater aus dem Wachkoma riss, sich bis zur Selbstzerstörung an der deutsch-deutschen Wirklichkeit abarbeitete und viel zu früh starb. Anhand von eindrucksvollem Archivmaterial entwirft Regisseurin Sandra Prechtel in ihrem Dokumentarfilm ein vielschichtiges Porträt des Ausnahmekünstlers. Noch vor dem offiziellen Kinostart präsentiert das neue Theaterradio KuHL FM den Film bereits am Sonntag, 18. Oktober, um 18 Uhr im TiF – Theater im Fridericianum. Im Anschluss lädt ein Filmgespräch mit der Regisseurin Sandra Prechtel zum Austausch ein.

„EINAR SCHLEEF – Ich habe kein Deutschland gefunden“, Copyright © Filmgalerie 451

Einar Schleef war Theatermacher, Bühnenbildner, Schriftsteller, Fotograf, Maler und Filmemacher. Ein Gesamtkünstler aus der Mitte Deutschlands, der in keinem Deutschland ein Zuhause fand – und deshalb sein genauester Chronist ist. Einar Schleef grub sich mit allen künstlerischen Mitteln in die deutsche Realität hinein, in die Abgründe der deutschen Geschichte, die er in die Gegenwart holte. Schleef hat diese Realität gefühlt, erlitten, geatmet, geschmeckt. Und sie aufgeschrieben, inszeniert, fotografiert, gemalt. Von Schleef lässt sich lernen, wer wir sind, wo wir herkommen, und was heute in diesem Land passiert. Geboren in der ostdeutschen Provinz, aufgewachsen in der Nachkriegs-DDR, erste Theatererfolge in Ostberlin, die auch gleich Skandale sind. Das Überleben in der Diktatur, Flucht. Das Nicht-Ankommen-Können im Westen, Depression, und nach langer Pause zurück an das Westdeutsche Theater, wo Schleef einschlägt wie ein Blitz. Mit jeder Inszenierung sprengt Schleef das deutsche Sprechtheater. Erzählt vom Krieg, der noch stattfindet, von Fremdenhass und der Fremdheit zwischen Ost und West, die sich für Schleef nie aufgelöst hat. „Die Tragödie ist die Welt, wie sie ist“, sagt Schleef. „Die Komödie ist die Erholung davon.“ Schleef konnte sich nicht erholen. Schleefs großes Thema ist das Gefangensein im eigenen Körper, in der eigenen Geschichte. Und der Versuch zu entkommen. Ganz unmittelbar, wenn er, seit der Kindheit mit einer schweren Sprachhemmung ringend, auf der Bühne in freier Rede das Stottern überwindet. In seiner Person und seiner Kunst stecken eine Vision, eine Wut, eine Kraft und ein überraschender Humor, an denen wir uns „hochpumpen können“. So würde Schleef es sagen. Man sieht, hört, fühlt Schleef, den Körpermenschen, erlebt seine Erfolge und sein Scheitern. Ein Stationendrama, das sein Publikum mit ihm, seinen Worten, Texten, Inszenierungen, Fotografien und Filmen auf eine Zeitreise mitnimmt, von seiner Kindheit in Sangerhausen in den 1950er-Jahren bis zur Jahrtausendwende im vereinten Deutschland. Von den Anfängen als hochbegabter Jugendlicher bis zu seinem einsamen Tod in einem Berliner Krankenhaus.

„EINAR SCHLEEF – Ich habe kein Deutschland gefunden“, Copyright © Filmgalerie 451 (2)

Ein Film mit: Einar Schleef, Wilhelm Schleef, Karl von Appen, Jutta Hoffmann, Jürgen Holtz, Gertrud Schleef, Marcel Reich-Ranicki, Martin Wuttke, Peter Iden, Rolf Hochhuth, Gerhard Ahrens, Elfriede Jelinek, Sigrid Löffler, Alfred Biolek

Recherche, Buch, Regie: Sandra Prechtel

Produziert von: Filmgalerie 451

In Koproduktion mit: Rundfunk Berlin-Brandenburg

Gefördert von: Der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, Deutscher Filmförderfonds, Medienboard Berlin-Brandenburg

Tickets für 9 Euro gibt es an der Theaterkasse, Tel. (0561) 1094-222, und online unter www.staatstheater-kassel.de.

6.10.2026

Presseinformation:
Staatstheater Kassel

Karten sind an der Theaterkasse, Tel. (0561) 1094-222, und online unter www.staatstheater-kassel.de erhältlich.

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