Hofleben neu gedacht

Pflege und Bauernhof – eine Verbindung, die älteren Menschen neue Möglichkeiten eröffnet. Auf Höfen, die nach dem Green-care-Konzept arbeiten, können Senior:innen aktiv am Alltag teilnehmen, Tiere betreuen und sich einbringen. Nele Kleppe möchte diese Idee nun in Kasseler Umgebung umsetzen und einen Pflegebauernhof aufbauen.

Frisches Heu verteilen, Gemüse aus dem Beet ernten oder die Tiere auf die Weide bringen – all das soll auf dem künftigen Pflegebauernhof Teil des täglichen Lebens sein. Nele Kleppe erklärt: „Das Konzept geht zurück auf die Ursprünge im Dorfleben. Dort war es auf einem Mehrgenerationenbauern
hof üblich, dass die älteren Menschen in den Hofalltag eingebunden waren.“ Bewohnende des Bauernhofes können Gartenarbeit übernehmen oder sich um die Tiere kümmern. Auch einfache Tätigkeiten, wie das Füttern der Hühner, oder persönliche Lieblingsbeschäftigungen wie Kuchen backen, lassen sich in den Tagesablauf integrieren. „Wichtig ist, dass der Hofbetrieb nicht auf die Senior:innen angewiesen ist“, erklärt Nele Kleppe.
Pflegekräfte werden zugleich in die Tierbetreuung eingebunden, und die Hälfte des Teams soll auf dem Hof wohnen, um den Alltag lebendig und verlässlich zu gestalten.

Von der Idee zum Projekt
Nele Kleppe bringt langjährige Erfahrung mit Tieren und Landwirtschaft mit. Über zehn Jahre war sie im Pferdesport aktiv, vertrat Bauern während der Urlaube und kümmerte sich um eigene Hunde und Hasen. Ein freiwilliges soziales Jahr in einem Krankenhaus machte ihr die Dringlichkeit des Pflegenot
stands bewusst und vertiefte ihre Verbindung zu älteren Menschen. Auf die Idee eines eigenen Pflegebauernhofs kam sie durch einen Bericht über einen Pionierbetrieb in Marienrachdorf, der das Green-Care-Konzept seit 15
Jahren erfolgreich umsetzt. Nach Workshops und Online-Seminaren stand für sie fest: „Es fehlen noch die passenden Mitstreiter:innen.“ Anfang 2024 fand sich ihre Gruppe zusammen, gründete ein Projektteam und plant als
nächstes die Vereinsgründung von „Hof Lebenswert Nordhessen“.
Die Planung für den Hof steht noch am Anfang „Das nächste Ziel ist es, ein Objekt zu finden, davon hängt alles ab. Ich glaube, wenn wir da was haben, steigt die Motivation für  das Projekt nochmal.“ so Nele Klepper. Ein Objekt ist bereits in der engen Auswahl. Bis der Standort eröffnet werden kann, rechnen
die Beteiligten mit mindestens zwei Jahren Vorlauf.

Der Verein „Hof Lebenswert Nordhessen“. Foto: Nele Kleppe

Neue Chancen für alte Höfe
Über die Unterstützung älterer Menschen hinaus können Pflegebauernhöfe auch dem Hofsterben entgegenwirken. Durch industrielle Landwirtschaft sehen Betreibende von Mehrgenerationshöfe vermehrt keine Zukunft, es fehlen Nachfolger:innen und der Verkauf gestaltet sich oft schwierig. Durch
die Umwandlung in Pflegebauernhöfe können die bisherigen Eigentümer:innen weiterhin auf dem Hof leben und gleichzeitig den Betrieb erhalten. Für eine solche Zukunft stellt sich Nele Kleppe auch vor, Kinder- und Schulgruppen sowie Dorfbewohner:innen aktiv einzubeziehen, etwa durch
Hoffeste oder Gottesdienste, um ein buntes und lebendiges Hofleben zu gestalten.

Die Projektgruppe ist offen für Unterstützung: Interessierte können sich als Spendende, Bewohnende, Mitarbeitende oder Helfende Person einbringen. „Wir freuen uns über jeden, der das Projekt begleiten möchte, egal ob Landwirt:in oder jemand, der sich für Senior:innen engagieren will“, sagt Kleppe. Die Gruppentreffen finden regelmäßig statt, um Ideen umzusetzen und das Projekt voranzutragen.

02.02.2026

Die Autorin Lisa Marie Fink
studierte an der Universität Kassel und absolviert derzeit einen Master im Bereich Bildung und Ungleichheit in Göttingen. Sie schreibt für das Magazin und ist zudem in Redaktion und Organisation der Hefte tätig. In ihrer Freizeit beschäftigt sie sich gerne mit Feminismus und Nachhaltigkeit.

Mitmachen und unterstützen
Kontakt: Nele Kleppe
Tel. 0171-560 66 46
Hofglueck2025@proton.me

Dieser Artikel ist auch zu lesen in der StadtZeit-Ausgabe 126, Winter 2025/26, S. 17
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