Heritage !? Die Dritte

Ergänzung zu dem gleichnamigen Beiträgen vom 1. Februar und 3. Mai 2023

Ist „Hessen Kassel Heritage – Museen, Schlösser, Parks“  nun ein angemessener und  merkfähiger Dachbegriff für die Kasseler Kulturschätze? Oder ist es ein Lindwurm, der per se den Beweis für die misslungene Umbenennung liefert? Oder haben wir es gar mit einem sprachlichen Hybriden zu tun, der einen Erschauern läßt?

Letzteres zumindest scheint der Auslöser für die Verleihung des „Ehrentitels“ Sprachpanscher 2023 gewesen zu sein. Hier die Meldung des Vereins Deutsche Sprache e.V. im Wortlaut:

Sprachpanscher 2023

Martin Eberle, Direktor der Museumslandschaft Hessen Kassel (MHK), hat es ebenfalls auf die Kandidatenliste geschafft. Das Weltkulturerbe „Museumslandschaft Hessen-Kassel“ war wohl nicht mehr modern genug, seit dem 1. Mai heißt sie „Hessen Kassel Heritage – Museen, Schlösser, Parks“. „Wer seine Kulturgüter hinter einem englischen Begriff versteckt, versteckt sie auch vor der Bevölkerung im eigenen Land“, sagt VDS-Vorsitzender Prof. Dr. Walter Krämer. „Gerade für eine Stadt, die das sprachliche Erbe der Brüder Grimm wahren will, ist die Umbenennung peinlich.“

Es ist dieser letzte Satz, der dem Wörter-Lindwurm den Todesstoß versetzt. Selbst wer bei sprachlichem Purismus weniger rigide ist als der VDS, der wird sich an der unglücklichen Mischung deutscher und englischer Begriffe stoßen. Eine (Möchtegern-)Modernität und Weltläufigkeit wird hier suggeriert, die gerade für Nordhessen nicht das kennzeichnende Merkmal ist – und bei den Bürgern wohl auch nicht oberste Priorität hat. Der Nordhesse braucht keine Modewörter, um seine Heimatverbundenheit zu zeigen; und stolz auf das kulturhistorische Erbe ist er allemal. Da wäre eine etwas altmodische Anmutung vielleicht glaubwürdiger als aufgesetzte Internationalität.

Brothers Grimm would surely agree!

Landgraf Friedrich II, der Frischrenovierte – ob er auch einen denglischen Namen bekommt? © Foto: Wolfgang Ehle

27.05.2023

Autor:
Wolfgang Ehle, 75, ist begeisterter und engagierter Westend-Bewohner. Er war über 25 Jahre selbständiger Werbeberater, Texter und Übersetzer in der Agenturmetropole Frankfurt. Schwerpunkte Finanz- und Tourismusmarketing. Parallel dazu und heute engagiert in der Lokalpolitik und der Flüchtlingshilfe.

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