ICH, DAS TIER. Vom bösen Wolf bis Donald Duck

Ob Pechvogel Donald Duck, der faule, gefräßige Garfield oder der Wolf aus der Comic-Serie »Fables«, mit Anleihen aus den Grimm’schen Märchen – Tiere prägen die Geschichte(n) des Comics auf ihre charakteristische Art und in ganz wesentlichem Ausmaß. Mit der von Dr. Alexander Braun kuratierten Sonderausstellung zeigt die GRIMMWELT in ihrem 10. Jubiläumsjahr die Bandbreite der Tierfiguren in Bildgeschichten.

Von den Bilderbogen mit Märchenmotiven aus dem 19. Jahrhundert und ersten Comic-Strips aus US-amerikanischen Tageszeitungen über Garfield und Donald Duck bis hin zur zeitgenössischen Comic-Kunst: Allen Erzählungen dieser Sonderausstellung ist gemeinsam, dass ihre Hauptfiguren Tiere sind. Sie sind Helden oder Antihelden, Gegenspieler oder Helfer, treue Gefährten oder verwunschene Menschen. Ihre Darstellungen dienen oft als Projektionsfläche menschlicher Eigenschaften, Emotionen, Wünsche und Werte. Erzählstoffe mit menschenähnlichen Tiergestalten führen schließlich zu der Frage nach der Rolle von Tieren – sowohl in den Geschichten, als auch im gesellschaftlichen Leben. Das komplexe Beziehungsgefüge von Mensch und Tier schlägt sich in unzähligen Facetten des Alltags- und Kulturlebens nieder: In Mythen, Märchen und Memes, in Kosenamen und Sprichwörtern, in (Status-)Symbolen, Marketing und Subkulturen wie der des Furry Fandom. Die Ausstellung richtet den Blick auf Tierdarstellungen in Comics.

Von originalen Zeichnungen bis Merchandise
Die Ausstellung präsentiert mit rund 200 Exponaten die Vielfalt tierischer Figuren im Comic – von originalen Zeichnungen, Skizzen und Animationszeichnungen bis hin zu Merchandise-Artikeln, wie etwa zu Donald Duck und Garfield. Historische Entwicklungen werden anhand von Illustrationen zu Tierfabeln wie »Reineke Fuchs« aufgezeigt, dem bekannten Fabelstoff aus dem Mittelalter, mit dem sich auch Jacob Grimm intensiv befasst hat. Die Ausstellung erzählt so die Geschichte des Comics – von Bilderbogen aus dem 19. Jahrhundert über frühe US-Zeitungsstrips bis hin zu Werken zeitgenössischer Künstlerinnen und Künstlern.

Foto: Nicolas Wefers

Mitmachen
»Schlau wie ein Fuchs« oder »der böse Wolf«: Tierdarstellungen – in illustrierten Märchenbüchern, Comics oder Animationsfilmen – tragen zur Fortschreibung stereotyper Bilder bei. In der Ausstellung werden die Besuchenden dazu eingeladen, ihre Assoziationen zu den tierischen Märchenfiguren zu reflektieren. An anderer Stelle können sie eigene Comic-Geschichten entwickeln und dabei kreativ mit den verschiedenen Elementen der Comic-Kunst experimentieren. Mit weiteren interaktiven Angeboten regt die Ausstellung immer wieder zum Mitmachen und Nachdenken an. Die Cartoonistin Nadine Redlich hat für die Ausstellung eine Rätselspur für Kinder entworfen und eine Kulisse geschaffen, in der sich Besuchende in Tiere verwandeln können.

Faszination, Respekt, Angst: Mensch-Tier-Beziehungen
Das Verhältnis zwischen Mensch und Tier ist geprägt von Emotionen, kulturellen Deutungen und gesellschaftlichen Dynamiken. Eine Videoinstallation der Filmemacherin Hannah Leonie Prinzler zeigt verschiedene Perspektiven auf Mensch-Tier-Beziehungen und macht deren Ambivalenzen sichtbar. In neun Einzelinterviews sowie einer Film-Collage kommen ganz unterschiedliche Erfahrungen und Aspekte zur Sprache – ob Tierbilder in Märchen, Mythen und im Comic, Tiere im Tierpark und im urbanen Raum, als Content im Internet oder als Nahrungsmittel. Die Installation versammelt Expertisen u.a. aus der Kunst und Kunstwissenschaft, Biologie, Verhaltens- und Erzählforschung.

Die Ausstellung findet vom 23. August 2025 bis zum 12. April 2026 statt und ist jeweils Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr geöffnet.

Der Kurator Dr. Alexander Braun
Alexander Braun, 1966 in Dortmund geboren, promovierte 1995 in Kunstgeschichte über den amerikanischen Installationskünstler Robert Gober. Eine Karriere als bildender Künstler führte Braun mit Ausstellungen in Deutschland, Österreich, GB und Spanien bis in die USA. Renommierte Stipendien und Preise: u.a. Stiftung Kunstfonds 2011, Bonner Kunstpreis 2009, Artist in Residence Chinati Foundation, Marfa, Texas, 1999.

Ab 2008 widmete sich Braun verstärkt der musealen Vermittlung des Mediums Comic. 2010 gründete er die »German Academy of Comic Art«. Es folgten bislang 24 Museums-Ausstellungen zum Thema, darunter »Pioniere des Comic« (Schirn Kunsthalle, Frankfurt a.M., 2016) und »Comics!, Mangas!, Graphic Novels!« (Bundeskunsthalle, Bonn, 2017).

Es erschienen mehr als 20 voluminöse Publikationen zur Geschichte des Comics. 2015 und 2020 wurde Alexander Braun in den USA (für seine in drei Sprachen erschienenen Bände zum Werk von Winsor McCay und dem von George Herriman, Taschen Verlag) als bisher einziger Deutscher mit je einem »Eisner Award« ausgezeichnet, dem »Oscar« der Comic-Welt. Von den in München vergebenen »Peng«-Preisen wurde Braun 2025 bereits der vierte zuerkannt, 2022 würdigte man Brauns wissen-schaftliche Leistungen in Erlangen mit einem Max-und-Moritz-Preis. Seit der Gründung 2019 hat sich Braun vornehmlich in den Dienst des »schauraum: comic + cartoon« in Dortmund gestellt und dort bislang neun Ausstellungen kuratiert, zuletzt die Erfolgs-Ausstellungen »Die Simpsons – Gelber wird’s nicht« und »Black Comics. Vom Kolonialismus zum Black Panther«.

28.06.2025

Pressemeldung:
GRIMMWELT

Ausstellung
23. August 2025 bis 12. April 2026, jeweils Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr geöffnet.

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