Weitsicht für Junge, Würde für Alte

Aladin El-Mafaalani wird mit dem Preis „Das Glas der Vernunft“ 2026 geehrt

In diesem Jahr wird zum 35. Mal der Preis „Das Glas der Vernunft“ verliehen. Die mit 20.000 Euro dotierte Auszeichnung der Kasseler Bürgerschaft geht an den Autor und Professor für Migrations- und Bildungssoziologie Aladin El-Mafaalani. Vorstand und Kuratorium ehren El-Mafaalani für die Klarheit, mit der er Kinder als „letzten Sinn“ und „einzige Zukunft der Gesellschaft“ in den Fokus rückt und den Generationenzusammenhalt als demokratische Vertrauensgemeinschaft vertritt.

„Aladin El-Mafaalani setzt sich seit Jahren für Kinder und Jugendliche ein. Er vertritt einen Konsens der Generationen, in dem sowohl Anliegen junger Menschen mit Weitsicht behandelt als auch Strukturen für ein würdevolles Altern erhalten werden“, sagt Wilfried Sommer, Vorsitzender des Vorstandes der Gesellschaft der Freunde und Förderer des Preises. Er skizziere Zukunftsaussichten, in denen Mentorenprogramme zwischen Kindern und Senioren Entwicklung förderten, Armut nicht Talent verdecke und Zukunftsräte sicherstellten, dass die Perspektive junger Menschen gehört werde.

Aladin El-Mafaalani kennt die Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen aus eigener Erfahrung: Er arbeitete viele Jahre als Lehrer, koordinierte die Integrationspolitik in Nordrhein-Westfalen als Abteilungsleiter im Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration und setzt sich heute als Hochschullehrer mit den strukturellen Herausforderungen einer Gesellschaft auseinander, in der jedes Jahr doppelt so viele in Rente gehen, wie die Schule verlassen. Sowohl seine Forschungsarbeiten als auch sein öffentliches Wirken wurden mehrfach ausgezeichnet.

Er ist Träger des Bundesverdienstkreuzes und Bestsellerautor. Die Findungskommission habe überzeugt, so Sommer, mit welcher Konsequenz und wissenschaftlicher Stringenz sich El-Mafaalani für die Bildungs- und Entwicklungsbedingungen von Kindern und Jugendlichen einsetze. Er lege Widersprüche offen, ohne zu moralisieren, benenne Probleme, ohne Ressentiments zu bedienen, und zeige Lösungswege auf, die Orientierung bieten – für Politik ebenso wie für die Zivilgesellschaft. Mit der Verleihung des Preises „Das Glas der Vernunft“ wird seine Haltung ausgezeichnet, die Vernunft als Grundlage demokratischer Entscheidungen begreift und den Dialog über gesellschaftliche Grenzen und Generationen hinweg sucht. Der Bürgerpreis „Das Glas der Vernunft“ wird am Sonntag, den 27. September 2026 in Kassel im INTERIM des Staatstheaters Kassel an Aladin El-Mafaalani übergeben. Festrede und Laudatio wird die Medizinethikerin, Ärztin und Hochschullehrerin Prof. Dr. Alena Buyx halten.

Der Preisträger
Aladin El-Mafaalani, 1978 im Ruhrgebiet geboren, ist Professor für Migrations- und Bildungssoziologie an der TU Dortmund.
Er studierte Arbeitswissenschaft, Wirtschaftswissenschaft, Politikwissenschaft und Pädagogik und arbeitete nach dem Referendariat für das Lehramt für berufliche Bildung mehrere Jahre als Lehrer an einem Berufskolleg. Der promovierte Soziologe war Abteilungsleiter im nordrheinwestfälischen Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration, Professor für Erziehungswissenschaft an der Universität Osnabrück, Professor für Politikwissenschaft an der Fachhochschule Münster und bis 2025 Mitglied im Bundesjugendkuratorium der Bundesregierung. Der mehrfach ausgezeichnete Wissenschaftler ist Träger des Bundesverdienstkreuzes und durch seine 4 Bestseller „Das Integrationsparadox“ (2018), „Mythos Bildung“ (2020), „Wozu Rassismus“ (2021) und „Kinder – Minderheit ohne Schutz“ (2025) einer breiten Öffentlichkeit bekannt. Im Herbst 2025 erschien mit großer Resonanz „Misstrauensgemeinschaften – Zur Anziehungskraft von Populismus und Verschwörungsideologien“. Gleichzeitig war er anlässlich der Abstimmung über das umstrittene Rentenpaket der Bundesregierung in den Medien ein vielgefragter Experte.
Weitere Infos zum diesjährigen Preisträger unter: www.mafaalani.de

Aladin El-Mafaalani, Foto: H.Severin


Das Glas der Vernunft

Der Bürgerpreis „Glas der Vernunft“ wurde 1990 von Kasseler Bürger:innen gestiftet. Anlass war die Öffnung der DDR-Grenze im November 1989. Der mit 20.000 Euro dotierte Preis ist seither 34-mal sowohl an Wissenschaftler:innen, Künstler:innen, Politiker:innen und Naturschützer:innen als auch an Menschenrechts- und Hilfsorganisationen vergeben worden, die sich mit ihrem Wirken den Idealen der Aufklärung – Vernunft, Toleranz gegenüber Andersdenkenden und Überwindung ideologischer Schranken – in besonderer Weise verdient gemacht haben.

Symbolisiert wird der Preis durch eine von dem Kasseler Kunstprofessor und documenta-Künstler Karl Oskar Blase gestaltete Skulptur: Ein Glasprisma im Oktogon. Das Glas steht für Transparenz und Zerbrechlichkeit, das Prisma für Aufklärung durch wissenschaftliche Analyse, das Oktogon für Vollkommenheit. Die 1991 gegründete Gesellschaft der Freunde und Förderer des Bürgerpreises hat inzwischen über 550 Mitglieder –und zwar nicht nur aus Kassel und der Region, sondern aus nahezu allen Bundesländern sowie aus dem Ausland. Durch ihre Beiträge und durch Spenden wird der Preis sowie die Veranstaltung zur Preisverleihung finanziert. Der Vorstand des Vereins sowie die Mitglieder des Kuratoriums arbeiten ehrenamtlich. Erster Preisträger war 1991 der damalige deutsche Außenminister Hans-Dietrich Genscher, der die Auszeichnung für seine Verdienste um die Öffnung der DDR-Grenze erhielt. 2016 wurde Edward Snowden geehrt: Der ehemalige CIA-Mitarbeiter enthüllte die weltweiten Überwachungs- und Spionagepraktiken von Geheimdiensten, vor allem der USA. Er konnte den Preis in Kassel nicht in Empfang nehmen, weil er
international mit Haftbefehl gesucht wird. Sein Glas der Vernunft befindet sich noch im Kasseler Rathaus. Es steht für die Hoffnung, dass es Snowden eines Tages als freier Mensch in Empfang nehmen kann.

Auf der Homepage www.glas-der-vernunft.de sind alle bisherigen Preisträger aufgeführt.
29.01.2026

Pressemeldung:

Gesellschaft der Freunde und Förderer des Kasseler Bürgerpreises
Das Glas der Vernunft

Der Bürgerpreis „Das Glas der Vernunft“ wird am Sonntag, den 27. September 2026 in Kassel im INTERIM des Staatstheaters Kassel an Aladin El-Mafaalani übergeben.

Foto: Mirza Odabasi

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