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Sabine Kemna
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Sabine Kemna2026-09-05 11:37:242026-09-05 11:37:24Fimmatinee Fanny HenselVielfalt im Grünen
Am Helleböhnweg in Kassel entstand ein urbaner Waldgarten, den Bürger:innen gemeinsam als öffentlichen Freiraum gestalten und weiterentwickeln.
Trittsteine führen durch die Fläche, vorbei an Rankgerüsten und schmalen
Wegen, die sich zwischen jungen Bäumen und Sträuchern verzweigen. Überall
auf der Fläche zeigt sich, wie sich der Garten fortlaufend verändert: Kräuter und Gemüse breiten sich aus, Beerensträucher tragen Früchte, und überall zeigen sich Spuren menschlicher Pflege.
Der urbane Waldgarten am Helleböhnweg versteht sich als neues Modell städtischer Freiraumgestaltung, das ökologische Funktionen mit gemeinschaftlicher Nutzung verbindet. Der Waldgarten orientiert sich am Aufbau eines natürlichen Waldes, in dem verschiedene Vegetationsschichten
zusammenwirken – von Obstbäumen über Sträucher bis zu Gemüse und Kräuterflächen. So entsteht eine vielfältige Mischung aus Nutzpflanzen und Lebensräumen für Insekten, Vögel und Kleintiere. Diese mehrschichtige Struktur soll vielfältige, essbare Erträge ermöglichen, die biologische Viel
falt stärken und das Stadtklima verbessern. Anders als klassische Parks ist die
Fläche zugleich produktive Grünfläche.
Wo Gemeinschaft Wurzeln schlägt
Der in der Nähe des Technologieparks Marbachshöhe gelegene Waldgarten entstand im Rahmen eines bundesweiten Forschungsvorhabens zu urbanen Waldgärten, das neue Formen multifunktionaler Stadtgrünflächen untersucht und wird im Bundesprogramm Biologische Vielfalt durch das Bundesamt für Naturschutz gefördert. In Kassel realisierte das Projekt bereits zuvor einen ersten urbanen Waldgarten am Wahlebach zwischen dem ehemaligen AEGWerk und den angrenzenden Kleingärten, bevor der Standort am Helleböhnweg folgte. Von Beginn an öffnete es den Planungsprozess für die Stadtgesellschaft: Bürger:innen beteiligten sich in Werkstätten, Gesprächen und einer Online Befragung und brachten Vorschläge zur Nutzung, Gestaltung und Organisation ein. So entstand kein abgeschlossenes Konzept, sondern ein Entwurf, der sich im Austausch mit der Nachbarschaft und anderen Mitmachenden weiterentwickelt und bewusst offen für Anpassungen bleibt.
„Von Anfang an war die Idee, die Menschen intensiv einzubeziehen, die Verantwortung übernehmen, selbst gestalten und den Ort aktiv mitprägen“, erklärt Robert Bischer, der als Landschaftsarchitekt maßgeblich an der Planung des urbanen Waldgartens am Helleböhnweg beteiligt war.
Die Organisation erfolgt derzeit gemeinsam mit dem Umwelt und Gartenamt der Stad Kassel, das die offene Gartengruppe und das sogenannte Feierabendgärtnern koordiniert. Künftig soll diese vollständig von den Freiwilligen übernommen werden. Über eine SignalGruppe stimmen sich die Beteiligten zu Pflege und Pflanzaktionen ab. Auch Schulen und Kitas sind eingebunden; einzelne Gruppen verfügen über eigene Beete und nutzen den Ort regelmäßig als Lern und Erfahrungsraum. Für gemeinschaftliche Arbeiten steht zudem ein Werkzeugcontainer bereit.

Die KITA-Beete. Foto: Jan Piecha
Ein lebendiger Raum
„Die Gestaltung des Waldgartens am Helleböhnweg wurde von Beginn an ergebnisoffen geplant“, so Robert Bischer. Zwar gibt es eine grundlegende Struktur der Fläche, viele Bereiche bleiben jedoch bewusst flexibel – neue Pflanzen, Ideen und Nutzungen lassen sich im Verlauf jederzeit ergänzen.
Als öffentlich zugängliche Fläche bringt dieses Konzept auch Herausforderungen mit sich. Der Raum bleibt jederzeit für alle nutzbar, gleichzeitig ist er auf Mitwirkung und Verantwortung der Beteiligten angewiesen. Bereits in der Praxis zeigten sich Spannungsfelder: So kam es in der Vergangenheit zu Fremdernten in gemeinschaftlich bewirtschafteten Beeten sowie zu Diebstahl von Werkzeug aus dem Container. Stadt und Projektteam reagierten flexibel auf die Vorkommnisse – etwa mit organisatorischen Anpassungen oder Hinweisschildern, um die gemeinsame Nutzung weiterhin zu ermöglichen. Der urbane Waldgarten ist kein abgeschlossenes Vorhaben, sondern ein fortlaufender Prozess, der sich mit den Menschen, die ihn nutzen, weiterentwickelt – offen für Veränderungen, neue Formen der Nutzung und unvorhersehbare Entwicklungen.

Die Insektenwiese. Foto: Jan Piecha.
26.8.2026
Der urbane Waldgarten am Helleböhnweg:
Standort: Helleböhnweg, 34134 Kassel
Architektur: Planungsgemeinschaft Landschaft + Freiraum Bischer + Pelka GbR, Kassel
Bauherren: Magistrat der Stadt Kassel, Umwelt- und Gartenamt
und ist in Redaktion und Organisation der Hefte tätig. In ihrer Freizeit beschäftigt sie sich gerne mit Feminismus und Nachhaltigkeit.
Dieser Artikel ist auch zu lesen in der StadtZeit-Ausgabe 128, Sommer 2026, S. 60
>> hier zu lesen





© Urs Lüthi, Courtesy Galerie Coucou
Claudia Harwardt











