https://mittendrin-kassel.de/wp-content/uploads/2023/12/kolumne-unterwegs-web.jpg
684
845
Lisa Marie Fink
https://mittendrin-kassel.de/wp-content/uploads/2019/10/logo-m.png
Lisa Marie Fink2026-05-01 14:54:362026-05-01 14:54:36Jacob und Wilhelm Grimm draußen vor der TürJacob und Wilhelm Grimm draußen vor der Tür
Vom Standortwechsel der Brüder-Grimm-Statue.
Für die Brüder-Grimm-Statue der Künstlerin Erika Maria Wiegand (*1925 – †2009) war nach 40 Jahren Verweildauer auf einem Blumenbeet nahe der Torwache am Brüder-Grimm-Platz die Zeit zum Standortwechsel gekommen: Planungen zur Umgestaltung des Platzes unter Bewahrung historischer Sichtachsen und Anknüpfungen an die Erfordernisse der Neuzeit ließen keinen Raum mehr für die 1985 erschaffene Bronzeplastik. Der Kiefernwald als Denkmal für den Klimawandel lief dem Brüder-Grimm-Denkmal den Rang ab. Alles hat seine Zeit.
Sichtbarkeit
Zwei Ikonen des Wortes, an der vielbefahrenen Straße oft übersehen und an einem zum Verweilen wenig einladenden Ort eher selten aufgesucht, wurden vom Sockel genommen. Auf einer ovalen Grünfläche stehen Jacob und Wilhelm Grimm nun direkt vor dem Eingang der Grimmwelt. Sichtbarer und nahbarer denn je, kehren sie mit Blickrichtung auf den Murhardpark der Grimmwelt den Rücken zu. Derart umsichtig positioniert, verleihen die Unzertrennlichen als Fotomotiv der Grimmwelt eine stets anschauliche Sichtbarkeit.
Wir werden sehen, wie es sich fügt mit dem Brüder-Grimm-Platz, wenn er fertig umgestaltet und seiner Bestimmung übergeben ist. Wie es sich für die Brüder-Grimm-Statue gefügt hat, wissen wir: Der Lions Club Kassel Brüder Grimm, dessen Mitglieder die Statue der einst angeregt und der Stadt gestiftet hatten, und Akteure des Kulturdezernats und des Stadtplanungsamtes, die die Hebel der praktischen Umsetzung bedienen, traten einvernehmlich und entschlussfreudig auf den Plan. In aller Stille war der neue Standort gefunden.
Sicherheit
Ob sich der Ort für die zierlichen Bronzefiguren als sicher erweist, ist anzuzweifeln. Die Sichtbarkeit und Nahbarkeit könnte entlang der wenig befahrenen Weinbergstraße kriminelle Wertstoffexperten auf den Plan rufen. Bevor ein derart finsterer Abräumtrupp mit schwerem Gerät diesen fatalen Zugriff ausführt, empfehle ich dringend, das wertvolle Kunstwerk schnellstmöglich in Sicherheit zu bringen. Warum, um Himmels Willen, sollen Jacob und Wilhelm Grimm draußen vor der Tür stehen, wo doch im Inneren der Grimmwelt so viel Ausstellungsfläche vorhanden ist?
Nahbarkeit
Der Bronzeplastik, die nach meiner Ansicht in ihrer Bedeutung noch nicht erkannt ist, haftet Kasseler Geschichte an. In Zeiten, als die Brüder Grimm und ihr kulturelles Welterbe in der öffentlichen Wahrnehmung noch keine Rolle spielten, stiftete ein kleiner Kreis engagierter Menschen zum Anlass des 200. Geburtstags von Jacob Grimm (*4. Januar 1785) der Stadt ein Denkmal der Giganten deutscher Sprache. Wäre diese Geschichte der Stiftungsidee und ihrer Umsetzung nicht ein sinnstiftender Anlass für eine Ausstellung?
Wie stand es damals um das kulturelle Selbstverständnis der Stadt? Vermutlich hat der 90-jährige Karlheinz Ahlmann, Lions-Mitglied und damaliger Projektleiter, sein Wissen als Zeitzeuge längst niedergelegt. Wo sind diese Dokumente der Denkmalstifter, die zur Suche nach und in der Zusammenarbeit mit der Bildhauerin Wiegand fundiert Auskunft geben? Wo befindet sich Wiegands Nachlass zur Statue? Wie ist dieses aufrechte Zusammenstehen, dieser enge Schulterschluss des unzertrennlichen Brüderpaars zu deuten? Ist das Werk im Kontext seiner Entstehung und aktueller Fragen zum gesellschaftlichen Zusammenhalt neu zu sehen? Fragen über Fragen – kuratorische Entdeckerfreude lässt grüßen!

01.05.2026
Dieser Artikel ist auch zu lesen in der StadtZeit-Ausgabe 127, Frühjahr 2026, S. 17
>> hier zu lesen








M van der Put




