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Iryna Sauerwald
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Iryna Sauerwald2026-03-06 08:00:412026-03-05 19:00:01Renate Olbrich – Magische MomenteSchicht für Schicht
Wie im richtigen Leben: Meist sind es die stillen Helfer, mit denen sich das Chaos in den Griff kriegen lässt. Ein kleines Küchenwerkzeug zeigt, dass weniger manchmal mehr ist.
Er liegt unscheinbar in der Küchenschublade, meist irgendwo zwischen Schneebesen, Knoblauchpresse und dieser ominösen Zange, deren Zweck man längst vergessen hat. Und doch ist er immer da, wenn’s ernst wird. Kein Glamour, kein Schnickschnack, keine Werbung mit glänzenden Versprechen. Mit Edelstahl glänzt er zwar auch, macht aber nicht auf dicke Hose.
Ohne ihn aber? Wären viele Mahlzeiten einfach – ungeschält. Kaum ein Küchenutensil wird so achtlos behandelt und so selbst verständlich gebraucht. Dabei ist dieses kleine Ding das stille Rückgrat der Küche. Es steht am Anfang fast jeder Kochaktion: bevor das Gemüse in den Topf darf, bevor der Apfel zum Kompott wird, bevor der Spargel glänzend weiß auf dem Teller liegt. Mit präzisem Schwung trennt es, was überflüssig ist, und legt frei, was zählt – das
Gute darunter.
Es gibt ihn in zahllosen – und für den versierten Nutzer oder die versiertere Nutzerin hoffentlich eben nicht zahnlosen – Varianten: gerade, gebogen, mit Pendelklinge oder festem Blatt, aus Plastik, Edelstahl oder mit nostalgischem Holzgriff. Die Schweiz nennt ihn Rex, andere schwören auf den Pendelschäler, und mancher bezeichnet ihn liebevoll als Kartoffelschäler. Doch egal, wie man ihn ruft – er tut, was getan werden muss. Und das leise, effizient, ohne Aufhebens.

Foto: Carlo Sardena – Pixabay
Ein Werkzeug der Klarheit
Sein Einsatzgebiet ist erstaunlich vielseitig. Karotten, Äpfel, Gurken, Spargel – alles kein Problem. Mit etwas Geschick wird er auch zum Parmesan-Hobel, Schokoladen-Raspler oder Zucchini-Nudel-Maschine. Manche Bastler nutzen ihn, um Kerzenreste zu formen oder Farbschichten von Holz zu ziehen. Und wer einmal beim Camping mit stumpfem Messer gesessen hat, weiß: So ein Werkzeug kann auch ein kleines Überlebensinstrument sein. Und wer weiß – vielleicht hat er sogar schon die eine oder andere Beziehung gerettet,
wenn beim Kochen mal die Nerven blank lagen.
Vielleicht steckt in ihm sogar eine ganze Küchenphilosophie. Denn schon an der Frage, ob man lieber von vorne oder von der Seite schält, scheiden sich die Geister. Da werden in Küchen leidenschaftliche Debatten geführt – fast schon Glaubensfragen, die Generationen trennen. Die einen schwören auf den geraden Schäler, die anderen können nur mit der Pendelklinge glücklich werden. Und wehe, jemand greift zum falschen Modell.
Dabei tut der unschuldige Sparschäler nichts anderes, als das Überflüssige zu entfernen, um den Kern sichtbar zu machen. Ein Werkzeug der Klarheit, der Reduktion – und damit eigentlich ziemlich modern. Minimalismus in Reinform, ganz ohne Trendlabel. Er glänzt selten, er rostet manchmal, und doch greift jede Hand irgendwann nach ihm.
Also: Hut ab vor diesem stillen Helden der Küchenschublade, der einfach immer da und bereit ist.
Und falls Sie demnächst wieder in der Küche vor der unaufgeräumten Schublade stehen: Schenken Sie ihm einen Gedanken. Ein kurzer Blick, ein stilles Danke – mehr braucht er nicht, solange eine geduldige Hand ihm den richtigen Schwung verleiht.
28.02.2026
Dieser Artikel ist auch zu lesen in der StadtZeit-Ausgabe 126, Winter 2025/26, S. 32
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