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Iryna Sauerwald
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Iryna Sauerwald2026-10-25 07:37:052026-10-25 07:37:0527. Kunsthandwerkermarkt Kassel in der documenta-HalleTeil eines Ganzen sein
Nachdenk-Kolumne
Wie wir uns wieder mit der Natur verbinden.
Manchmal ist es das Vogelgezwitscher frühmorgens beim Aufwachen, ein herbstlicher Spaziergang durch frisches Laub im Habichtswald oder der Sonnenuntergang am Meer im Sommerurlaub. Es sind diese kleinen Momente, die uns ein tiefes Gefühl von Verbundenheit spüren lassen. Der Alltagsstress rückt in den Hintergrund und wir erkennen, dass wir keine isolierten Individuen sind, sondern eingebettet in ein großes, lebendiges Netz. Doch in unserer heutigen Zeit wird es immer schwerer, diese Verbundenheit überhaupt noch zu spüren – und noch viel schwerer, sie im Alltag festzuhalten.
Schleichende Entfremdung
Wir Menschen haben eine Welt erschaffen, die uns von der Natur zunehmend trennt. Wir leben in betonierten Städten und sitzen zu viel vor Bildschirmen. Sind ständig unter Strom und kommen immer weniger zur Ruhe. Die moderne Welt ist laut, grell, fordernd und schnelllebig. Die Natur hingegen drängt sich nicht auf, sie schickt keine Push-Nachrichten. Weil wir ununterbrochen damit beschäftigt sind, Informationen zu konsumieren und unseren Alltag zu optimieren, übersehen wir schlichtweg, was sie uns zu bieten hat. Stattdessen wird die Natur zur reinen Kulisse degradiert, vor der wir in den sozialen Medien anderen beweisen, was wir alles Tolles erlebt haben. Wir laufen Gefahr, den Kontakt zu dem zu verlieren, was uns eigentlich am Leben hält.
Die Kunst des Einlassens
Eine echte Verbindung zur Natur bedeutet jedoch, tief einzutauchen, abzuschalten und zur Ruhe zu kommen. Dafür müssen wir uns heute bewusst entscheiden, uns Zeit nehmen und uns darauf einlassen. Wer liegt heute noch im Gras, ohne nach wenigen Minuten seine WhatsApp-Nachrichten zu checken? Wer folgt einer Hummel, ohne direkt ein Video zu machen? Und wer nimmt sich die Zeit, den Geräuschen des Waldes zu lauschen, ohne sofort Musik anzumachen? Diese Ruhe und Beständigkeit, die uns die Natur bietet, sind für uns Menschen oft nur noch schwer zu ertragen. Jene Erfahrungen sind jedoch wichtig, um zu erkennen, dass wir Teil eines größeren Ganzen sind.
Einen Baum umarmen
Eine wunderbare Übung aus dem Waldbaden, um genau diese Verbundenheit mit der Natur zu spüren, ist die Umarmung eines Baumes. Wie sich eine solche Übung anfühlen kann, haben wir Autorinnen im Rahmen einer Weiterbildung selbst erfahren: Als wir mit der Gruppe im Wald standen, sollte sich zunächst jede von uns einen Baum aussuchen, zu dem sie sich instinktiv hingezogen fühlte. Wir näherten uns dem Baum und versuchten, ihn erst einmal ganz bewusst wahrzunehmen – seinen Stamm, die Äste, die Blätter und die Wurzeln. Dann nahmen wir Kontakt mit ihm auf, lehnten uns an den Stamm oder umarmten ihn. Schließlich schlossen wir alle die Augen, atmeten langsam ein und aus und ließen die Verbindung zu dem Baum und zur uns umgebenden Natur einfach zu. Das hört sich alles erst mal komisch an und fühlt sich auch so an. Aber diese Erfahrung hat uns gezeigt, wie wichtig solche achtsamen Momente sind. Wenn wir das unsichtbare Band zur Natur wieder spüren, finden wir auch im stressigen Alltag tiefe Entspannung.

25.10.2026
Waldbaden ist das bewusste Eintauchen in die Atmosphäre des Waldes. Das bringt uns näher zur Natur und ist auch noch gesund.
Der Naturpark Habichtswald bietet geführte Touren rund um das Erlenloch an. Aktuelle Termine sind online unter Events zu finden.
Dieser Artikel ist auch zu lesen in der StadtZeit-Ausgabe 129, Herbst 2026, S. 23
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