
Bedarfsplanung für das ruruHaus startet
Wie sollte eine moderne Stadtbibliothek im ruruHaus aussehen und was sollte sie bieten, damit sie zu einem Ort für die gesamte Stadtgesellschaft wird? Welche Angebote tragen zur Öffnung des Hauses bei und welche Rolle spielt dabei Kultur?
Was braucht das ruruHaus, um Kinder und Jugendliche zum Aufenthalt einzuladen? Und wie und mit welchen räumlichen und funktionalen Voraussetzungen gelingt es insgesamt, das ruruHaus zu einem lebendigen Ort der Begegnung und des Austausches in der Kasseler Innenstadt werden zu lassen?
Diese und weitere Fragen stehen im Zentrum der nun beginnenden Bedarfsplanung zum ruruHaus. Ziel dieser sei es, mit Hilfe eines Beteiligungsprozesses inhaltliche und architektonische Überlegungen zusammenzuführen und ein Raum- und Funktionsprogramm als Grundlage für die eigentliche Planungsphase zu erarbeiten, erklärte Oberbürgermeister Sven Schoeller.
„Das ruruHaus soll künftig für die ganze Vielfalt unserer Stadtgesellschaft stehen und ein die Innenstadt belebender Begegnungs-, Austausch- und Kulturort sein“, führt der Oberbürgermeister weiter aus „Hierfür muss dieser ‚Ort der Zukunft‘ mit seinen Säulen – moderne Stadtbibliothek, kultureller Aufführungsort und Begegnungsraum für Jugendliche – und dem dazugehörigen Angebot zu einem offenen Zentrum der sozialen und kulturelle Teilhabe werden. Es freut mich sehr, dass wir diesen Ansatz bereits im Entwicklungsprozess verfolgen. Denn die nun startende Beteiligung zur Bedarfsplanung macht es sich zur Aufgabe, bei künftigen Nutzenden und Anbietenden gleichermaßen Erwartungen, Wünsche und Ideen an das Haus abzufragen und mit den Gegebenheiten abzugleichen. Wir schaffen hiermit die Grundlage, das ruruHaus zu einem Ort zu entwickeln, der vorbildhaft für eine positive, zukunftsgewandte Innenstadtentwicklung steht.“
Beauftragte Dienstleister
Die sogenannte Bedarfsplanung oder auch Leistungsphase Null wird im Auftrag der Stadt Kassel durch die Bietergemeinschaft der Büros KULTUREXPERTEN Dr. Scheytt GmbH (Essen) und Baupiloten BDA (Berlin) durchgeführt. KULTUREXPERTEN begleitet Kulturinstitutionen und ihre Träger im Rahmen von Bau‐ und Sanierungsvorhaben. Hierbei setzen sie einen besonderen Schwerpunkt auf die Sicht der Nutzenden und stellen die Kommunikation mit allen Beteiligten aus Politik, Verwaltung und Stadtgesellschaft sicher. Die Baupiloten entwickeln professionelle, zielgerichtete Beteiligungsverfahren, bei denen sie stets die Potenziale und Grenzen der zukünftigen Architektur im Blick behalten. Das Berliner Architekturbüro bietet neben Partizipationsverfahren auch alle klassischen Planungsphasen der Architektur an.
Der Beteiligungsprozess
Im Rahmen des Beteiligungsprozesses zur Bedarfsplanung werden bis zum Sommer Workshops zur räumlichen Nutzung des ruruHauses durchgeführt. Ziel der Workshops ist es, Funktionen, aber auch Atmosphären der künftigen Räume zu ermitteln und mögliche Synergien in der späteren Nutzung aufzuzeigen. „Dabei sollen auch Überlegungen einfließen, wie Flächen sinnvoll multifunktional genutzt werden können. Denn nur dies ermöglicht, alle angedachten Nutzungen im denkmalgeschützten Ensemble des ruruHauses unterzubringen“, so Helena Rafalsky vom beauftragten Büro Baupiloten BDA.
Neben Akteurinnen und Akteuren der Stadtbibliothek als Hauptnutzer des künftigen neuen Kultur‐ und Begegnungsortes sind Vertreter und Experten aus den Bereichen Kultur (so auch der Kulturbeirat der Stadt Kassel), von Jugend‐ und Veranstaltungsorganisationen, Jugendliche selbst sowie weitere Interessensvertretungen der Stadt, wie zum Beispiel der Senioren‐, Behinderten‐ und Ausländerbeirat, zur Beteiligung eingeladen. „Die Ergebnisse der Workshops werden auch noch einmal durch Erkenntnisse aus Einzelinterviews mit zentralen Akteuren abgeglichen und ergänzt. So gewährleisten wir einen multiperspektivischen Blick auf die gewünschten Nutzungsarten und die sich daraus ergebenden räumlichen und funktionalen Bedarfe“, erläutert Julia Ackerschott von den KULTUREXPERTEN.
Die Ergebnisse aus Workshops und Interviews werden im Sommer der Stadtgesellschaft im Rahmen einer interaktiven Pop‐Up Ausstellung im ruruHaus vorgestellt. Interessierte Bürgerinnen und Bürger haben dann die Möglichkeit, die künftige räumliche Angebotsstruktur des ruruHauses kennenzulernen sowie eigene Ideen und Wünsche für die Bespielung der offenen Flächen aktiv einzubringen. Die Bedarfsplanung soll dann bis zum Spätsommer 2025 abgeschlossen sein.
Planungen für den künftigen Kultur‐ und Begegnungsort
Die Basis für die nun startende Bedarfsplanung bildet ein Beschluss der Kasseler Stadtverordnetenversammlung vom vergangenen Herbst, mit welchem die Entwicklung des ruruHauses zu einem die Innenstadt belebenden Kulturort mit einer modernen Stadtbibliothek als Kernelement festgehalten wurde. Das ruruHaus soll künftig ein Dritter Ort für die gesamte Stadtgesellschaft werden und als solcher Begegnung und Austausch, Bildung und Freizeitgestaltung sowie soziale und kulturelle Teilhabe ermöglichen. In diesem lebendigen Zentrum der Stadt finden die Stadtbibliothek mit ihrer Zentralbibliothek, der Kinder‐ und Jugendbibliothek sowie der Artothek eine neue Heimat. Zudem soll Raum für Jugendliche entstehen, in dem sie sich treffen, austauschen und gemeinsam kreativ werden können. Und nicht zuletzt wird das ruruHaus zu einem kulturellen Aufführungs‐ und Veranstaltungsort entwickelt, der auch in die Innenstadt hineinwirken kann.

Vorbereitung für den ersten Beteiligungsworkshop im ruruHaus (im Bild von links): Helena Rafalsky, Nicole Adams (beide Architekturbüro Baupiloten), Oberbürgermeister Sven Schoeller und Dr. Julia Ackerschott (Büro Kulturexperten). Stadt Kassel; Foto Sascha Stiebing