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Iryna Sauerwald
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Iryna Sauerwald2026-08-10 04:07:182026-08-10 08:01:13DER GEÖFFNETE RAUMDein Körper spricht – hörst du hin?
Wenn die Seele nicht mehr weiterweiß, meldet sich der Körper. Verspannungen, Rückenschmerzen und Müdigkeit sind nur ein kleiner teil von körperlichen Symptomatiken, die einem manchmal etwas mehr sagen möchten.
Es ist ein Tag wie jeder andere. Ein junger Mann, sein Name ist Jens, tritt an seinen Schreibtisch. Er möchte sich gerade in seinen Bürostuhl setzen, da sticht es ihm in den Rücken. Es fühlt sich an, als würde ihm jemand von hinten ein heißes, spitzes Messer in den unteren Bereich der Wirbelsäule rammen. Jens erstarrt. Vornübergebeugt, sich am Schreibtisch festhaltend, ringt er um Atem, versucht die Sternchen, die sich vor seinem inneren Auge zeigen, wegzuschieben, und wieder Kontrolle über seinen Körper zu gewinnen. Doch jeder Versuch, eine andere Haltung einzunehmen, endet in einem weiteren qualvollen, stechenden Schmerz im Rücken. Zur selben Zeit quält sich eine Frau namens Anna aus dem Bett – wie jeden Morgen. Sie wacht auf und ist müde, Kaffee hilft ihr schon lange nicht mehrrichtig wach zu werden. Jeder Schritt ist mühsam, sie schleppt sich über den Tag und fällt abends schon sehr zeitig wieder ins Bett, erschöpft, ausgelaugt –und das bereits seit Monaten. Anna kann sich kaum noch daran erinnern, wie es ist, fit und gut gelaunt durch den Tag – und somit auch durch das Leben – zugehen.

Selbstfürsorge beginnt dort, wo man aufhört, für andere zu funktionieren. Foto: Maria Rufle.
Wenn die Seele um Hilfe schreit
Jens und Anna haben ihren Körper über längere Zeit vernachlässigt. Symptome wie Rückenschmerzen, Verspannungen, Erschöpfung, aber auch Bluthochdruck, Diabetes Typ II bis hin zu vielen weiteren körperlichen Beschwerden sind Hilfeschreie des Körpers – und der Seele. Die beiden haben funktioniert, so wie viele Menschen tagtäglich. Sie wollten im Job und in der Familie alles perfekt machen, ihre Aufgaben erledigen, ihren Verpflichtungen nachkommen. Und dabei haben sie sich selbst vergessen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sagt, dass Stress die Hauptursache für körperliche und psychische Erkrankungen in unserer Gesellschaft ist. Das ist schnell gesagt, und so stellt sich doch als nächstes die Frage, was genau Stresseigentlich bedeutet.
Stress im Alltag wahrnehmen
Tagtäglich sind Menschen wie Jens und Anna Stress ausgesetzt: Aufgaben, Verpflichtungen und Verantwortungen, bringen sie dazu, ihr Hamsterrad mit Bravour bedienen. Sie leben ein Leben für die anderen, nicht für sich selbst. Tief in ihnen schlummern Wünsche und Bedürfnisse. Sie sehnen sich nacheinem Leben mit Sinn, mit Freude, mit Erfüllung. Doch ihr eng getakteter Alltag lässt keine Zeit dafür zu. Werden solche tiefen Bedürfnisse über lange Zeit ignoriert und nicht bewusst wahrgenommen, zieht es dem Körper Energie. Erschöpfung und viele andere Erkrankungen sind die Folge. Menschen wie Jens und Anna dürfen lernen, wieder mehr auf sich, auf ihre Wünsche und Bedürfnisse und auch auf ihren Körper zu hören. Sie dürfen sich fragen, was sie vom Leben erwarten, was ihnen Energie, Erfüllung und Lebensfreude schenkt und ihr Leben danach ausrichten.
Oft reicht schon ein kleines „Nein“ zu Aufgaben und Mitmenschen, um Stress von sich fernzuhalten. Jedes Nein im Außen ist ein Ja zu sich selbst.
1.8.2026
Dieser Artikel ist auch zu lesen in der StadtZeit-Ausgabe 128, Sommer 2026, S. 24
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