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Iryna Sauerwald
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Iryna Sauerwald2026-01-22 16:23:172026-01-23 07:41:07BOCKWURSCHTBUDE + LOST LYRICS in Goldgrube KasselViele Ideen gegen Armut
Menschen mit Armutserfahrung, Fachkräfte sowie Vertreterinnen und Vertreter aus Verwaltung, Wissenschaft und von sozialen Trägern an einem Tisch. Genau das hat der Pakt gegen Armut der Stadt Kassel möglich gemacht.
Bei einem Workshop unter Leitung von Armutsforscherin Dr. Sonja Fehr von der Universität Kassel wurden gemeinsam Ideen für konkrete Maßnahmen in Kassel entwickelt. „Die Veranstaltung ist der Auftakt eines fortlaufenden Prozesses, der Menschen mit eigener Armutserfahrung stärker in die Arbeit der Stadt Kassel einbeziehen soll“, erklärt Sozialdezernent Dr. Norbert Wett, der auch Vorsitzender des Paktrats ist, und bestärkt das Konzept: „Wir dürfen nicht nur über armutsbetroffene Menschen sprechen, sondern müssen gemeinsam mit ihnen an Lösungen für ihre alltäglichen Probleme arbeiten.“
Die Veranstaltung startete mit einem eindrucksvollen Impuls von Susanne Hansen von der Initiative #ichbinarmutsbetroffen: Hansen beschrieb ihre persönlichen Erfahrungen mit Hartz IV, Leben am Existenzminimum sowie den gesundheitlichen Folgen für sie und ihre beiden Kinder. „Bei den anderen Teilnehmenden sah man dabei zustimmendes Nicken. Viele erkannten sich wieder in den Beschreibungen von Schamgefühlen und sozialem Rückzug, der häufig mit der Armut einhergeht“, beschreibt Paktkoordinator Tom Schröder seine Eindrücke. „Gleichzeitig machte Hansen Mut, sich diesen Momenten zu stellen und zu erkennen, dass man nicht allein ist.“

Foto: Tanja Jürgensen.
In kleinen Gruppen diskutierten anschließend die rund 50 Teilnehmenden darüber, wie Armut für sie persönlich aussieht und wie die Stadt Kassel darauf reagieren könne. In größeren Gruppen wurden dann mögliche Maßnahmen besprochen, die den Armutsbetroffenen Gehör verschaffen und über diese erste Veranstaltung hinaus Einfluss auf Debatten in Politik und Stadtgesellschaft ausüben sollen. So sollten etwa Verwaltungswege vereinfacht und Zuständigkeiten transparenter gemacht werden. Längere Öffnungszeiten wurden ebenso gefordert wie mehr öffentliche Toiletten und mehr Maßnahmen für eine saubere Stadt.
Dr. Fehr und ihr Team führen im Auftrag des Pakts gegen Armut auch eine Reihe von Interviews mit Armutsbetroffenen und Praxis‐Experten im Handlungsfeld kommunaler Armutsprävention. Diese teils sehr persönlichen Einblicke werden mit den Ergebnissen des Workshops verknüpft, wissenschaftlich ausgewertet und der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt. „Schon jetzt ist deutlich, dass der Wunsch nach regelmäßigen Austausch‐ und Teilhabeformaten von und für Armutsbetroffene besteht. Die im Workshop angeschnittenen Themen bieten noch sehr viel Gesprächsmaterial“, so Armutsforscherin Dr. Sonja Fehr. „Hier sehen wir eine der zentralen Aufgaben des Pakts gegen Armut für das kommende Jahr“, sagt Paktkoordinator Schröder. Man sei mit den Akteuren des Workshops bereits in Planungsgesprächen für Folgetermine.
Hintergrund
Für die Vorbereitung des Workshops arbeiteten die Universität Kassel und der Pakt gegen Armut mit dem Projekt „Hier im Quartier“ des Kulturzentrums Schlachthof zusammen. Für die Moderation und Konzeptionierung des genauen Ablaufs konnte Designerin Sarah Metz gewonnen werden.
Pressemeldung:













