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Iryna Sauerwald
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Iryna Sauerwald2026-02-05 06:44:222026-02-04 16:45:06How long is now?Ein Stadtpark auf Zeit
In Oberzwehren haben Auszubildende des Umwelt- und Gartenamts der Stadt Kassel einen temporären Park geplant und umgesetzt.
Joseph Beuys pflanzte 1984 den „Vernunftbaum“ als Teil des Landschaftskunstwerks „7000 Eichen – Stadtverwaldung statt Stadtverwaltung“. Er wählte den Ort gezielt: eine Brache nördlich des
Kasseler Hauptbahnhofs. Die Fläche war als „Goldenes Loch“ bekannt, weil die Stadt sie mit der Hoffnung auf einen lukrativen Verkauf lange brachliegen ließ. Die Anwohnenden forderten schon lange vor Beuys‘ Vernunftsbaum, dort einen Stadtteilpark anzulegen, der ihre Lebensqualität verbessern würde.
Trotz des Eingriffs von Beuys und der Pflanzung eines zweiten, „Höheren Vernunftbaums“, im darauffolgenden Jahr, wurde jedoch kein Park umgesetzt.
Mittlerweile steht auf der ehemaligen Brache das Polizeipräsidium Nordhessen, zusammen mit einer Vielzahl von später gepflanzten Beuys-Bäumen.
Vierzig Jahre später ergab sich eine ähnliche Situation in Oberzwehren. An der Alten baunaer Straße befand sich ein stadteigenes Grundstück, das die letzten Jahre lediglich als Ziegenweide eines Pächters diente. Der Ortsbeirat äußerte den Wunsch, es den Oberzwehrenern zugänglich zu machen. Dieser Wunsch wurde Realität, als Auszubildende des Garten- und Umweltamtes der Stadt Kassel die Fläche zu einer grünen Oase im Stadtteil entwickelten. Mit Sitzbänken, Staudenbeeten und Obstbäumen stellt der temporäre Park eine Bereicherung für Jung und Alt dar.

Azubis Christin Schweitzer, Mariella Müller, John Hurst und Jacob Stederoth mit ihrem Ausbildungsleiter Christian Teske, Ortsvorsteher Philipp Humburg und Stadtklimarätin Simone Fedderke bei der Einweihung des Parks im April 2025.
Schnelle Umsetzung
Ortsvorsteher Phillipp Humburg rief die Idee eines Parks im Spätsommer 2023 ins Leben. Eine Nachfrage beim Umwelt- und Gartenamt der Stadt Kassel ergab: Grundsätzlich sei eine Umsetzung möglich und bereits ein halbes Jahr später lag der erste Entwurf vor. Auszubildende des Umwelt- und Gartenamts der Stadt Kassel bekamen die Möglichkeit, das Grundstück
zu entwickeln. Unter Anleitung ihres Ausbilders Christian Teske zeichneten die Azubis Entwurfsskizzen, legten Wege an und pflanzten bunte Blumeninseln. Die Arbeit des Ausbildungsteams sparte der Stadt erhebliche Kosten in der Planung und Umsetzung des Parks. „Der größte Gewinn ist jedoch nicht die Kosteneinsparung, sondern der Mehrwert für die Auszubildenden“, heißt es von Seiten der Stadt.
Im April dieses Jahres luden sie die Oberzwehrener zum Eröffnungsfest ein. „Das positive Feedback der Bürgerinnen und Bürger hat uns wirklich beeindruckt und gibt uns Kraft für die Zukunft,“ betont Christian
Teske.
Die Pflanzenauswahl bietet das ganze Jahr über ein großes Nahrungsangebot
für Insekten und Vögel. Doch auch Menschen können sich an den Kornelkirschensträuchern und Quittenbäumen bedienen.
Das Highlight des Parks befindet sich im hinteren, von der Straße abgewandten, Teil. Im Schatten der umliegenden Bäume wächst eine „Naschinsel“ mit Beerensträuchern heran, um die sich eine lokale Initiative kümmert.
Temporär für lange Zeit
Stadtklimarätin Simone Fedderke ist überzeugt: „Der Park ist ein gelungenes Beispiel dafür, wie nachhaltige, flexible Flächennutzung das Wohnumfeld bereichert, das Klima verbessert und den Gemeinschaftssinn stärkt.“ Der temporäre Park wird vorerst erhalten bleiben. Mit dem Zusatz „temporär“ im Titel macht die Stadt deutlich, dass sie sich die Fläche für eine Entwicklung in Zukunft, zum Beispiel mit einer Wohnbebauung, vorbehalten möchte. Ortsvorsteher Phillipp Humburg ist sich aber sicher, dass der Park noch mindestens fünf bis zehn Jahre bestehen wird. So lange können sich Kinder und Erwachsene, Naturfreunde und Spaziergehende, Bienen und Schmetterlinge noch an der kleinen Oase in Oberzwehren erfreuen.
23.09.2025
studierte in Weimar, bevor es sie für ihr Masterstudium in Stadtplanung nach Kassel verschlug. In ihrer Freizeit liest und schreibt sie Fiktion. Für das StadtZeit Magazin Kassel bleibt sie aber bei dem, was ihr vertraut ist: Architektur.
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