Solidarischer Mittagstisch fördert Gemeinschaft

Das Heilhaus bietet unter der Woche einen offenen Mittagstisch, an dem alle teilhaben können. Regelmäßige spenden machen dieses Angebot für alle möglich.

Es ist Mittagszeit, die Türen zum Essbereich öffnen sich, erste Gäste kommen
herein und erfreuen sich sichtlich am Duft des frisch gebackenen Auflaufs. Wie
immer, wenn der solidarische Mittagstisch seine Pforten öffnet, sind fast alle Plätze schnell besetzt und angeregte Gespräche zwischen den Tischnachbarn erfüllen den Raum. Wer gerade neu dazukommt, lässt seinen Blick durch den Raum schweifen, holt sich seine Portion Auflauf, nimmt noch ein bisschen Salat dazu und setzt sich an einen der Tische, an dem jetzt noch Platz
ist. Während des gemeinsamen Essens liegen Lachen und gute Laune in der Luft und begleiten den mittäglichen Genuss des vom Küchenteam frisch zubereiteten Essens.
Der solidarische Mittagstisch ist ein Modell, bei dem Menschen freiwillig monatlich einen Betrag zwischen zehn und 150 Euro spenden. Es beteiligen sich um die 130 Menschen mit etwa 7.000 Euro im Monat.
Dafür bekommen sie mittwochs bis freitags ein Mittagessen. Die Gerichte sind abwechslungsreich und vorwiegend vegetarisch. Mitglieder des Freundeskreises essen umsonst, Externe zahlen 8,50 Euro für ein Essen. Täglich nehmen zwischen 50 und 70 Menschen am Mittagstisch teil. Das Projekt ist ein Versuch, die Macht des Geldes ein Stück weit auszuhebeln. Denn gesellschaftliche Teilhabe ist meist von den ökonomischen Ressourcen abhängig. Es ist somit ein offener Ort, der die Gemeinschaft fördert.

Frische Vielfalt am Buffet. Foto: Heilhaus Kassel

Das Projekt entwickelt sich
2016 hat die AG Ernährung auf der Mitgliederversammlung des Freundeskreises die Idee des solidarischen Mittagstisches vorgestellt. Bisher basierte das Konzept auf dem „Ich-Prinzip“: Ich zahle, ich esse. Dieses Konzept benötigte aus Sicht der Mitglieder eine Veränderung, da es sich nicht mehr finanziell tragen ließ. Das neue Konzept basiert mit seinen Grundsteinen im „Wir-Prinzip“: Wir zahlen im Voraus, wir kochen und wir essen gemeinsam.
Die Mitglieder des Freundeskreises können so unabhängig von der persönlichen Geldsituation am gemeinschaftlichen Mittagstisch teilnehmen. Es fördert die soziale Teilhabe, das Gemeinschaftsgefühl und die gegenseitige Unterstützung. Jeder Spendende legt sich zu Beginn auf einen monatlichen Be
trag fest. Durch das klare Budget kann das Ernährungsteam das Essen im Voraus planen und ein besseres Angebot bieten.
Dieses Konzept war zu Beginn ein Experiment, das in einem Zeitraum von vier Monaten in der Probephase war. Da das Experiment ein voller Erfolg ist, ist es möglich, das Projekt weiterzuführen.

Gemeinschaft und Begegnung fördern
Der solidarische Mittagstisch ist Teil des größeren Konzepts des Mehrgenerationenhauses, was Raum für Begegnung, Gemeinschaft und spirituelle Entwicklung bietet. Jung und Alt leben gemeinsam und bieten
sich gegenseitige Unterstützung, die Mitmenschlichkeit steht im Fokus.
Es versteht sich darüber hinaus als Ort der ganzheitlichen Gesundheitsförderung, in dem Menschen in allen Lebensphasen begleitet werden, von der Geburt bis zum Lebensende. Der solidarische Aspekt des Mittagstisches zeigt sich darin, dass das Angebot allen Menschen offensteht, unabhängig von sozialer und finanzieller Situation. Spenden für das Projekt des Mittagstisches, helfen, das Angebot solidarisch und niedrigschwellig zu halten.

Ein Essen für alle. Foto: Heilhaus Kassel

11.01.2026

Über die Autorin Mia Lynn Boehme
Studentin der Universität Kassel, schreibt gerne Artikel für das StadtZeit Kassel Magazin, die sich rund um die Themen Gesundheit, Umwelt, Ernährung und Tierschutz drehen.

Dieser Artikel ist auch zu lesen in der StadtZeit-Ausgabe 126, Winter 2025/26, S. 31
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