Kassels jüdisches Leben wird weltweit zugänglich

Nach aufwendiger Recherche- und Forschungsarbeit ist es geschafft: Das Digitale Gedenkbuch der Stadt Kassel zur Erinnerung an die jüdische Bevölkerung Kassels in den Jahren 1933 bis 1945 liegt vor.

Das Werk ist nunmehr Teil des historischen Gedächtnisses der Stadt, ein wichtiger Bestandteil der Erinnerungskultur und eine Grundlage für Bildungs- und Forschungsarbeit.

„Das Digitale Gedenkbuch macht die Schicksale jüdischer Menschen aus Kassel sichtbar und zugänglich. Hinter jedem Namen steht ein Mensch, steht ein Leben, steht eine Geschichte“, erklärte Oberbürgermeister Sven Schoeller anlässlich der Veröffentlichung. „Dieses Wissen schafft Nähe und Verantwortung. Es ist ein wichtiger Beitrag für eine lebendige Erinnerungskultur und ein klares Bekenntnis zu Demokratie, Respekt und Menschlichkeit – gerade in herausfordernden Zeiten.“

„Wachsendes Erinnerungsprojekt“

Das neue Online-Angebot des Kasseler Stadtarchivs ist ab sofort unter dem Link https://gedenkbuch.kassel.de für alle Interessierten frei zugänglich. Im Zentrum steht eine wissenschaftlich fundierte Datenbank mit 3.342 Einträgen, die Namen und Schicksale von Jüdinnen und Juden dokumentiert, die zwischen 1933 und 1945 mindestens ein Jahr in Kassel lebten.

„Mit dem Digitalen Gedenkbuch geben wir den jüdischen Menschen unserer Stadt ihre Namen und Geschichten zurück und machen sie für heutige und künftige Generationen zugänglich. Es ist nicht nur ein Nachschlagewerk, sondern ein wachsendes Erinnerungsprojekt. Bürgerinnen und Bürger können aktiv zur Erweiterung beitragen und so helfen, bislang unbekannte Lebensgeschichten sichtbar zu machen“, erläutern Stadtarchivar Dr. Stephan Schwenke und Projektleiterin Anika Manschwetus.

Vorstellung des digitalen Gedenkbuchs (im Bild von links): Dr. Stephan Schwenke (Leiter Stadtarchiv), Anika Manschwetus (Projektleiterin im Stadtarchiv) und Oberbürgermeister Dr. Sven Schoeller. Foto: StadtKassel / Harry Soremski

127 weitere Todesopfer identifiziert

Das Digitale Gedenkbuch basiert auf dem 1986 erschienenen Werk „Namen und Schicksale der Juden Kassels 1933–1945“, wurde umfassend überprüft und deutlich erweitert. Neue Forschungsergebnisse und verbesserte Quellenzugänge ermöglichten es, Daten zu korrigieren, zu ergänzen und Lücken zu schließen. So konnten unter anderem mindestens 127 weitere jüdische Todesopfer der nationalsozialistischen Verfolgung für Kassel identifiziert werden.

Für Interessierte bietet das neue Angebot einen konkreten Mehrwert: Durch eine erweiterte Suchfunktion kann gezielt nach Namen, Geschlecht, Orten, Berufen oder auch nach Kasseler Straßennamen recherchiert werden. So entstehen persönliche und lokale Bezüge zur Geschichte – sei es im schulischen Kontext, in der Forschung oder bei der eigenen Spurensuche.

Jeder Eintrag steht für ein individuelles Schicksal

Das Gedenkbuch dokumentiert sowohl die Opfer der Shoah als auch Überlebende. Nicht wenige der erfassten Menschen wurden im Zuge der nationalsozialistischen Verfolgung aus Kassel vertrieben oder konnten ins Ausland fliehen. Zahlreiche wurden deportiert – nur wenige dieser Menschen überlebten die Shoah. Jeder Eintrag steht für ein individuelles Schicksal und zugleich für eine vielfältige jüdische Gemeinschaft, die durch die Nationalsozialisten systematisch zerstört wurde.

„Als digitaler Gedenkort und zugleich als Bildungs- und Forschungsinstrument lädt das Gedenkbuch dazu ein, sich aktiv mit Antisemitismus, Nationalsozialismus und der eigenen Stadtgeschichte auseinanderzusetzen“ sagte Oberbürgermeister Schoeller abschließend. „Es ist damit nicht nur ein Blick in die Vergangenheit, sondern auch ein klarer Appell für ein respektvolles, tolerantes und demokratisches Miteinander in der Gegenwart.“

16.04.2026


Pressemeldung:
Stadt Kassel

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