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Iryna Sauerwald
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Iryna Sauerwald2026-09-11 10:06:132026-09-11 10:32:30Otto Heinrich Kühner – MalerpoetBeziehungsbildung von Anfang an
Lernfelder für gesunde und tragfähige Beziehungen sind unverzichtbarer Anteil einer Kultur des friedlichen Zusammenlebens.
Sie bilden den fruchtbaren Boden für die drei natürlichen Entwicklungsimpulse des Heranwachsens und Reifens auf dem Lebensweg: Zugehörigkeit, Autonomie und Sein, einfach bedingungslos. Wie schön wäre es, wir könnten uns selbst entspannt versichern: „Ich darf einfach da sein, so wie ich bin!“ Ein Willkommensgruß, der Ahnungen von Wohlwollen und Sicherheit spürbar werden lässt, die Utopie eines planetaren WellBeing.
In den Kindheitserfahrungen der meisten Menschen findet dieses tiefe Selbstgefühl wenig Raum. Eine innige Verbindung zum eigenen Wesenskern ist aber Voraussetzung für weitreichende, soziale Beziehungsfähigkeit.
Eine Blockade dieser Ressource wirkt anhaltend auf dem biographischen Weg. Körperliche und mentale Symptome, beispielsweise Formen von Migräne oder Depressionen, zeigen deutlich, dass hier etwas Existentielles fehlt. Die Gründe mögen vielfältig sein, finden sich aber alle in den Wurzeln unserer Kultur.
Emotionale und somatische Intelligenz einladen
Stark vereinfacht: Das Bild vom Menschen und somit vom Kind basiert auf einer kognitiven Dominanz, die Wissen vor Beziehung setzt, die den Körper mit seiner somatischen Intelligenz weitgehend ignoriert, ebenso wie die emotionale Intelligenz. Daran gekoppelt ist ein Leistungsanspruch, der Funktionalität belohnt und sich schwer tut mit individuellen, nicht direkt messbaren Fähigkeiten.
Eine einflussreiche, amerikanische Familientherapeutin, Virginia Satir, beschrieb es einst so: „Das größte Geschenk, das ich erhalten kann, ist, gesehen, gehört, verstanden und berührt zu werden. Das größte Geschenk, dass ich geben kann, ist, den anderen zu sehen, zu hören, zu verstehen und zu berühren. Wenn dies geschieht, entsteht Beziehung.“

Foto: nsplash – carlos magno.
Bildungspotenziale freisetzen
Achtsamkeit und Empathie sind also Kompetenzen der Beziehungsbildung. Sie weben tragende Netze für heilsame Zukünfte. Mit Blick auf die notwendigen Veränderungen von Schulen spiegelt sich diese Erkenntnis auch bei globalen Impulsgebern. Schauen wir zum Beispiel auf das UNESCO Programm für Bildung im 21. Jahrhundert. Es steht auf vier Säulen: Lernen, zusammen zu leben. Lernen zu sein. Lernen, Wissen zu erwerben. Lernen zu handeln. In der Weiterentwicklung entstand daraus der „Whole School Approach“. Den gleichen Anspruch zeigen die „Inner Development Goals“, die der „UNAgenda 2030 für Nachhaltigkeit“ folgen: „Sein“ und „Beziehung“ sind Ziele für das Erlernen verantwortungsvoller Handlungskraft.
Reiner Wissenserwerb reicht nicht mehr und verändert sich mit den neuen Technologien. Das Tempo der technologischen Dynamik ist höher als die dazu erforderliche Entfaltung von Bewusstsein. Auch deshalb ist eine Aktualisierung des Menschenbildes und unseres Bildungssystems wirklich dringend.
Beziehungsfähigkeit fördern
Eine neue Lernkultur braucht für sozialemotionales Lernen gut verankerte Fächer, wie Achtsamkeit und Empathie, im Ausbildungs- und Schulalltag. Hier werden verkörperte Erfahrungen für lebendige und kreative Beziehungen mit sich selbst und anderen möglich. Dazu gehört natürlich ein Haltungswandel aller beteiligten Akteure. Schulen, Universitäten und Organisationen verstehen sich hier als Lebensräume für Inklusion, Vielfalt und gegenseitige Wertschätzung, für die Förderung von Gemeinschaftserfahrungen und Handeln mit Bezug zu den verschiedenen Lebenswelten. Lernende und Lehrende sind gleichermaßen eingeladen, ihre kreativen Kräfte konstruktiv einzubringen.
Beziehungsbildung ist auf einem starken Weg. Es gibt viele Beispiele. Schenken wir diesem Weg mehr Engagement und Aufmerksamkeit!
17.8.2026
Dieser Artikel ist auch zu lesen in der StadtZeit-Ausgabe 128, Sommer 2026, S. 19
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© Urs Lüthi, Courtesy Galerie Coucou
Claudia Harwardt




