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Çiğdem Özdemir
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Çiğdem Özdemir2026-01-20 17:38:372026-01-21 08:17:05Vom Jurastudium zur KunstwissenschaftRegional und Bio
Neue Wege für Ernährung und Landwirtschaft in Nordhessen.
Angesichts globaler Lieferketten, Klimawandel und wachsender Entfremdung zwischen Konsum und Produktion gewinnt seit einigen Jahren ein Thema zunehmend an Bedeutung: Regionalität. Auch in Nordhessen lässt sich beobachten, wie Verbraucherinnen, Erzeugerbetriebe und Initiativen gemeinsam neue Wege einschlagen – hin zu mehr Nachhaltigkeit, Qualität und Gemeinschaftssinn durch regionale und bioregionale Lebensmittel. Eine gesetzliche Definition von Regionalität gibt es nicht; der Begriff wird je nach Kontext unterschiedlich verwendet. Im Lebensmittelbereich meint er meist Produkte aus einem bestimmten Umkreis, zum Beispiel in Kassel aus Nordhessen, Südniedersachsen und Ostwestfalen. Doch Regionalität ist über die Frage der Entfernung hinaus, auch eine Frage der Identität. Regionale Lebensmittel stehen für eine bestimmte Landschaft, Tradition und Handwerkskunst – seien es die Bio-Kartoffeln aus dem Fuldatal, die nordhessische Ahle Wurst oder die Streuobstprodukte von den heimischen Wiesen. Hinzu kommen Aspekte wie Nachhaltigkeit aufgrund kurzer Transportwege und die Stärkung regionaler Wirtschaftskreisläufe.
Regional ist nicht gleich Bio
Durch den Konsum regionaler Produkte bleibt die Wertschöpfung in der Region. Bauernhöfe, handwerkliche Verarbeitungsbetriebe, Wochenmärkte und kleinere Läden profitieren davon. Das schafft Arbeitsplätze und trägt zum Erhalt landwirtschaftlicher Strukturen bei. Wichtig ist: eine regionale Produktion ist nicht automatisch nachhaltig. Regionale Produkte können mit hohem Einsatz von Pestiziden, Düngemitteln und Energie produziert werden. Betriebe mit Massentierhaltung sind je nach Standort des Betrachters auch regional zu finden. Dahingegen verfolgen viele, insbesondere kleine, konventionelle Landwirte eine nachhaltigere Wirtschafsweise, lassen ihre Betriebe aber aufgrund bürokratischer und finanzieller Herausforderungen nicht biozertifizieren. Es lohnt sich also beim regionalen Einkauf genauer hinzuschauen. Wer auf Nummer sicher gehen will, dem ist der Einkauf regionaler Bioprodukte geraten.
Bioregionale Produkte vereinen die Vorteile regionaler Herkunft mit den Prinzipien der ökologischen Landwirtschaft: keine synthetischen Pestizide, artgerechte Tierhaltung, Erhalt der Bodenfruchtbarkeit und Förderung der Biodiversität. In der Region Kassel gibt es eine Vielzahl an Betrieben, die diese Idee leben und umsetzen. Die Produktvielfalt erstreckt sich von Gemüse über Streuobst, bis hin zu Kichererbsen, Milch- und Fleischprodukten. Diese können entweder direkt von den Erzeugenden ab Hof, in Form von Abokisten, auf Wochenmärkten oder in Bioläden bezogen werden. Eine weitere Möglichkeit ist die Solidarische Landwirtschaft.

Einkauf auf dem Wochenmarkt. Foto: DC Studio – stock.adobe.com
Konzepte für ein nachhaltiges und zukunftsfähiges Ernährungssystem
Sie ist ein alternatives Modell der Lebensmittelproduktion und -verteilung. Dabei schließen sich Erzeugerbetriebe mit privaten Haushalten zu einer Wirtschaftsgemeinschaft zusammen. Gemeinsam tragen sie die Kosten der landwirtschaftlichen Produktion – und teilen sich die Ernte – saisonal, regional und ökologisch. Konsumentinnen können sich darüber hinaus aktiv an der Lebensmittelproduktion beteiligen – mit regelmäßiger Mithilfe auf dem Acker oder durch die gemeinsame Planung der Anbaukulturen. Im Landkreis
Kassel gibt es aktuell drei sogenannte Solawis, die ihren Mitgliedern eine Vielfalt an Produkten anbieten.
Die Region Kassel zeigt schon heute, dass Regionalität und biologische Landwirtschaft keine Nischenphänomene mehr sind oder sein müssen. Durch innovative Konzepte, starke Netzwerke und das wachsende Bewusstsein der Bevölkerung entsteht eine lebendige bioregionale Lebensmittelkultur. Wer regional und bio einkauft, unterstützt über die heimische Landwirtschaft hinaus, auch eine sozial gerechtere, umweltfreundlichere und geschmacklich vielfältigere Zukunft.
29.09.2025
in der Veranstaltungsbranche und zu nachhaltigen Lebensmittel-Wert
schöpfungsketten. Als Projektschmiede Keller & Gruber gestalten sie mit Kristina Gruber Nachhaltigkeitsprojekte.
Diesen Artikel auch zu lesen in der StadtZeit-Ausgabe 125, Herbst 2025, S. 22
>>hier zu lesen





Sylwester Pawliczek







