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Iryna Sauerwald
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Iryna Sauerwald2026-10-25 07:37:052026-10-25 07:37:0527. Kunsthandwerkermarkt Kassel in der documenta-HalleMehr Schutz vor Diskriminierung an Kasseler Schulen
Voraussichtlich am 28. Oktober 2026 berät der Kasseler Ausschuss für Bildung, Jugend, Gesundheit und Gleichstellung über eine Bürger:inneneingabe, die von Mitgliedern der Kasseler Initiative emPowerKidS eingereicht wurde. Gefordert wird eine unabhängige Antidiskriminierungsstelle für den Schulbereich. Unterstützung erhält das Vorhaben von dem bundesweit renommierten Bildungsexperten Prof. Dr. Karim Fereidooni, der das Projekt als „Leuchtturm-Chance“ für Kassel bezeichnet.
Ein Kind kommt traurig von der Schule nach Hause, weil es von Mitschüler:innen ausgegrenzt wurde. Ein anderes ist deprimiert, weil eine Diskriminierungserfahrung von der Lehrkraft als harmloser Schulhof-Streit eingeordnet wurde und es im Klassenzimmer keine Unterstützung erhielt – Alltag an vielen Schulen.
Kein Randphänomen
Diskriminierung im Schulalltag stellt laut dem Bericht der Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS) kein Randphänomen dar, was durch verschiedene wissenschaftliche Untersuchungen und Metastudien belegt wird. Da der rechtliche Beratungsauftrag der Bundesstelle auf den privatrechtlichen Diskriminierungsschutz beschränkt ist und das AGG im staatlichen Schulwesen keine Anwendung findet, sind der ADS in diesem Bereich rechtlich die Hände gebunden. Sie kann dort keine konkrete Einzelfallberatung anbieten, sondern beschränkt sich auf Verweisberatung und statistische Erfassung. Allein diese Schutzlücke im System verdeutlicht, wie notwendig eine spezialisierte Antidiskriminierungsstelle für den Schulbereich ist.
Diskriminierungsschutz im schulischen Bereich stärken
Das renommierte DeZIM-Institut (Deutsches Zentrum für Integrations- und Migrationsforschung) spricht in seinem aktuellen Monitoringbericht 2026 ebenfalls eine deutliche Handlungsempfehlung bezüglich des staatlichen Diskriminierungsschutzes aus:
„[…] im Bereich Schule ist es unerlässlich, den rechtlichen Diskriminierungsschutz zu stärken“, heißt es dort.
Die Stadt Kassel könnte durch die Einrichtung einer unabhängigen, weisungsfreien schulischen Antidiskriminierungsstelle beweisen, dass wirksamer Diskriminierungsschutz auch auf kommunaler Ebene erfolgreich umgesetzt werden kann – direkt vor Ort, wo die Betroffenen ihn dringend brauchen.
Prominente Unterstützung für die Bürger:inneneingabe
Unmittelbar vor der entscheidenden Beratung im Ausschuss erhält das Vorhaben prominente Unterstützung aus der Wissenschaft: Prof. Dr. Karim Fereidooni – der bundesweit zu den anerkanntesten Experten für Diskriminierung im schulischen Kontext zählt und seit Jahren intensiv zu Diskriminierungspraktiken forscht – unterstützt die Bürger:inneneingabe vollumfänglich. Warum die Einrichtung solch einer kommunal getragenen Stelle in Kassel aus fachlicher Sicht dringend geboten ist, begründet Prof. Dr. Fereidooni wie folgt:
,,Aus wissenschaftlicher Sicht ist die Implementierung einer schulischen Antidiskriminierungsstelle dringend geboten, um den gesetzlichen Schutzauftrag an Schulen zu realisieren.
Hessische Schulen besitzen nach dem Hessischen Schulgesetz die Aufgabe, allen Schüler*innen ein diskriminierungsfreies und sicheres Lernumfeld zu garantieren. Die Realität zeigt jedoch, dass bestehende schulinterne Strukturen (wie Vertrauenslehrkräfte oder die Schulsozialarbeit) bei komplexen Diskriminierungsfällen – sei es aufgrund von Rassismus, Antisemitismus, Queerfeindlichkeit, Klassismus oder Ableismus – an institutionelle und zeitliche Grenzen stoßen. Eine externe, neutrale Stelle schließt diese strukturelle Lücke.
Diskriminierungserfahrungen im schulischen Alltag besitzen negative Auswirkungen auf das psychische Wohlbefinden und Diskriminierung untergräbt das Leistungsvermögen von Menschen.
Durch die Schaffung der schulischen Antidiskriminierungsstelle werden Lehrkräfte und Schulleitungen entlastet und professionalisiert. Die Begleitung und präventiven Angebote (z. B. Fortbildungen) unterstützen Kasseler Schulen dabei, langfristig diskriminierungskritische Organisationsstrukturen zu entwickeln. Zudem erlaubt eine solche Stelle ein systematisches Monitoring von Diskriminierungsvorfällen, aber auch von guter Beratungspraxis.
Die Stadt Kassel besitzt die Möglichkeit, ein Leuchtturmprojekt in der schulischen Antidiskriminierungsarbeit umzusetzen.“
Nun liegt der Ball bei der Lokalpolitik: Voraussichtlich am 28. Oktober 2026 tagt der Ausschuss für Bildung, Jugend, Gesundheit und Gleichstellung der Stadt Kassel und berät erstmals über diese Eingabe. Der Ausschuss entscheidet dann, ob er das Anliegen ablehnt oder es mit einer positiven Beschlussempfehlung zur finalen Abstimmung in die Stadtverordnetenversammlung weiterleitet.
Bilder: ChatGPT
21. Oktober 2026
Pressemitteilung: emPowerKidS



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