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    Direkter Kontakt:

    Klaus Schaake
    Tel. 0561 – 475 10 11
    post@mittendrin-kassel.de

     

    Gefördert bis Ende 2019 durch:

    Das Erinnerungstuch an die Kurhessische Verfassung im Stadtmuseum

    „Immer wieder freitags…“: Die Serie des Vereins der Gäste- und Museumsführer in Kassel und Region e.V.

    Unscheinbar und verblasst hängt es in einem Schaukasten im Stadtmuseum. Schnell ist man dran vorbei gelaufen, so unspektakulär kommt es daher: das Erinnerungstuch an die kurhessische Verfassung. Was ist das? Lohnt ein zweiter Blick oder handelt es sich um allzu „trockenen Stoff“ – im direkten wie übertragenen Sinn?

    Ein Blick lohnt und erinnert an eine turbulente Aufbruchsszeit vor bald 200 Jahren in unserer Stadt:
    Entwicklungen in Frankreich, das Erwachen bürgerlichen Selbstbewusstseins vor dem Hintergrund wirtschaftlicher Prozesse und sozialer Probleme auch im Kurfürstentum Hessen-Kassel, gepaart mit politischer Unfähigkeit und Desinteresse des 2. Kurfürsten Wilhelm führten zu großen Unruhen : Beim sogenannten Bäckersturm wurden aus Prostest wegen hoher Preise 12 Bäckereien demoliert, es kam zu zahlreichen Verhaftungen; Wirtshäuser wurden geschlossen, Ausgangssperre verordnet; das Kabinett beschloss die Bildung der Bürgergarde, in der die obere Schicht (junge Männer im Alter von 20 bis 40 Jahren ) ans System gebunden werden und die Polizei entlasten sollten. Das Volk sammelte derweil 1400 Unterschriften, die als Petition dem Kurfürsten übergeben wurden. Die Zeit war reif für eine Verfassung, die bürgerliche Mitsprache garantierte. Die Zeichnung von Ludwig Emil Grimm ist noch heute ein Begriff: Bürgermeister Carl Schomburg übergibt die Petition, Herbold winkt mit weißem Tuch (!) am Fenster der Bevölkerung zu – ein spannungsgeladener Moment, ein hoch explosives Gemisch: draußen stehen für alle Fälle bewaffnete Bürger bereit…..

    Die Zeit war reif, der Kurfürst schwach und so unterschrieb dieser am 5.1.1831 die kurhessische Verfassung, die selbst von Karl Marx noch Jahre später, lange nach ihrem Scheitern, als äußerst fortschrittlich gefeiert wurde.
    Sie sah ein Einkammer-Parlament vor bestehend aus 20 Plätzen für die Prinzen des Herrscherhauses, für 17 Abgeordnete der Städte und der Uni Marburg, 16 Bauernvertreter. Es galt das freie Männerwahlrecht (nicht passives Wahlrecht und die unteren Schichten wurden nicht beteiligt) Das Parlament musste Gesetzen zustimmen, hatte auch Recht auf eigene Gesetzesinitiative, hatte das Recht auf Auskünfte über Haushaltsausgaben, auch das Recht auf Ministeranklage – allerdings konnte der Kurfürst das Parlament in diesem Falle vorher auflösen. In die Verfassung aufgenommen wurden Grundrechte wie die Gleichheit vor dem Gesetz, Religionsfreiheit, Berufsfreiheit, Briefgeheimnis, Meinungs- und Pressefreiheit….

    Das Leinentuch im Stadtmuseum, erblasst und eher unscheinbar, ist stummer Zeuge dieser erwartungsvollen Zeit, zeigt Freude und Zuversicht aufseiten des Bürgertums. Es ist das einzige erhaltene Stück seiner Art und wahrscheinlich in St. Gallen hergestellt. Nichts weiter ist bekannt, aber aussagekräftig ist es allemal:
    Die Väter der Verfassung waren Justizminister zu Schweinsberg (1765-1842), Regierungschef in Marburg, der beliebte Bürgermeister Schomburg (1791-1841), liberales Mitglied der Ständeversammlung, der Richter und Oberpolizeidirektor Pfeiffer (1777-1852), Vertreter der Bauern und sehr liberal, sowie der Küfermeister Herbold (1796-1866), auch genannt „Bürgerkönig“. Auf dem Verfassungstuch umschließen sie in einem Quadrat den Kurfürsten Wilhelm II. und dessen Frau, Kurfürstin Auguste, die wiederum die Abbildung eines Bauern und eines Bürgergardisten umrahmen, denen ein „treu dem Kurfürst und der Verfassung“ beigegeben ist. Landesherr und Volk werden hier als unauflösliche Einheit gefestigt dargestellt, das Herrscherhaus überschwänglich „hofiert“: Im umlaufenden Text heißt es geradezu beschwörerisch „Die Nachwelt noch wird sein (des Kurfürsten) Bemühen krönen…“, „Den schönsten Lohn trägt er im Busen“, „Fürstenliebe und Volkesglück“

    Hier wird eine Einheit beschworen, ohne die es nicht gehen würde; das Herrscherhaus wird fast in die Zange genommen, will man meinen. Mit dem Wissen von heute um das Scheitern dieser konstitutionellen Monarchie scheint es so, als solle der Erfolg hier regelrecht erzwungen werden.
    Gleichzeitig spricht aus dem Stückchen Stoff aber auch aufrichtige Freude und Zuversicht für das weitere Miteinander, eine freudige Aufbruchsstimmung, der Glaube an eine neue Zeit.
    Das Stückchen Stoff gibt Rätsel auf:
    Heute ist es das einzige bekannte Tuch, aber war es immer in Einzelstück oder gab es dieses Tuch als frühen „Fanartikel“ in größerer Auflage?
    Wer hat es entworfen? Wer genutzt?
    Trug man es als Einstecktuch, um seine Gesinnung zu zeigen?
    Winkte man erwartungsvoll dem Kurfürsten damit zu?
    Oder erinnerte es an Herbold winkend am Fenster?
    Warum musste (?) es in St. Gallen gedruckt werden?

    Und noch etwas macht der Anblick dieses Tuches deutlich: Es ist wie ein „Wink“ aus einer weit vergangenen Zeit, in der die demokratischen Recht, die uns heute eher selbstverständlich erscheinen, erst Schritt für Schritt mutig erstritten wurden mussten. Es könnte eine Mahnung an uns sein, die allzu selbstverständlichen demokratischen Rechte wertzuschätzen.
    Und: Was würden die Aktiven von damals zu unserer heutigen Wahlbeteiligung sagen……

    Foto und Text: Anne Belke-Herwig M.A.

    Immer wieder freitags…

    In einer E-Mail an seine Mitglieder schrieb der Vorstand der des Vereins der Gäste- und Museumsführer in Kassel und Region e.V.: „Nachdem nun auch die Wasserspiele bis auf Weiteres abgesagt wurden und tatsächlich nicht abzusehen ist, dass es in den nächsten Wochen Führungen geben wird, haben wir uns im Vorstand überlegt, wie wir diese Zeit dennoch sinnvoll nutzen können. So ist die Idee entstanden, dass wir ab sofort jeweils freitags eine Persönlichkeit, ein Objekt in einem Museum, eine Pflanze oder auch einen etwas unbekannteren Ort vorstellen.“

    Gesagt, getan.
    Den Auftakt machte ein Beitrag von Claudia Panetta-Möller, den die mittendrin dokumentierte.
    Anne Belke-Herwigs Text zum Erinnerungstuch an die Kurhessische Verfassungf ist bereits der fünfte in der Reihe. Diesen veröffentlicht die mittendrin in direkter Korrespondenz zu seinem Erscheinen. Text 2 und 3 folgen zu einem anderen Zeitpunkt.

    Kontakt/Info:
    Verein der Gäste- und Museumsführer in Kassel und Region e.V.
    Claudia Panetta-Möller
    Tel. 0561 / 60290204
    Mobil: 0176 / 54466016
    info(at)kassel-gaestefuehrer.de
    www.kassel-gaestefuehrer.de

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