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    Direkter Kontakt:

    Klaus Schaake
    Tel. 0561 – 475 10 11
    post@mittendrin-kassel.de

     

    Gefördert bis Ende 2019 durch:

    Laute Stille – Haus des ewigen Lebens

    „Immer wieder freitags…“: Die Serie des Vereins der Gäste- und Museumsführer in Kassel und Region e.V.

    Seit fast 400 Jahren haben Familien aus Kassel und dem direkten Umland ihre Liebsten auf dem Jüdischen Friedhof im Kasseler Eichwald bestattet.

    Als ich kürzlich mal wieder durch den Eichwald schlenderte, wurde ich unwillkürlich vom Jüdischen Friedhof angezogen und blieb an der nördlichen Mauer stehen, um hinüber zu schauen. Majestätisch stehen im leuchtenden Blätterkleid die alten Bäume in Reih und Glied, wie Wächter über die Toten, über das Leid der Juden und der scheinbar langsam verrinnenden Zeit. Seit fast 400 Jahren haben Familien aus Kassel und dem direkten Umland ihre Liebsten hier bestattet. Sie haben ihre Toten rituell gewaschen und ihnen das Totenhemd angezogen; den Leichnam in einer einfachen Holzkiste gebettet, gehen die Trauernden schließlich zur Trauerfeier. „Der Herr hat’s gegeben, der Herr hat’s genommen, der Name des Herrn sei gelobt“ aus dem Buch Hiob ertönt. Nach der Gedächtnisrede begleiten Gebete und der Psalm 91 (Wer im Schutz des Höchsten wohnt, der ruht im Schatten des Allmächtigen…) den Trauerzug. Ich kann sie förmlich sehen, die Leidtragenden, schwarz gekleidet, gramgebeugt einer Jahrtausend alten, mosaischen Tradition folgend. Drei Schaufeln Erde fallen auf den Sarg und obwohl das Geräusch in der Stille laut erscheint und endgültig, schwingt auch Hoffnung und tiefer Glaube mit. Noch bevor das Kaddisch gebetet wird, schaufeln Freunde oder die Beerdigungsbruderschaft Erde in das Grab, um es zu schließen. Die Grabstätte ist so ausgerichtet, dass der Verstorbene nach der Auferstehung nach Jerusalem schauen kann. Bestimmt hat die Familie den Spruch für den Grabstein schon ausgesucht. So etwas wie: „Hier ruht und ist verborgen einer der Aufbewahrten, bis sie zum Leben auferweckt werden“. Wenn der Steinmetz sein Werk vollendet hat, wird sein Stein auf dem Grab zum Liegen kommen. Hebräische Schriftzeichen und ein Symbol, wie die Priesterhände, schlicht und schön. Die Familie kommt wieder und wieder zum Grab, bringt zu jedem Besuch einen Stein mit, der liebevoll abgelegt wird und den Verstorbenen ehrt.

    Das alles ist aber hunderte von Jahren her. Seit dem 13. Jahrhundert gibt es jüdische Friedhöfe in Kassel. Der alte Friedhof in Bettenhausen, einer von über 100 in Hessen, auf dem von Familie von Buttlar gehörenden Grundstück parkähnlich angelegt, beherbergt ca. 3000 Grabstellen. Viele Liegeplatten sind nicht mehr lesbar, überzogen von Moos und Efeu liegen sie in der Stille bis zum jüngsten Tag. Keine Kränze, keine Vasen mit bunten Blumen, keine Kerzen vermag das suchende Auge zu erblicken. Nur sanftes Grün.

    Auf dem neueren Teil der Ruhestätte stehen seit Beginn des 19. Jahrhunderts Grabsteine. Grau, schmal und hoch sind sie zweisprachig beschriftet. Auf der Vorderseite hebräische Schriftzeichen, auf der Rückseite für mich lesbar in lateinischer Schrift. Hier liegen kleine Steine auf den stummen Zeitzeugen, da hat ein vorwitziger, wilder Efeu den Stein erobert. Namen, die ich lesen kann, wirken vertraut, wie Aschrott, Goldschmidt oder Mond.

    Hier noch ein paar Beispiele:

    Felix Blumenfeld (1873 – 1942) Kinderarzt, erster Chefarzt de späteren Kinderkrankenhaus Park Schönfeld, musste im 2. Weltkrieg enteignet und gedemütigt Lumpen und Schrott sammeln, beging Selbstmord, um seine Frau vor Repressalien zu schützen. In seinem Abschiedsbrief schreibt er:
    Der Tod erscheint mir unter diesen Umständen begehrenswerter als ein Dasein mit immer neuen Qualen. Ich gehe deshalb aus dieser Welt der Gemeinheit, Niedertracht und Unmenschlichkeit, um einzuziehen in den ewigen Frieden, und den Pfad suchend, der aus dem Dunkel zum Licht führt.“

    Dr. Jakob Pinhas (1788 – 1861) sein Vater war Miniaturenmaler unter Wilhelm I., er selbst war Publizist, konkurrierte um die Redakteurstelle mit Wilhelm Grimm, später Herausgeber der Casselischen Allgemeinen Zeitung

    Dr. Lucius Liffmann (1772 – 1803) der erste praktische Arzt in Kassel, gründete die „Gesellschaft der Humanität“

    Max Plaut (1888 – 1933) Rechtsanwalt, von den Nazis gefoltert und misshandelt bis zum Tod

    Rudolf Hallo (1898 – 1933) Kunsthistoriker, Autor, kulturwissenschaftlicher Mitarbeit im Hess. Landesmuseum, starb an den Folgen einer Lungenentzündung

    Sara Nußbaum (1868 – 1956) Krankenschwester mit großem sozialem Engagement, hat das KZ überlebt und ist schließlich in entsetzlicher Armut gestorben

    Das Herz wird mir schwer beim Anblick all dieser Schicksale, Tragödien und der Gräueltaten der Nazis und mit einem letzten, wehmütigen Blick will ich mich abwenden. Ein furchtbares Geräusch dringt von der anderen Seite des Friedhofs zu mir herüber. Zwei riesige Bagger graben ihre Schaufeln in die letzten Mauern der Joseph-von-Eichendorff- Schule. Hier entsteht also auch ein Friedhof. Ein stummes Grab, welches einem neuen, modernen Wohnviertel weichen soll. Eine Stätte der Erinnerung für die vielen Menschen, die an dieser Schule gelernt und gelehrt haben. Ein Friedhof für den Moment.
    Als ich weitergehen will, fährt ein plötzlich aufkommender Wind in die Baumwipfel, verwirbelt alte, abgestorbene Blätter, zerzaust meine Haare. Danke! Nun bin ich wieder im Hier und Jetzt angekommen. Beschwingt verlasse ich diesen faszinierenden Ort und lasse die laute Stille zurück.

    Fotos und Text: Andrea C. Ortolano

    Immer wieder freitags…

    In einer E-Mail an seine Mitglieder schrieb der Vorstand der des Vereins der Gäste- und Museumsführer in Kassel und Region e.V.: „Nachdem nun auch die Wasserspiele bis auf Weiteres abgesagt wurden und tatsächlich nicht abzusehen ist, dass es in den nächsten Wochen Führungen geben wird, haben wir uns im Vorstand überlegt, wie wir diese Zeit dennoch sinnvoll nutzen können. So ist die Idee entstanden, dass wir ab sofort jeweils freitags eine Persönlichkeit, ein Objekt in einem Museum, eine Pflanze oder auch einen etwas unbekannteren Ort vorstellen.“

    Gesagt, getan.
    Den Auftakt machte ein Beitrag von Claudia Panetta-Möller, den die mittendrin dokumentierte.
    Andrea C. Ortolanos Text zum Jüdischen Friedhof ist bereits der vierte in der Reihe. Diesen veröffentlicht die mittendrin in direkter Korrespondenz zu seinem Erscheinen. Text 2 und 3 folgen zu einem anderen Zeitpunkt.

    Kontakt/Info:
    Verein der Gäste- und Museumsführer in Kassel und Region e.V.
    Claudia Panetta-Möller
    Tel. 0561 / 60290204
    Mobil: 0176 / 54466016
    info(at)kassel-gaestefuehrer.de
    www.kassel-gaestefuehrer.de

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