Mittendrin in Kassel
  • Aktuelles
  • Termine
  • Podcast SprechZeit
  • Podcast StadtteilZeit
  • Architektur und Stadt
  • Gesund Leben
  • Essen und Genießen
  • Wohnen und Leben
  • Kunst und Kultur
  • Kinder und Jugend
  • Kirche und Soziales
  • Handel und Gewerbe
  • Energie + Umwelt
  • Stadt(teil)politik und Gesellschaft
  • Stadt(teil)geschichte
  • Kolumnen
  • Video-Kanal
  • Lieblingsläden
  • Menü Menü
    Search Search

    Direkter Kontakt:

    Klaus Schaake
    Tel. 0561 – 475 10 11
    post@mittendrin-kassel.de

     

    Gefördert bis Ende 2019 durch:

    EinWurf

    Fragliches zum Marmorbad

    „Why bad?“

    Wer Gelegenheit hat, sich über einen längeren Zeitraum in der Nähe des Marmorbades an der Orangerie aufzuhalten, erfährt Erstaunliches. Professionelle Guides, autodidaktischer Ortsansässige, kompetenzausstrahlende Familienoberhäupter  oder auswärtige Passanten sind damit befasst, Ganz-, Halb- oder Unwahrheiten über Sinn und Zweck des barocken HKH-Gebäudes in der Karlsaue zu vermitteln. Schon bei äußerlicher Inaugenscheinnahme sehen sich berufene wie unberufene Autoritäten herausgefordert, mit ihren individuellen Ansichten und Wissensbeständen zu imponieren. Kein Wunder, bietet doch bereits die originelle Bezeichnung des Bauwerks Anlass zum Fragen: Bad für Marmor, aus Marmor oder gar in Marmor? Angesichts solch dubioser Ausgangslage offenbaren sich Verirrungen der Erinnerungskultur, bei denen sich rudimentäre Sachkenntnis mit Scheinwissen paart. Dabei zeigt sich: Die Welt des Marmorbades ist eine Welt voller Missverständnisse. Da kann sogar ein fragmentarisches Protokoll von Abgelauschtem zum Symptom werden für die Relativität von Wahrheit, für die Unfähigkeit zu wissen und für die Vielgestaltigkeit der Realitätswahrnehmung. So ist beispielsweise die personelle Zuordnung oft von Unsicherheit geprägt: „Hier, das Marmorbad von Kaiser Wilhelm!“ „Nein, nicht der!“ „Sondern von wem?“ „Irgendein anderer Kaiser.“ Welcher Infrage kommt, ahnt ein anderer
    Informant. Jedoch auch der weiß nur zu fragen: „Weißt Du, warum Napoleon da gebadet hat?“ Eine Schulklasse, augenscheinlich unterwegs zum modernen Auebad, wird vom Sportpädagogen korrekt über die antiquierte Badanlage informiert: „Das ist das Bad des Landgrafen. Aber der hat nie darin gebadet.“
    Der Primus weiß es besser: „Doch! In Wein.“ Aufgesessen ist der Besserwisser einer Münchhausiade, die selbst vom etablierten Begleitservice kontinuierlich kolportiert wird: die auf kasselwiki.de in der Rubrik „Nordhessische Curiosa“ am Leben erhaltene Legende vom Rotweinbad König Jérômes. Wem das zweifelhafte Kuriosum zum dekadenten Lokalpotentaten nicht kurios genug ist, toppt es mit dem Hinweis auf einen „findigen Kasseler Kaufmann“, der die Badeflüssigkeit anschließend in Flaschen abgefüllt und „für teuer Geld“ verkauft habe. Und nach der Pointe „Es sollen sogar ein paar Liter mehr gewesen sein“, belohnt regelmäßig tosendes Gelächter die findige Führungskraft. Um der Wahrheit die Ehre zu geben, folgt hin und wieder die Relativierung: „Das jedenfalls erzählt man sich in Kassel.“ Die einzigen aber, die solches erzählen, sind die Guides.


    Insbesondere wenn Humor ins Spiel kommen soll, gerät historische Korrektheit ins Hintertreffen. Ein Gästeführer der launigen Art nimmt es mit der Wahrheit daher nicht so genau: „Hier kommt jetzt das Marmorbad“, kündigt er an. „Ihr könnt Euch schon mal nackig machen. Könnt Ihr mal reingehen.“ Von anderen wird dort eher die Befriedigung weitergehender Bedürfnisse vermutet: „Da! Ein Marmorbad! Da ist sicher eine Toilette drin“, so der erleichterte Stoßseufzer einer Passantin – ein naheliegendes Missverständnis, das auf einen eklatanten Mangel des Ambientes hinweist, der die umgebende Vegetation immer wieder in Mitleidenschaft zieht. Auch ist die Verwechslung mit anderen Attraktionen der documenta-Stadt nicht ausgeschlossen: „Das Marmorbad? Ja, da steht auch der Laser.“ Und in Extremfällen steht das gesamte Gebäude zur Disposition: „Hier vorne, der rechteckige Würfel, das ist das Planetarium.“ Was prompt noch ausgedehntere Fragen aufwirft: „Wat wollen die da oben rumfliegen? Machen doch alles kaputt. Is hier unten nich schön genug?“
    Gleichermaßen lässt die Beherrschung der Baugeschichte zu wünschen übrig: „Das hier ist die Orangerie. Das war alles weg. Das Marmorbad haben sie nach dem Krieg neu wiederaufgebaut.“ Und eine Gästeführerin mit knappem Zeitbudget begnügt sich mit dem Warnhinweis „Hier wird geheiratet!“ Auch Lehrpersonal erweist sich nicht immer als sattelfest. Beim Spähen durch die Gitterfenster folgt auf die Schülerfrage nach der figürlichen Innenausstattung die Verlegenheitsauskunft: „Das sind wohl die alten Könige aus Stein.“
    Selbst offizielle Informationsmedien sind nicht notwendigerweise hilfreich. Als HKH noch MHK war, warb eine Plakatkampagne für die verschiedenen Museumsstandorte mit jeweils einem Schlagwort, das in Versalien das Format beherrschte. Für das Marmorbad war es naheliegender Weise „BAD“, unübersehbar positioniert auf einem Plakatständer am Eingang. Einmal wurde einer kleinen Schar englischsprachiger Touristen das Kleinod mit Emphase
    vorgestellt, seine Schönheiten gepriesen und die Innenausstattung im Detail erläutert. Die Gruppe zeigte sich gebührend beeindruckt – eine Frage aber blieb: „But why bad?“ Die diesbezügliche Irritation mündete in einen homophonen, Marx-Brothers-ähnlichen „Why a Duck“/„Viaduct“-Disput, in dessen Verlauf nicht zu klären war, wieso ein solches Juwel von den Eigentümern als „bad“ geschmäht wurde.
    Doch auch wenn die Sachinformationen keine Fragen offen lassen, wissen nicht alle Passanten die historische und ästhetische Bedeutung des Objekts zu schätzen. Selbst ältere Menschen finden an den Antiquitäten kein Gefallen und verweigern den Eintritt: „Wem das gefällt? Das alte Zeuch is nix für mich.“
    Diejenigen, die als Aufsichten im Interieur des alten Zeuchs Verantwortung tragen, werden wahrscheinlich noch ganz andere Fragen beantworten müssen.
    Faktencheck: „Es ist ein Bad, in dem nie gebadet wurde: Das Marmorbad (…) diente festlichen Anlässen und der fürstlichen Repräsentation. Landgraf Carl ließ es 1722 bis 1728 durch den französischen Bildhauer Pierre Étienne Monnot (1657–1733) entwerfen und ausstatten. Skulpturen aus Marmor in Lebensgröße, Reliefs mit Motiven aus der antiken Mythologie, Bildnisse des Landgrafenpaars und farbige Wandverkleidungen überwältigen das Auge. (…) Es ist eines der bedeutendsten Ensembles barocker Raumkunst nördlich der Alpen.“ www.heritage-kassel.de/standorte/marmorbad

    16.01.2026

    Der Autor Dr. Harald Kimpel
    studierte Kunstpädagogik und Kunstgeschichte in
    Kassel und Marburg. er ist tätig als Kunstwissenschaftler, Kurator und Autor. Für die StadtZeit kümmert er sich in der Kolumne „EinWurf“ regelmäßig um erfreuliche oder unerfreuliche Begebenheiten im Kulturbereich.

    Diesen Artikel auch zu lesen in der StadtZeit-Ausgabe 126, Winter 2025/26, S. 53
    >> hier zu lesen

    Ähnliche Themen

    Holofiction

    Mai 18, 2026
    Am Donnerstag, den 21. Mai, findet um 17 Uhr im BALi Kino am Rainer-Dierichs-Platz 1 in Kassel eine besondere Filmvorführung statt. Im Anschluss an den Film gibt es die Möglichkeit, bei einem Publikumsgespräch direkt mit dem Regisseur Michal Kosakowski zu diskutieren.
    Weiterlesen
    https://mittendrin-kassel.de/wp-content/uploads/2026/05/HOLOFICTION-2-EYES-Klein.jpg 370 600 Iryna Sauerwald https://mittendrin-kassel.de/wp-content/uploads/2019/10/logo-m.png Iryna Sauerwald2026-05-18 08:47:032026-05-18 08:47:03Holofiction

    Das 45. Internationale Frühlingsfest ist gerettet

    Mai 16, 2026
    Nach erfolgreichem Crowdfunding: Über 500 Einzelspender*innen sowie engagierte Stiftungen und Unternehmen aus der Region ermöglichen Kassels größtes interkulturelles Stadtteilfest.
    Weiterlesen
    https://mittendrin-kassel.de/wp-content/uploads/2026/05/Plakat_45.-Internationales-Fruehlingsfest-2026.jpg 1677 1192 Iryna Sauerwald https://mittendrin-kassel.de/wp-content/uploads/2019/10/logo-m.png Iryna Sauerwald2026-05-16 07:26:582026-05-16 07:27:22Das 45. Internationale Frühlingsfest ist gerettet

    Kneipenfestival in Wolfhagen

    Mai 7, 2026
    Am Samstag, den 09. Mai, verwandelt sich die Wolfhager Innenstadt wieder in eine musikalische Meile: Beim diesjährigen Kneipenfestival sorgen vier Locations ab 20 Uhr für beste Live-Unterhaltung – und das bei freiem Eintritt.
    Weiterlesen
    https://mittendrin-kassel.de/wp-content/uploads/2026/05/Plakat-Kneipenfestival-2-scaled.jpg 2560 1810 Iryna Sauerwald https://mittendrin-kassel.de/wp-content/uploads/2019/10/logo-m.png Iryna Sauerwald2026-05-07 14:06:162026-05-07 14:06:16Kneipenfestival in Wolfhagen

    Ein Sommer voller kultureller Highlights

    Mai 7, 2026
    Die Bad Hersfelder Festspiele sind ein Sommer voller kultureller Highlights mit ergänzenden Sonderformaten durch Stars der deutschprachigen Theater- und Musikszene.
    Weiterlesen
    https://mittendrin-kassel.de/wp-content/uploads/2026/05/102-8240008-4486x3365-Sennewald-2022-Goethe-blau.jpg 1500 2000 Iryna Sauerwald https://mittendrin-kassel.de/wp-content/uploads/2019/10/logo-m.png Iryna Sauerwald2026-05-07 12:43:152026-05-07 12:43:15Ein Sommer voller kultureller Highlights

    Campusfest an der Uni

    Mai 5, 2026
    Die Universität Kassel lädt die Stadt ein. Am Donnerstag, 21. Mai 2026, öffnet sich der Campus am Holländischen Platz wieder als Ort für Neugier, Austausch und neue Perspektiven.
    Weiterlesen
    https://mittendrin-kassel.de/wp-content/uploads/2026/03/Decent-romantics-@campusfest-2022_Foto-UniversitaIˆt-Kassel-Kopie-scaled.jpeg 1920 2560 Iryna Sauerwald https://mittendrin-kassel.de/wp-content/uploads/2019/10/logo-m.png Iryna Sauerwald2026-05-05 07:59:272026-04-15 13:00:16Campusfest an der Uni

    Jacob und Wilhelm Grimm draußen vor der Tür

    Mai 1, 2026
    Vom Standortwechsel der Brüder-Grimm-Statue.
    Weiterlesen
    https://mittendrin-kassel.de/wp-content/uploads/2023/12/kolumne-unterwegs-web.jpg 684 845 Lisa Marie Fink https://mittendrin-kassel.de/wp-content/uploads/2019/10/logo-m.png Lisa Marie Fink2026-05-01 14:54:362026-05-01 14:54:36Jacob und Wilhelm Grimm draußen vor der Tür

    Für die Zukunft gebaut Architektur in Kassel

    April 29, 2026
    Ein Gespräch mit Barbara Ettinger-Brinckmann und Klaus Schaake auf der KasselBuch 16. Mai 2026, 16 Uhr, Palais Bellevue, Kassel.
    Weiterlesen
    https://mittendrin-kassel.de/wp-content/uploads/2026/04/U-1.jpg 584 612 Iryna Sauerwald https://mittendrin-kassel.de/wp-content/uploads/2019/10/logo-m.png Iryna Sauerwald2026-04-29 14:13:312026-04-29 14:29:58Für die Zukunft gebaut Architektur in Kassel

    Der Spielplan 2026/27 am Staatstheater Kassel

    April 27, 2026
    Intendant Florian Lutz und das künstlerische Leitungsteam mit der neuen Schauspieldirektorin Sarah Franke haben ihre Pläne für die kommende Saison vorgestellt.
    Weiterlesen
    https://mittendrin-kassel.de/wp-content/uploads/2026/04/PK_2627_AnjaPawliczek-06778-scaled.jpg 1707 2560 Yasmin Hahn https://mittendrin-kassel.de/wp-content/uploads/2019/10/logo-m.png Yasmin Hahn2026-04-27 17:08:162026-04-27 17:08:16Der Spielplan 2026/27 am Staatstheater Kassel

    Frische Perspektiven, mutige Programme

    April 23, 2026
    Auch in diesem Jahr präsentiert die Messe KasselBuch unabhängige Verlage im Palais Bellevue. Der gleichnamige Verein veranstaltet die Messe am Wochenende 16. und 17. Mai im Palais Bellevue in Kooperation mit dem Literaturhaus Kassel.
    Weiterlesen
    https://mittendrin-kassel.de/wp-content/uploads/2026/04/07_Kasselbuch-25-scaled.jpg 1440 2560 Iryna Sauerwald https://mittendrin-kassel.de/wp-content/uploads/2019/10/logo-m.png Iryna Sauerwald2026-04-23 12:57:272026-04-23 12:57:27Frische Perspektiven, mutige Programme
    Zurück Zurück Zurück Weiter Weiter Weiter

    Aktuelles

    Mai 17, 2026

    Die Gurkenmelone – eine unbekannte Gartenfrucht

    Mai 17, 2026

    GWH fördert Mittagstisch im Quartier

    Mai 12, 2026

    Grünes Band – einzigartig und nah

    Podcast StadtteilZeit

    November 10, 2020

    StadtteilZeit: Elisabeth König, Ortsvorsteherin Kirchditmold

    Oktober 16, 2020

    StadtteilZeit: Helmut Alex, Ortsvorsteher Süsterfeld-Helleböhn

    Oktober 9, 2020

    StadtteilZeit: Vera Wilmes, Ortsvorsteherin Brasselsberg

    Kontakt

    Klaus Schaake
    c/o Bürogemeinschaft 48zwei
    Friedrich-Ebert-Straße 48
    34117 Kassel
    Tel. 0561 – 475 10 11
    post@mittendrin-kassel.de

    Kommerzielle Nutzungen

    Die Verwertung von Texten und Bildern in anderen Publikationen oder Internet-Auftritten darf nur nach schriftlicher Zustimmung durch das Redaktionsteam erfolgen. Kommerzielle Nutzungen von Text- und Bildmaterial sind schriftlich mit dem presserechtlich Verantwortlichen abzustimmen und angemessen zu vergüten.

    Urheberrecht

    Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben nicht zwingend die Meinung des presserechtlich Verantwortlichen wieder. Alle Autor/innen zeichnen für ihre Beiträge selbst verantwortlich. Alle nicht näher bezeichneten Fotos oder Grafiken wurden der Redaktion von Akteuren aus dem Quartier oder anderen Anbietern zur Nutzung überlassen. Die Sender von Grafiken oder Fotos erklären sich mit der Veröffentlichung einverstanden und erklären, im Besitz der Nutzungs- bzw. Abbildungsrechte zu sein. Sollten aufgrund der Zusendung von Grafiken oder Fotos die Rechte Dritter berührt sein, haftet der Übersender für etwaige, aus Urheberrechtsverletzungen resultierende Schäden.

    Impressum und Datenschutz

    © Copyright - mittendrin LOGIN Download PDF Anleitung (10,6 MB) - Impressum und Datenschutz - webdesign@evabogner.de
    Nach oben scrollen Nach oben scrollen Nach oben scrollen