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Sabine Kemna
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Sabine Kemna2026-09-05 11:37:242026-09-05 11:37:24Fimmatinee Fanny HenselKassel im Glück
Vom Porcellino-Brunnen am Florentiner Platz.
Porcellino, in Florenz auch das Glücksschweinchen genannt, ist in Kassel ein ausgewachsener Keiler mitten in der Stadt. Mit markanten Eckzähnen lässt er in seitlicher Schräglage auf dem linken Hinterteil liegend, seine untere Körperhälfte sichtbar werden, und nimmt auf den Vorderbeinen stehend eine HabAchtPosition ein. In jedem Augenblick, so scheint es, könnte sich der Keiler erheben und sein Habitat mit Pflanzen und allerlei kleinen Amphibien verlassen. In dieser kraftvollen Körperhaltung hält er uns, die wir ihn zur Glücksgewinnung berühren sollen, seinen Rüssel entgegen. In nächster Nähe zum Florentiner Platz ist der kräftige Bursche zu finden. Etwas zurückgesetzt vom Straßenrand der Wolfsschlucht steht eine Nachbildung des aus Florenz stammenden, bronzenen PorcellinoBrunnens. Er zieht mit seiner stattlichen Wildschweinskulptur die Blicke auf sich. Zum Doppeljubiläum „70 Jahre Städtepartnerschaft Kassel – Florenz“ und „70 Jahre DeutschItalienische Gesellschaft (DIG) e.V.“ im Jahr 2022, schenkte die DIG der Stadt Kassel den wasserspeienden Porcellino, der in Florenz auf der Piazza del
Mercato Centrale als „il nostro Porcellino“ (unser Schweinchen) die Gemüter erfreut und zu glücksbringenden Berührungen einlädt.
Glückswirkungen
Schaut man auf Farbfotos aus Florenz, die den PorcellinoRüssel wie auf Hochglanz poliert abbilden, dann fassen die Menschen dort offenkundig in großer Leidenschaft und auf ganzer Länge an jenes Körperteil, das ihnen nach altem Glauben das größte Glück verspricht. Hier in Kassel hingegen blitzt glänzendes Metall nur sehr spärlich hervor, was vielleicht auf Zaghaftigkeit, Abkehr vom Aberglauben oder schlichtes Desinteresse hinweisen könnte. Vielleicht ist es auch eine Sache des Temperaments? Wo in Florenz gern angefasst wird, da lässt man es in Kassel eher unangetastet. Kann schon sein, dass Porcellino seine Wirkung auch ohne Berührungen entfaltet – immerhin kam Kassel 2024 und 2025 im GlücksstadtRanking der 40 größten Städte Deutschlands auf Platz eins. Prima – aber ist uns eigentlich schon bewusst geworden, was das für ein Glück ist, ein solches Schwein in unserer Stadt zu haben? Wollen wir wirklich so weiterleben und Porcellino weiterhin links liegen lassen?
Glückserkundungen
Nirgendwo steht „Anfassen verboten!“. Im Gegenteil! Die neben dem Brunnen eingefasste Erklärtafel ermutigt geradezu, das Anfassen von Porcellino zu praktizieren, denn jedem Menschen, der das Glücksschwein berührt, dem wird eine glückliche Zeit beschert. Ob einhändig oder zweihändig, das bleibt jedem selbst überlassen. Also nichts wie ran ans Glück!
Beim PorcellinoBrunnen gibt es wahrlich noch viel zu entdecken. Was ließe sich hier nicht alles im Habitat des florentinischen Keilers zum Glänzen bringen! Warum nicht die dicke Kröte, eine der vielen Schnecken oder die Eidechse eifrig berühren? Oder vielleicht den kleinen Frosch küssen? Nirgendwo steht „Küssen verboten!“. Wenn ein Poliertuch für Edelmetall den reinen Glanz hervorbringt, dann könnten vielleicht auch Lippenberührungen den Zauber des Glücks hervorrufen. Warum also nicht küssend unserem Glück ein Stück näherkommen? Treffpunkt: Am Glücksschwein …

22.8.2026
Dieser Artikel ist auch zu lesen in der StadtZeit-Ausgabe 128, Sommer 2026, S. 37
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Claudia Harwardt






