Mittendrin in Kassel
  • Aktuelles
  • Termine
  • Podcast SprechZeit
  • Podcast StadtteilZeit
  • Architektur und Stadt
  • Gesund Leben
  • Essen und Genießen
  • Wohnen und Leben
  • Kunst und Kultur
  • Kinder und Jugend
  • Kirche und Soziales
  • Handel und Gewerbe
  • Energie + Umwelt
  • Stadt(teil)politik und Gesellschaft
  • Stadt(teil)geschichte
  • Kolumnen
  • Video-Kanal
  • Lieblingsläden
  • Menü Menü
    Search Search

    Direkter Kontakt:

    Klaus Schaake
    Tel. 0561 – 475 10 11
    post@mittendrin-kassel.de

     

    Gefördert bis Ende 2019 durch:

    Debatte: Besuch der alten Dame – Brauchen wir noch eine Statue in Kassel?

    Zwei Positionen, die sich mit der jüngsten Kasseler Statue beschäftigen, die unter großer öffentlicher Aufmerksamkeit nun ihren Standort auf dem Scheidemann-Platz gefunden hat.

    Meinung von Dr. Harald Kimpel zu dem Monument, das Elisabeth Selbert würdigt.

    Die künstlerische Würdigung Lebender wie auch Verstorbener ist ein heikles Unterfangen. Nicht nur, dass der Ruhm der zu Rühmenden oftmals flüchtig ist, flüchtig ist auch die Form, in der die Rühmung vonstattengeht: Bleibenden Ruhm durch eine zeitabhängige Gestaltung fassen zu wollen, ist zum Scheitern verurteilt. Besonders prekär aber, wenn eine Formensprache angewandt wird, die bereits im Moment ihrer Anwendung aus der Zeit gefallen ist. Dies zu bestätigen, bleibt nun auch einer Frau nicht erspart, die zu den bedeutendsten gerechnet wird, die Kassel hervorgebracht hat. Der Juristin und Politikerin Elisabeth Selbert, untrennbar verbunden mit der Formel „Männer und Frauen sind gleichberechtigt“, die sie ins Grundgesetz eingeschrieben hat, wurde zu ihrem 125. Geburtstag ein lebensgroßer Auftritt am Scheidemannplatz gegönnt.

    Bekanntlich setzt im öffentlichen Raum der Stadt Kassel die documenta die Maßstäbe für die künstlerische Möblierung. Diese Messlatte liegt hoch, und es versteht sich, dass es nicht immer möglich ist, sie zu erreichen. Doch die Luft nach unten wird selten so genutzt wie im Fall jener Statue, mit der sich der Anspruch verknüpft, Elisabeth Selbert nicht nur darzustellen, sondern in ihrer Leistung nachhaltig zu würdigen. Nach den zahlreichen Ehrungen, die der Kasseler Ehrenbürgerin überregional in jeglichem Format – von der Briefmarke bis zum Straßennamen – bereits zuteilwurden, hat ein bronzenes Standbild gerade noch gefehlt. Oder auch nicht! Denn mit seinen detaillierten Ausformulierungen von Aktenmappe, Frisur, Kostüm, Schleife und Mimik – teils der fotografischen Vorlage abgelauscht, teils zur Karikatur verzogen – fällt der Prototyp eines naturalistischen Realismus hinter alles zurück, was die Plastik der Gegenwart zu leisten in der Lage ist. Das zeitgebundene Outfit bleibt stumm gegenüber der überzeitlichen Bedeutung der Person. Nichts verweist auf Allgemeines, alles bleibt in den Erscheinungsformen des Individuellen stecken. Dabei liegt doch die Besonderheit der zu würdigenden Frau gerade nicht in deren äußerer Erscheinung, sondern in der gesellschaftspolitischen Funktion, die sie vertreten hat. Wenn es heute als politisch unkorrekt gilt, einen Menschen auf seine Äußerlichkeiten zu reduzieren und nach dem Kleidungsverhalten zu beurteilen, so gilt dies auch für ein Bildwerk, bei dem keine andere Ambition spürbar wird als die, eine historische Person anhand ihrer äußerlichen Merkmale herbeizusimulieren. Mit kalkuliert eingesetzten Bewegungseffekten, die ein Leben und eine Dynamik vortäuschen wollen, die es nicht besitzt, zeugt das Werk von einer Kunstauffassung, die nichts mit dem zu tun hat, was Kunst im Stadtraum heute ausmachen könnte und stattdessen ins denkmalselige 19. Jahrhundert verweist.

    In einem Moment der Unaufmerksamkeit muss den zuständigen Gremien entgangen sein, dass hier ein Kunstwerk vorliegt, das weder der zu rühmenden Persönlichkeit noch deren Lebenswerk gerecht zu werden vermag. Denn dass seit der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts figürliche Personaldenkmäler ausgedient haben, sollte sich gerade in der documenta-Stadt herumgesprochen haben. So wird das Denkmal zum Mahnmal dafür, dass nicht jedes noch so gut gemeinte Kunstgeschenk angenommen werden muss. Bundespräsidentliche Weihen ändern nichts daran, dass diese abgestandene Form statischer Erinnerungskultur geradezu als ein Anschlag auf den öffentlichen Raum zu sehen ist. Im ästhetischen Dunstkreis des „Vertikalen Erdkilometers“ von Walter De Maria, der Stadtverwaldung durch Joseph Beuys oder des vielsagend zergliederten Granitblocks Ulrich Rückriems – der immerhin 1981 als Heinrich-Heine-Denkmal für Hamburg konzipiert war – wäre ein wenn schon nicht zukunftsweisendes, so doch wenigstens gegenwartskompatibles Konzept nicht zu viel verlangt. Solche Vorbilder vor Augen, schrumpft die neue Kunstbeifügung zu einem Stück belangloser Stadtmöblierung, das die Chance verpasst, jenseits biederer Schleifchen- und Frisuren-Ikonographie eine allgemeingültige Form zu finden, die das Potenzial besitzt, ästhetische Geschmackswandlungen zu überdauern.
    An die „Mutter des Grundgesetzes“ wird in Deutschland bereits auf vielfältige Weise erinnert, selbstverständlich und nicht zuletzt auch in Kassel – wenngleich dort nicht immer glücklich. So verendet die „Elisabeth-Selbert-Promenade“ auf halbem Weg im Zickzack-Kurs des Grundstückzuschnitts in der Unterneustadt, ohne recht zum Promenieren Anlass geboten zu haben; und über die Ausführung des „11 Frauen – 11 Jahrhunderte“-Monuments am „Motzberg“, in das sie als eine der elf Prominenten integriert ist, motzten selbst die Initiatorinnen. Und nun noch dies: eine skulpturale Wirklichkeitsauffassung, die für die Marktplätze der Umgebung ausreichen mag, die innerstädtische Aufgabe aber verfehlt. Zum schwachen Trost ist allerdings absehbar, dass auch diesen unzeitgemäßen Platzschmuck das Schicksal aller Denkmäler ereilen wird: eingereiht zu werden in jene Übersehenswürdigkeiten, die unbemerkt aus der öffentlichen Wahrnehmung ausgeblendet sind. Elisabeth Selbert hätte in ihrer Geburts- und Wirkungsstadt für ihre Lebensleistung Besseres verdient, als in Metall erstarrt sich wie eine Schachfigur in der Karree-Struktur des Platzes den gleichgültigen Blicken flüchtiger Passanten aussetzen zu müssen. Die beste Würdigung bestünde darin, die von ihr vertretenen Maximen ernst zu nehmen und in tägliche Tat zu verwandeln.

    Die Meinung von Dr. Eva Schulz-Jander, Ehrenbürgerin der Stadt Kassel und Mitglied im Soroptimist Club Kassel-Elisabeth Selbert zu der Monument lesen Sie >> hier

    Dr. Harald Kimpel
    studierte Kunstpädagogik und Kunstgeschichte in Kassel und Marburg. Er ist tätig als Kunstwissenschaftler, Kurator und Autor.

    Auch in der StadtZeit 107, Dezember/Januar-Ausgabe zu lesen >> hier

    Ähnliche Themen

    BOCKWURSCHTBUDE + LOST LYRICS in Goldgrube Kassel

    Januar 22, 2026
    Unser Veranstaltungstipp am 07. Februar, 20 Uhr: Punkkonzert in der Goldgrube Kassel, Eisenschmiede 85, 34125 Kassel. Wir verlosen 1 x 2 Tickets.
    Weiterlesen
    https://mittendrin-kassel.de/wp-content/uploads/2026/01/bockwurst.jpeg 1158 1448 Iryna Sauerwald https://mittendrin-kassel.de/wp-content/uploads/2019/10/logo-m.png Iryna Sauerwald2026-01-22 16:23:172026-01-23 07:41:07BOCKWURSCHTBUDE + LOST LYRICS in Goldgrube Kassel

    Auf der Suche nach neuen Räumen

    Januar 22, 2026
    Seit mehr als zwei Jahren finden in Kassel regelmäßig Veranstaltung des Kassler Labels „Call & Response“ statt. Dort stehen Musik und Zusammensein im Vordergrund.
    Weiterlesen
    https://mittendrin-kassel.de/wp-content/uploads/2026/01/Auf-der-suche-nach-neuen-Raeumen.png 560 840 Lisa Marie Fink https://mittendrin-kassel.de/wp-content/uploads/2019/10/logo-m.png Lisa Marie Fink2026-01-22 15:50:482026-01-22 15:50:48Auf der Suche nach neuen Räumen

    Blick nach drüben

    Januar 22, 2026
    Zum Deutsch-Französischen Tag am 22. Januar richtet sich der Blick nach drüben: auf Mulhouse, Kassels französische Partnerstadt, und den Zustand der deutsch-französischen Beziehung im Kleinen wie im Großen.
    Weiterlesen
    https://mittendrin-kassel.de/wp-content/uploads/2026/01/2121q.jpeg 895 853 Lisa Marie Fink https://mittendrin-kassel.de/wp-content/uploads/2019/10/logo-m.png Lisa Marie Fink2026-01-22 15:39:302026-01-22 15:41:38Blick nach drüben

    The China Moment

    Januar 22, 2026
    24. Januar—22. März 2026: Eine Forschungsausstellung vom documenta Institut im Kasseler Kunstverein, Friedrichsplatz 18, 34117 Kassel.
    Weiterlesen
    https://mittendrin-kassel.de/wp-content/uploads/2025/12/the-china-moment_vertikal-1024x.webp 1449 1024 Ekachai Eksaroj https://mittendrin-kassel.de/wp-content/uploads/2019/10/logo-m.png Ekachai Eksaroj2026-01-22 12:25:332026-01-22 15:51:42The China Moment

    Lust zu spielen!

    Januar 21, 2026
    15.02.2026: Ein Nachmittag voller Spiel, Spaß und Austausch mit Kassel spielt e. V. in Kooperation mit dem Stadtmuseum Kassel.
    Weiterlesen
    https://mittendrin-kassel.de/wp-content/uploads/2026/01/Spieleauswahl-2025-Hochformat-scaled.jpg 2132 2560 Iryna Sauerwald https://mittendrin-kassel.de/wp-content/uploads/2019/10/logo-m.png Iryna Sauerwald2026-01-21 14:25:042026-01-21 14:26:42Lust zu spielen!

    Vom Jurastudium zur Kunstwissenschaft

    Januar 20, 2026
    Seit 2022 studiert Pejman Ayoubzadeh Kunstwissenschaft in Kassel. Sein Weg zur Kunsthochschule Kassel ist außergewöhnlich.
    Weiterlesen
    https://mittendrin-kassel.de/wp-content/uploads/2026/01/Pejman-Ayoubzadeh_Credits_oezdemir.jpg 1600 1200 Çiğdem Özdemir https://mittendrin-kassel.de/wp-content/uploads/2019/10/logo-m.png Çiğdem Özdemir2026-01-20 17:38:372026-01-21 08:17:05Vom Jurastudium zur Kunstwissenschaft

    EinWurf

    Januar 16, 2026
     „Why bad“: Harald Kimpels StadtZeit-Kolumne zum Marmorbad an der Orangerie Kassel – jetzt auch online zu lesen.
    Weiterlesen
    https://mittendrin-kassel.de/wp-content/uploads/2026/01/kimpel-marmorbad-scaled.jpeg 2560 1920 Lisa Marie Fink https://mittendrin-kassel.de/wp-content/uploads/2019/10/logo-m.png Lisa Marie Fink2026-01-16 11:10:482026-01-03 21:34:57EinWurf

    Besichtigungtouren durch das ehemalige Polizeipräsidium Königstor

    Januar 16, 2026
    Initiative Gedenkort Polizeipräsidium Königstor e.V. lädt zur einer neuen Runde der Besichtigungstouren durch das Gebäude des ehemaligen Polizeipräsidiums am Königstor Kassel ein.
    Weiterlesen
    https://mittendrin-kassel.de/wp-content/uploads/2024/01/Ehm_Polizeipräsidium_Königstor_2023_09_13_Foto_Nicolas_Wefers_008-Kopie.jpeg 667 1000 Iryna Sauerwald https://mittendrin-kassel.de/wp-content/uploads/2019/10/logo-m.png Iryna Sauerwald2026-01-16 07:54:182026-01-16 07:54:18Besichtigungtouren durch das ehemalige Polizeipräsidium Königstor

    Längst kein Geheimtipp mehr

    Januar 15, 2026
    Im HÖR.SPIEL Museum im Palais Bellevue können Kinder und Erwachsene spielerisch und kreativ in die Welt der Hörspiele eintauchen.
    Weiterlesen
    https://mittendrin-kassel.de/wp-content/uploads/2026/01/hoerspielmuseum-kassel.jpg 1280 1920 Iryna Sauerwald https://mittendrin-kassel.de/wp-content/uploads/2019/10/logo-m.png Iryna Sauerwald2026-01-15 09:58:392026-01-15 09:58:39Längst kein Geheimtipp mehr
    Zurück Zurück Zurück Weiter Weiter Weiter

    Aktuelles

    Januar 21, 2026

    Protest gegen Gewalt und Repression in Syrien und Iran

    Januar 21, 2026

    Vom Supermarkt zum sozialen Zentrum

    Januar 16, 2026

    Book Ban in den USA und die Gefahr dahinter

    Podcast StadtteilZeit

    November 10, 2020

    StadtteilZeit: Elisabeth König, Ortsvorsteherin Kirchditmold

    Oktober 16, 2020

    StadtteilZeit: Helmut Alex, Ortsvorsteher Süsterfeld-Helleböhn

    Oktober 9, 2020

    StadtteilZeit: Vera Wilmes, Ortsvorsteherin Brasselsberg

    Kontakt

    Klaus Schaake
    c/o Bürogemeinschaft 48zwei
    Friedrich-Ebert-Straße 48
    34117 Kassel
    Tel. 0561 – 475 10 11
    post@mittendrin-kassel.de

    Kommerzielle Nutzungen

    Die Verwertung von Texten und Bildern in anderen Publikationen oder Internet-Auftritten darf nur nach schriftlicher Zustimmung durch das Redaktionsteam erfolgen. Kommerzielle Nutzungen von Text- und Bildmaterial sind schriftlich mit dem presserechtlich Verantwortlichen abzustimmen und angemessen zu vergüten.

    Urheberrecht

    Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben nicht zwingend die Meinung des presserechtlich Verantwortlichen wieder. Alle Autor/innen zeichnen für ihre Beiträge selbst verantwortlich. Alle nicht näher bezeichneten Fotos oder Grafiken wurden der Redaktion von Akteuren aus dem Quartier oder anderen Anbietern zur Nutzung überlassen. Die Sender von Grafiken oder Fotos erklären sich mit der Veröffentlichung einverstanden und erklären, im Besitz der Nutzungs- bzw. Abbildungsrechte zu sein. Sollten aufgrund der Zusendung von Grafiken oder Fotos die Rechte Dritter berührt sein, haftet der Übersender für etwaige, aus Urheberrechtsverletzungen resultierende Schäden.

    Impressum und Datenschutz

    © Copyright - mittendrin LOGIN Download PDF Anleitung (10,6 MB) - Impressum und Datenschutz - webdesign@evabogner.de
    Nach oben scrollen Nach oben scrollen Nach oben scrollen