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Lisa Marie Fink
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Lisa Marie Fink2026-03-13 12:38:392026-03-13 12:38:39Die Frühjahrs-Ausgabe der StadtZeit ist da!Digitalen Nachlass regeln
Wenn ein Mensch stirbt, geraten digitale Spuren– etwa Online-Konten oder Abonnements – oft in Vergessenheit. Sie bleiben bestehen und fordern von den Angehörigen Aufmerksamkeit.
„Fast alles läuft mittlerweile online“, erklärt Melanie Seibt von der Verbraucherzentrale Kassel. „Vom Bankkonto über Verträge bis hin zu sozialen Netzwerken.“ Mit jeder App, jedem neuen Kundenkonto und jedem digitalen Dienst entstehen weitere Daten, Zugänge und Passwörter die digitale Spuren hinterlassen – oft über viele Jahre hinweg. Insbesondere im Zeitalter der Digitalisierung betrifft das Thema Menschen unabhängig vom Alter. Da digitale Spuren weder greifbar noch auf den ersten Blick sichtbar sind, geraten diese meist erst dann in den Fokus, wenn ein Mensch stirbt. Zurück bleiben Angehörige, die sich zusätzlich zu ihrer Trauer um einen Menschen, der nun nicht mehr Teil ihres Lebens ist, mit diesem Thema auseinandersetzen müssen.
Versteckte Kosten im Nachlass
Beim digitalen Nachlass denken viele zunächst an Social-Media-Profile. In der Praxis stehen jedoch häufig andere Dinge im Vordergrund: Laufende Abonnements, kostenpflichtige Software, Cloud-Dienste oder Online-Zahlungsdienste verursachen weiter Kosten, solange niemand sie kündigt. In der Beratung erlebt Melanie Seibt, wie unübersichtlich diese Situation sein kann. „Viele unterschätzen, wie viel Geld und Verantwortung im Digitalen steckt“, sagt sie. „Angehörige sehen Abbuchungen auf dem Konto und wissen oft nicht, wofür diese stehen.“ Ohne Zugangsdaten beginnt eine mühsame Suche. Unternehmen reagieren langsam oder gar nicht. Der organisatorische Aufwand zieht sich über Monate. Währenddessen laufen Verträge weiter, ohne Kündigung greift der normale Mahnprozess und Schulden gehen auf die Erben über.

KI-generiertes Bild.
Vorsorge schafft Klarheit
Wer den digitalen Nachlass frühzeitig ordnet, erleichtert Angehörigen später viele Entscheidungen. Dabei geht es weniger um technische Perfektion als um Übersicht und Auffindbarkeit.
Alle relevanten digitalen Zugänge lassen sich an einem zentralen Ort bündeln – das kann ein digitaler Ordner oder ein handschriftliches Verzeichnis sein. Eine klare Struktur hilft bei der Prioritätensetzung: Informationen über Kosten oder Einnahmen stehen an erster Stelle, gefolgt von einer Übersicht über Kündigung, Löschung oder Weiterführung der Konten.
Am einfachsten behalten Menschen den Überblick, wenn sie eine Tabelle anlegen, in der alle Konten, Dienste und Passwörter vermerkt sind. Diese Übersicht kann handschriftlich oder digital geführt werden.
Zur Aufbewahrung gibt es verschiedene Möglichkeiten: USB-Sticks als „digitale Zeitkapsel“, ein farbig markierter Ordner oder ein handschriftliches Verzeichnis. Wichtiger als das Medium ist, dass die Informationen regelmäßig gepflegt werden. Denn Passwörter ändern sich, neue Konten kommen hinzu, andere fallen weg – den digitalen Nachlass zu regeln bleibt ein fortlaufender Prozess. Ein Passwortmanager, eine sichere App oder Software, die alle Passwörter verschlüsselt speichert, bündelt alle digitalen Zugänge und Daten. Der Zugriff ist über ein Masterpasswort möglich. Wichtig ist auch eine Vertrauensperson, die weiß, wo die Informationen liegen und wann sie im Ernstfall zugänglich sind. Ob das Passwort in einem Tresor, einem Bankschließfach oder an einem anderen geschützten Ort liegt, hängt von den persönlichen Vorlieben ab.
Viele Bestattungsunternehmen bieten heute auch Beratung und Unterstützung beim digitalen Nachlass an. Sie helfen Angehörigen dabei, digitale Konten, Zugänge und Verträge zu identifizieren, geben Tipps zur Organisation oder zum Erstellen eines digitalen Verzeichnisses und entlasten so in einer ohnehin belastenden Situation.
Bei all dem sollte klar sein: Absolute Sicherheit gibt es nicht. Digitale Daten können verloren gehen, physische Unterlagen beschädigt werden. Wer jedoch vorsorgt, seine Zugänge organisiert und einer vertrauten Person vermittelt, reduziert Unsicherheit und entlastet Angehörige spürbar.
04.03.2026
Erste Schritte beim digitalen Nachlass
Die Verbraucherzentrale Kassel bietet eine Übersicht mit verständlichen Informationen und konkreten Einstiegshilfen. Dort finden sich Tipps, wie man digitale Konten auflistet, Zugänge dokumentiert und erste Vorkehrungen treffen kann.
Weitere Artikel zum Thema „Abschied nehmen“ auch zu lesen in der StadtZeit-Ausgabe 127, Frühjahr 2026, Seite 4.
>> hier zu lesen














