
Erste Einblick in die documenta 16
Naomi Beckwith ist die Künstlerische Leiterin der kommenden documenta, die vom 12. Juni bis 19. September 2027 in Kassel stattfindet. Am 18. März gewährte sie der Öffentlichkeit erste Einblicke in ihr kuratorisches Vorgehen für die kommende Ausstellung.
Die im Dezember 2024 durch eine international besetzte Findungskommission berufene Künstlerische Leiterin lud die Anwesenden zu einem Streifzug durch ihre kuratorische Arbeit ein und legte dar, mit welchen Themen und künstlerischen Strategien sie sich im Laufe ihrer Karriere beschäftigt hat – und welche konzeptionellen Ansätze sie mit Blick auf die documenta 16 verfolgt. Überzeugend gelang es ihr, aus dieser Arbeitsbiografie heraus abzuleiten, welch herausgehobenen Stellenwert Fragen nach Respekt, Menschenwürde und persönlicher Wertschätzung im Umgang mit Künstler*innen und Publikum in ihrer Arbeit genießen.
Die Zukunft mit Kunst gestalten
Die Einladung der documenta und Museum Fridericianum gGmbH stieß auf überwältigendes Interesse in der Kasseler Stadtgesellschaft und den Medien. Rund 700 Menschen folgten in der documenta Halle den Ausführungen Naomi Beckwiths und stellten im Anschluss an die Präsentation ihre Fragen.
Naomi Beckwith beschrieb ihre Haltung und stimmte das Publikum auf den Weg zur documenta 16 ein: „Die Künstlerische Leitung der documenta zu übernehmen, ist eine der aufregendsten Herausforderungen, die ich mir vorstellen kann, und für viele Künstler*innen weltweit ist die Teilnahme an der documenta das auch. Unsere Zusammenarbeit mit Künstler*innen und künstlerischen Teams wird geprägt sein von tiefem gegenseitigem Respekt und einer Haltung des Teilens, und unsere unterschiedlichen Identitäten betrachten wir als eine Stärke und nicht als Grund für Spaltung. Dabei sind wir uns auch bewusst, dass Künstler*innen Meinungen haben, Standpunkte vertreten, Bürger*innen sind und sich mit der Gesellschaft sowie dem Kontext, in dem sie arbeiten, auseinandersetzen. Gemeinsam mit Künstler*innen und dem kuratorischen Team wollen wir darüber nachdenken, welche Zukünfte wir gemeinsam gestalten können und was die Kunst für die Welt tun kann.“

Naomi Beckwith, Foto: Nicolas Wefers
Beckwiths Vision überzeugt
Für den Aufsichtsrat der documenta gGmbH äußerte sich im Anschluss an die Veranstaltung deren Vorsitzender, Kassels Oberbürgermeister Sven Schoeller: „Naomi Beckwiths erste Einblicke in ihre kuratorische Arbeit wecken Spannung und Zuversicht – und die documenta 16 nimmt ab sofort Gestalt an. Ihre Expertise, ihr Enthusiasmus und der Beginn ihrer Arbeit in Kassel setzen eine positive Wegmarke zu einer außergewöhnlichen und global geprägten Ausstellung 2027 in Kassel.“
Hessens Kulturminister Timon Gremmels, stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrats der documenta und Museum Fridericianum gGmbH, erklärte: „Naomi Beckwith beeindruckt: mit ihrer Vita, ihrer intellektuellen Schärfe, ihrer Klarheit in der Übernahme kuratorischer Verantwortung und ihrem Wissen um die Bedeutung der documenta – sowohl für Kassel als auch für die Welt. Mit ihrer Präsentation hat sie eindrucksvoll dargelegt, wie sie ihren kuratorischen Weg zur documenta 16 gestalten wird. Und auch, auf welche Weise sie die Kunst- und Diskursfreiheit mit dem Schutz vor Antisemitismus und Diskriminierung in Einklang bringt. Ihre überzeugende Herangehensweise findet unsere ausdrückliche Anerkennung. Mit Spannung begleiten wir nun den weiteren Weg hin zur kommenden Ausstellung. Ich freue mich sehr auf den Sommer 2027 und auf tausende Gäste in meiner Heimatregion, die die documenta als Leuchtturm in der internationalen Kunstwelt erleben werden.“
Ein Ort des Experiments, der Utopie und Reflexion
Andreas Hoffmann, Geschäftsführer der documenta und Museum Fridericianum gGmbH fasste zusammen, was viele Besucher*innen an diesem Abend beim anschließenden Get-together ausdrückten: „Einmal mehr freue ich mich auf die Zusammenarbeit mit Naomi Beckwith und die Aussicht auf eine Ausstellung, die sich den drängenden globalen Fragen stellt und mit einem Kreis internationaler Künstler*innen Positionen erarbeitet, die sich auf ganz individuelle Weise und in einem respektvollen Miteinander in diesen Weltzusammenhang stellen. In der gegenwärtigen Situation multipler Krisen und Kriege, der immer schwieriger sich gestaltenden Kommunikation und der auf Konfrontation ausgerichteten Supermächte ist die Kunst ein wertvolles Feld des Experiments, der Utopie und der Reflexion. In der ästhetischen Bearbeitung der Spannung zwischen individueller Wahrnehmung und äußeren Bedingungen steckt das Potenzial für uns alle, Mut zu schöpfen, einander zu vertrauen und nicht zuletzt eine gute, inspirierende Zeit in Kassel miteinander zu verbringen.“

Foto: Nicolas Wefers
20.03.2025
Pressemeldung:
documenta und Museum Fridericianum gGmbH