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Iryna Sauerwald
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Iryna Sauerwald2026-08-10 04:07:182026-08-10 08:01:13DER GEÖFFNETE RAUMWegwerfen oder Weiterdenken?
Die Keller & Gruber Nachdenk-Kolumne
Gegen Lebensmittelverschwendung und für mehr Wertschätzung.
Das kannst du nicht mehr essen, das ist doch abgelaufen!“, diesen Satz hört man oftmals, wenn es um vermeintlich schlecht gewordene Lebensmittel geht. Auf interessiertes Nachfragen ob das Produkt wirklich schlecht sei, da es sich doch um ein Mindesthaltbarkeitsdatum und kein Wegwerfdatum handle, fehlt meist die Antwort. Der Joghurt wandert in den Müll – und die Frage ob schlecht oder nicht bleibt unbeantwortet.
Das Missverständnis mit dem MHD
Das Mindesthaltbarkeitsdatum, kurz MHD, gehört zu den größten Missverständnissen im Supermarkt. Im Vergleich zum Verbrauchsdatum bei leicht verderblichen Produkten wie Fleisch, das man tatsächlich ernst nehmen muss, gilt beim MHD anderer Produkte: sehen, riechen, schmecken. Ein Joghurt, der ein paar Tage „drüber“ ist, wird nicht plötzlich zur Gefahr. Trotzdem landen in deutschen Haushalten jährlich etwa sechs Millionen Tonnen einwandfreie Lebensmittel im Müll, was pro Kopf etwa 75 kg entspricht – oft aus Unsicherheit oder Gewohnheit. Dabei wäre der erste Schritt zur Vermeidung von Verschwendung denkbar einfach: weniger Angst, mehr gesunder Menschenverstand.
Mehr Ideen für weniger Reste
Weitere Möglichkeiten, um Lebensmittelverschwendung entgegenzuwirken, sind eine gute Planung und Wissen zu Lebensmitteln: Ein Blick in den Kühlschrank und ein Einkaufzettel vor dem nächsten Gang zum Supermarkt hilft, nur das zu kaufen, was man wirklich braucht. Richtige Lagerung verlängert die Haltbarkeit insbesondere bei Obst und Gemüse – Äpfel mögen es kühl, Tomaten eher nicht. Reste lassen sich kreativ verwerten: Aus altem Brot werden Croûtons, aus Gemüseabschnitten eine Brühe. Und wer Portionen bewusst plant oder Mahlzeiten vorkocht, reduziert automatisch das Risiko, dass etwas verdirbt. Am Ende ist es vielleicht wie so oft: Die Lösung ist nicht kompliziert, sondern erfordert ein Umdenken in Form von ein bisschen mehr Aufmerksamkeit und die Bereitschaft, alte Gewohnheiten zu hinterfragen.
Retten und Teilen statt wegwerfen
Wer sich mit dem Thema Lebensmittelverschwendung tiefer auseinandersetzt, stößt zudem auf Initiativen wie Foodsharing oder Apps wie „Too Good To Go“. Beim Foodsharing sammeln Ehrenamtliche überschüssige Lebensmittel von Supermärkten, Bäckereien oder privaten Haushalten und verteilen sie weiter. In sogenannten Fairteilern – öffentlich zugänglichen Regalen oder Kühlschränken – kann man gerettete Lebensmittel mitnehmen. Was hier zählt, ist nicht Perfektion, sondern Pragmatismus: Eine braune Banane ist kein Makel, sondern eine Einladung zum Bananenbrot. Die App „TooGood To Go“ wiederum verbindet Betriebe mit Kund:innen, die übrig gebliebene Speisen zu einem reduzierten Preis abholen. Ob Bäcker tüte am Abend oder Restaurantportion kurz vor Ladenschluss – was übrig bleibt, bekommt eine zweite Chance. Das Modell, das zeigt: Weniger Verschwendung muss kein Verzicht sein, sondern kann sogar überraschen.

27.7.2026
Foodsharing und Fairteiler
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Dieser Artikel ist auch zu lesen in der StadtZeit-Ausgabe 128, Sommer 2026, S. 63
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