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Lisa Marie Fink
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Lisa Marie Fink2026-03-13 12:38:392026-03-13 12:38:39Die Frühjahrs-Ausgabe der StadtZeit ist da!Schwarzbuch Kassel Airport
Flughafen ist volkswirtschaftliches Desaster
Calden. Vor dem Hintergrund des Total-Ausfalls beim Winterflugplan durch Fischer Air und anhaltender millionenschwerer Subventionszahlungen hat das zivilgesellschaftliche Bündnis „Kassel Airport Stoppen“ heute das „Schwarzbuch Kassel Airport“ vorgestellt. Die Studie widerlegt zentrale Annahmen der Flughafenbefürworter und belegt, dass der Betrieb des Airports ökonomisch irrational, ökologisch schädlich und sozial ungerecht ist. Nach rund 70 Seiten wissenschaftlich fundierter Analyse, empfiehlt das Schwarzbuch den Flughafen Kassel-Calden zu schließen.
1. Wissenschaftliche Mängel und Befangenheit: Klophaus-Gutachten als Bewertungs-Grundlage unhaltbar
Das 2025 veröffentlichte Gutachten von Prof. Klophaus zur regionalökonomischen Bedeutung des Kassel Airport weise gravierende methodische Fehler auf. Der Autor sei als Mitglied in mehreren Interessensverbänden für Regionalflughäfen zudem befangen und wurde bereits in der HNA mit dem Vorwurf konfrontiert, Gefälligkeitsgutachten zu erstellen. Das Bündnis hat zentrale Zahlen von Klophaus detailliert widerlegt und hält eine weitere Verwendung als Entscheidungsgrundlage für unverantwortlich. „Das Klophaus-Gutachten ist ein Musterbeispiel für interessengeleitete Wissenschaft. Statt seriöser Analyse werden hier Zahlen produziert, die den Flughafen künstlich am Leben halten sollen.“ so Arvid Jasper, Ökonom vom Bündnis „Kassel Airport Stoppen“.
2. Volkswirtschaftlicher Schaden übersteigt Nutzen um das Dreifache
Laut den Berechnungen im „Schwarzbuch“ verursacht der Kassel Airport jährliche volkswirtschaftliche Schäden von 68 Mio. €. Dem stehen nur 20 Mio. € direkte regionale Wertschöpfung gegenüber – selbst inklusive 13 Mio. € indirekter Effekte bleibt der Schaden doppelt so hoch wie der Nutzen.
Die Steuereinnahmen für Land und Kommunen betragen nur 4,7 Mio. €. Für jeden Euro direkter Subvention fließt nur ein halber Euro an regionalen Steuereinnahmen zurück. Obendrein entstehe pro Euro Steuereinnahme ein volkswirtschaftlicher Schaden von 14 €. Der Flughafen sei somit ein „Schwarzes Loch für Steuergelder“ – das Geld fehle an anderer Stelle, etwa für Klimaschutz, Kitas oder Krankenhäuser.
3. Gebrochene Versprechen: Passagierzahlen und Subventionen
Seit Jahren werden unrealistische Prognosen verbreitet: Statt der versprochenen 600.000 bis einer Million Passagiere wurden 2025 nur knapp 30.000 gezählt: 4% der Passagiere und sogar nur 1% der Fracht des ursprünglichen Plans. Trotz wiederholter Ankündigungen, den Flughafen bis 2015, dann 2020 und zuletzt 2024 ohne Subventionen zu betreiben, fließen jährlich 9 Mio. € direkte und 16 Mio. € indirekte Zuschüsse.
„Jahr für Jahr werden die gleichen leeren Versprechen wiederholt – und Jahr für Jahr fließen Millionen an Steuergeldern in ein gesellschaftlich schädliches Projekt, das nie wirtschaftlich sein wird.“ so Agarökonom Peter Kirch.
4. Arbeitsplätze: Nur ein Viertel hängt vom Flughafen ab
Entgegen früherer Behauptungen sind nur 344 Arbeitsplätze (284 Vollzeitäquivalente) direkt vom Flughafen abhängig – die Hälfte davon im Privatflugzeug-Sektor. Die restlichen 75% der oft zitierten rund 1.200 Arbeitsplätze entfallen auf das angrenzende Gewerbegebiet ohne Flugbetrieb – sie brauchen den Flughafen nicht.
Jeder Airport-abhängige Arbeitsplatz werde folglich mit über 30.000 € jährlich subventioniert – Geld, das in zukunftsfähigen Branchen (z. B. Erneuerbare Energien) besser investiert wäre.
5. Privatfliegerei: Steuergeld für das Vergnügen weniger Reicher
90% der Flugbewegungen entfallen auf Privatflugzeuge – genutzt vor allem von Millionär*innen aus der Region. Die Nutzung sei saisonal extrem ungleich: Im Sommer viermal so viele Flüge wie im Winter, was auf Urlaubsflüge hindeute. „Es ist ein Skandal, dass Steuergelder die klimaschädlichen Privatvergnügen weniger Superreicher finanzieren, während alle anderen den Gürtel enger schnallen sollen.“, so Jona Königes, Leiter einer Pflegeeinrichtung.
6. Subventionsfalle: Schließung ist einzige rationale Option
Der Flughafen ist in einer Subventionsfalle gefangen: Eine wirtschaftliche Tragfähigkeit wäre erst bei über 1 Mio. Passagieren gegeben – was selbst Befürworter als völlig unrealistisch eingeschätzen. Ab 200.000 Passagieren dürfen EU-rechtlich jedoch keine Subventionen mehr fließen. Ein Aus der Gelder wäre der sichere Weg in die sofortige Insolvenz des Flughafens. „In einer derartig vertrackten Situation hilft nur die Abwicklung.“ , folgert Katja Ferger vom BUND Kassel. Diese sei rechtlich möglich, betont das Bündnis. Entweder durch eine 3/4 Mehrheit oder z.B. den Klageweg durch die Stadt oder den Landkreis Kassel. Auch das Abtreten von Anteilen durch einzelne Gesellschafter dürfe nur „aus wichtigem Grund“ verwehrt werden. „Wo ein Wille ist, ist auch in diesem Fall ein Weg“, so Wirtschaftsjurist Gabriel Herr.
7. Nachnutzung: Ideenwettbewerb für wertvolle Infrastruktur
Das Bündnis fordert daher einen zeitnahen Ideenwettbewerb für die Nachnutzung der 120 Hektar Flughafenfläche und die Terminal-Halle. Alternativen wie Agri-Photovoltaik könnten jährlich 49,2 Mio. € an Nutzen generieren – mehr als das Doppelte des aktuellen Flughafens.
Fazit: Zeit für eine realistische Neubewertung
Das „Schwarzbuch Kassel Airport“ zeigt: Der Flughafen ist ökonomisch sinnlos, ökologisch schädlich und sozial ungerecht. Die Subventionierung eines Privatflughafens für Reiche auf Kosten der Allgemeinheit muss sofort beendet werden. „Die Fakten sind erdrückend. Wenn der hessische SPD-Wirtschaftsminister Mansoori jetzt weiter am Flughafen der Millionäre festhält, handelt er gegen Vernunft und Verantwortung für die Region, das Klima und die Steuerzahler*innen,“ betont Peter Kirch vom Bündnis „Kassel Airport Stoppen“.
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Hintergrund: Das „Schwarzbuch Kassel Airport“ (67 Seiten) steht hier zum Download bereit, genauso wie die graphische Kurzfassung für die Pressekonferenz. Die Studie mit 182 Quellen-Fußnoten wurde unentgeltlich und unabhängig von Ökonom*innen und Jurist*innen erstellt und basiert auf offiziellen Daten wie Jahresabschlüssen, Presse-Veröffentlichungen, wissenschaftlichen Studien zu Flughafen-Schäden sowie eigenen Berechnungen.
Bündnis Kassel Airport Stoppen
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