Innenstädte im Umbruch

Leerstehende Ladenflächen und ungenutzte Immobilien prägen in vielen Orten das Bild der Zentren. Doch es gibt Ideen, wie sich solche Räume wieder mit Leben füllen lassen.

Der innerstädtische Einzelhandel steht in großen wie in kleinen Städten unter Druck. Einkaufszentren auf der grünen Wiese und Online-Shopping gefährden inhabergeführte Geschäfte, teils müssen sie schließen. Zurück bleiben dann verwaiste Ladenflächen und Schaufenster – oftmals notdürftig beklebt mit Zeitungspapier. Die Attraktivität der Ortszentren nimmt ab, Innenstädte durchlaufen einen Strukturwandel. Veraltete Bausubstanz, ungeeignete Grundrisse sowie fehlende Barrierefreiheit machen manche Häuser zudem für
neue, andere Nutzungen unattraktiv.

Veränderung als Chance
Der Strukturwandel lässt sich pro-aktiv gestalten, heißt es etwa in einer vom Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) in Auftrag gegebenen Studie. Eine wesentliche Aufgabe von Kommunen ist es, ihre Innenstädte auf eine Vielzahl an Nutzungen auszurichten. Außer Einzelhandel, der bisher dominierenden Nutzung, können dort auch Büros, Wohnungen, kulturelle und soziale Einrichtungen ihren Platz finden. Den Eigentümerinnen und Eigentümern von Immobilien kommt kommen laut der Studie bei der Transformation der Innenstädte eine Schlüsselrolle zu. Eine Herausforderung ist demnach, sie von neuen Nutzungskonzepten zu überzeugen.

Typische Situation in vielen Innenstädten der Bundesrepublik. Foto: lotharnahler – stock.adobe.com

„Herzstücke“ der Städte bewahren
Auch der hessischen Landesregierung ist die Bedeutung von Ortszentren bewusst. Hessens Minister für Wirtschaft und ländliche Räume, Kaweh Mansoori, bezeichnete sie im Sommer 2025 als besonders schützens- und erhaltenswerte „Herzstücke“ der Städte und Gemeinden. Ortszentren seien „wichtige Orte des gemeinschaftlichen Miteinanders, des Wir-Gefühls, der kulturellen und gesellschaftlichen Identifikation sowie des Handels und der Kreativität“, so Mansoori. Angesichts der aktuell angespannten Haushaltslage sei die Herausforderung „vielerorts noch einmal deutlich größer geworden“, sagt Johannes Heger, Geschäftsführer des Hessischen Städte- und Gemeindebunds.
Das Land Hessen hat im Herbst 2025 einen „Zukunftsplan Innenstadt“ vorgestellt – laut Minister Mansoori „eine Art Kompass für die Innenstadtentwicklung“. Im Umgang mit Leerstand schlägt der Zukunftsplan den Kommunen vier Ansätze vor: Die Förderung von Zwischennutzungen. Pop-Up-Stores – also Geschäfte, die zeitlich begrenzt an einem Ort sind – erlebten in den letzten Jahren einen Boom.
Ein weiterer – schnell einleuchtender – Ansatz bezieht sich auf die optische Gestaltung von leerstehenden Läden, insbesondere von Schaufenstern. Diese sollen dem nach ein weniger tristes Bild vermitteln, indem sie beispielswiese künstlerisch gestaltet werden. Die digitale Erfassung von Leerständen ist der dritte Ansatz. Sie seien so leichter an Interessenten zu vermitteln.
Der vierte Ansatz ist der Umbau leerstehender Immobilien. Dort können dann neue Nutzungen Platz finden, beispielsweise Wohnraum, Büros, kulturelle Einrichtungen und soziale Projekte.

G1 in Gudensberg – ein Positivbeispiel
Das neue Kommunikations- und Begegnungszentrum „G1“ in Gudensberg lässt sich als positives Beispiel für eine pro-aktive Gestaltung des Strukturwandels bezeichnen. Mit dem G1 hat die Stadt einen neuen Treffpunkt für die Bevölkerung geschaffen und darüber hinaus gleichzeitig auch einer leerstehenden Immobilie im Stadtzentrum neues Leben eingehaucht. Durch den Ankauf des alten Supermarkts konnte die Kommune die Entwicklung selbst vorantreiben. Das Leerstands-Problem in Gudensberg wurde damit zwar nicht insgesamt gelöst, dennoch kann das G1 als Vorbild dafür dienen, wie sich aus einer ungenutzten innerstädtischen Einzelhandelsfläche ein neuer, zentraler Anziehungspunkt für die Bevölkerung schaffen lässt.

Südfassade des G1 mit Sitztreppe. Foto: Constantin Meyer

20.02.2026

Autor: Erik Seitel

Dieser Artikel ist auch zu lesen in der StadtZeit-Ausgabe 126, Winter 2025/26, S. 23
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