https://mittendrin-kassel.de/wp-content/uploads/2026/04/07_Kasselbuch-25-scaled.jpg
1440
2560
Iryna Sauerwald
https://mittendrin-kassel.de/wp-content/uploads/2019/10/logo-m.png
Iryna Sauerwald2026-04-23 12:57:272026-04-23 12:57:27Frische Perspektiven, mutige ProgrammeHonig zwischen Mensch und Biene
Honig ist die wohl am stärksten beziehungsstiftende Substanz zwischen Mensch und Bienen, denn schon in prähistorischen Zeiten diente sie als Energienahrung für Kopfarbeit.
Wer Honig im gesamten Spektrum menschlicher Nahrungs- und Lebensmittel betrachtet, stößt auf manche Merkwürdigkeiten, denn Honig ist nicht Pflanze, also Frucht oder Samen, nicht Blatt oder Wurzel; Honig ist aber auch nicht Tier oder Teil davon, also Fleisch, Milch oder Ei. Schon ein Bienenvolk ist ein eigenartiger Organismus. Es hat nicht Fell als äußere umfassende Hülle, wie die uns vertrauten Katzen, Hunde, oder eine Haut, die uns umschließt und zusammenhält. Stattdessen bildet es sich in viele tausend Einzelglieder, die einerseits seine Organe sind und andererseits seine Glied maßen – sozusagen viele tausend kleine „Hände“.
Eine eigene Hülle kann das Volk nicht bilden. Deshalb sucht ein Bienenschwarm immer eine Höhle; oder ein Mensch fängt ihn ein und bietet ihm einen Bienenstock an – so wird das schon seit über 10.000 Jahren gemacht. Im Sommer kann ein Volk bis zu 40.000 Einzelbienen sein. Dabei ist es vergleichbar mit einem Warmblüter, im Zentrum seiner Höhle ist es um die 36 Grad warm. Dies leisten gemeinsam die Einzelbienen, die über ihre Flügelmuskulatur Wärme freisetzen. Ein Bienenvolk muss so sein; es könnte sonst in der Welt nicht leisten, was es dort zu leisten hat.

Ein Bienenschwarm im Flieder. Foto: Michael Weiler.
Die Honigmachende Biene
Die Blüten wachsen in einem Bereich zwischen Stängel, Blatt und Himmel – und aus genau diesem „Dazwischen“ sammeln die Honigbienen den Nektar, eine leicht süßlich-aromatische Flüssigkeit. Am Boden vieler Blüten finden sich feine Drüsen – wenn die Pflanze zu blühen beginnt und die Blüten sich öffnen, geben diese Drüsen feinste Mengen an Nektar ab – wirklich so fein, dass wir sie mit unseren groben Sinnen nur selten finden können. Bei manchen Obstblüten, zum Beispiel Apfel oder Kirsche, oder bei der stengelumfassenden weißen Taubnessel tritt beim vorsichtigen Abzupfen der Blüte ein winzig kleiner süßer Tropfen hervor.
Die Bienen sammeln den Nektar, und nachdem die Sammelbiene viele Blüten – oft 200 und mehr Einzelblüten – besucht hat, fliegt sie zurück zu ihrem Bienenstock und gibt das Tröpfchen an die Bienen, die den Nektar zu Honig pflegen, indem sie den Nektar Tröpfchen für Tröpfchen an ihre Schwestern weitergeben, bis daraus Honig entsteht, den sie in die Wabenzellen einlagern.

Digital StillCamera
Vom Tropfen zu Honig
Wie klein die Nektartropfen der Einzelblüte sind, ist für uns kaum vorstellbar. Ein wenig „Bienen-Blüten-Honig-Arithmetik“ mag das aufzeigen: An einem warmen Frühsommertag fliegen aus einem Bienenstock rund 10.000 Bienen zum Sammeln aus. Bei einem solchen Ausflug besuchen sie oft mehr als zwei Millionen Einzelblüten und tragen – wenn es gut „honigt“, wie der Imker sagt – etwa 500 Gramm Nektar in ihr Volk ein. Das entspricht zwei Millionen winzier Nektartröpfchen. Honig ist fast trocken, Nektar hingegen ziemlich wässrig feucht.
Die Bienen saugen die Nektartropfen mit ihrer rüsselartigen Zunge auf und geben sie im Bienenstock wieder in die trocken, warme Luft. Dabei schmecken, tasten und riechen die Bienen den Tropfen. Wie bei uns Menschen, wenn wir etwas Feines schmecken, läuft auch ihnen dabei sprichwörtlich das Wasser im Munde zusammen. Aus Drüsen im Kopf geben die Bienen feinste Flüssigkeiten dem Honig zu. Erst dieses „Eindicken“, und diese feinen Zugaben machen den Honig wirklich zu Honig. Und man darf wissen: Für ein 500-Gramm-Glas Honig müssen die Sammelbienen etwa die dreifache Menge Nektar eintragen. Hochgerechnet stecken in einem Glas Honig sechs bis zwölf Millionen Blüten – einen größeren Blumenstrauß kann man kaum verschenken.
Wenn dieser „Blumenstrauß“ aus einer Bienenhaltung mit lokalem oder regionalen Bezug stammt, wird er noch persönlicher und unterstützt die pflegende Arbeit der Imker:innen vor Ort.
23.04.2026
Dieser Artikel ist auch zu lesen in der StadtZeit-Ausgabe 127, Frühjahr 2026, S. 12
>> hier zu lesen





M van der Put
Postergestaltung: Luisa Gräfer und Johanna Caroline Bauer 





