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    Direkter Kontakt:

    Klaus Schaake
    Tel. 0561 – 475 10 11
    post@mittendrin-kassel.de

     

    Gefördert bis Ende 2019 durch:

    Depolitisiert die documenta!

    Meinung von Dr. Harry Lehmann, Philosoph und Autor des Buches „Ideologiemaschinen. Wie Cancel Culturefunktioniert“.

    Das Problem der documenta ist kein politisches Problem und lässt sich deshalb auch nicht politisch lösen. Vielmehr hat sich die documenta als Institution so stark politisiert, dass sie in der Gesellschaft primär als politische Veranstaltung wahrgenommen wird.

    Zum Markenkern der documenta gehörte seit jeher das Image einer auf Dauer gestellten Avantgarde, die versucht, Neuheit über eine Entgrenzung des Kunstbegriffs herzustellen. Folgt man dieser Logik der Inklusion von Nichtkunst in die Kunst, gelangt man wie die documenta 15 auch an den Punkt, an dem der politische Aktivismus wie ein Readymade behandelt und zur Kunst erklärt wird. Es ist eine legitime Option der Kunst, dass Künstlergruppen ihre künstlerische Arbeit strikt an die Geltung von politischen Ideologien wie die des Postkolonialismus oder der Critical Race Theory knüpfen. Diese Art von politischer Kunst hat die documenta noch nicht in ihre Strukturkrise hineinmanövriert. Die Krise entsteht erst aus dem Zusammenspiel mit einem weiteren Faktor, der zu einer allgemeinen Politisierung von Institutionen in liberalen Demokratien führt und über die Kunst hinaus auch Universitäten, Theater und Unternehmen betrifft.

    Ideologiemaschinen
    Über die neuen digitalen Medien können sich Rückkoppelungsschleifen in Institutionen ausbilden, welche zu einer Selbstverstärkung von politischer Kommunikation führen. Eine unmittelbare Folge davon ist, dass nun auch die Verwaltungsapparate von Institutionen in politische Auseinandersetzungen hineingezogen werden, was ihre Entscheidungsträger politisch und moralisch erpressbar macht.
    Solche Institutionen orientieren sich immer weniger an ihren Eigenwerten, sondern beginnen, politische Ziele zu verfolgen. Schließlich werden sie – anstelle von Bildung, Wissen oder Kunst – Ideologie produzieren. Sie verwandeln sich mit einem Wort in „Ideologiemaschinen“.
    Wenn dies die richtige Problemanalyse ist, dann helfen der documenta weder Antisemitismusklauseln noch Verhaltenskodexe.
    Auch das Zeigen von Hitlergruß und Hakenkreuz sind – im Kontext der Kunst – von der Kunstfreiheit gedeckt, weil sich der Symbolgebrauch der Kunst in liberalen Demokratien prinzipiell nicht regulieren lässt. Geschieht dies dennoch, dann erwacht man eines Tages nicht mehr in einer liberalen, sondern in einer illiberalen Demokratie. Deswegen ist das Problem der documenta kein politisches Problem, das sich mit politischen Mitteln lösen ließe. Die einzige aussichtsreiche Option läge in der Kunst selbst: Sie kann ihr Selbstverständnis und ihren Kunstbegriff hinterfragen oder, besser gesagt, im Medium der Kunst reflektieren.

    Von der Einheit zur Differenz von Kunst und Politik
    Die documenta wird ein Spielball der Politik bleiben und sich in deren Kämpfen verschleißen, wenn sie nicht einen Paradigmenwechsel vornimmt. Anstatt dem Leitbild einer Einheit von Kunst und Politik zu folgen, müsste sie die Differenz von Kunst und Politik betonen. Die Entgrenzungslogik der Avantgarde ist in der documenta 15 nun selbst an ihre Grenzen gestoßen. Ein solcher Perspektivwechsel würde natürlich auch den Begriff der politischen Kunst tangieren. Nicht alle Kunst ist immer schon politisch – ein Leitspruch, von dem sich ein Großteil der documenta-Kunst bislang leiten ließ, sondern politische Kunst artikuliert einen politischen Konflikt und ergreift in diesem Konflikt Partei. Genau diese Art von politischer Kunst war in Kassel 2022 dominant.
    Es kann nicht darum gehen, politische Kunst vorzusortieren. Entscheidend wäre, dass sich die documenta als Institution nicht eindeutig politisch positioniert. Man muss auch nicht darauf verzichten, politische Kunst mit einer radikalen Schlagseite auszustellen, aber dann sollte man – im gleichen Raum – z.B. propalästinensische und proisraelische Kunst zeigen. Nicht die Künstler, sondern die Kunstinstitutionen sind zu politischer Neutralität angehalten. Dann könnte eine documenta 16 auch wieder die politischen Konflikte, in die sie verwickelt wird, mit einem Verweis auf die Kunstfreiheit parieren. Auf der letzten documenta war jedenfalls der Unterschied zwischen Kunst und Politik für das Publikum kaum noch wahrzunehmen, was bei einem politischen Skandal zur Folge haben musste, dass man das Privileg der Kunstfreiheit nicht mehr überzeugend einfordern kann. Praktisch müsste ein solcher Neuanfang der documenta so aussehen, dass der Aufsichtsrat eine Findungskommission aus Schriftstellern, Kunstkritikern, Kuratoren und anderen Personen des öffentlichen Lebens zusammenstellt, die in den letzten Jahren die Politisierung der Künste als Problem angesprochen haben. Man kann nur hoffen, dass die im zweiten Anlauf zusammengestellte Findungskommission sich vom Primat der Kunst vor der Politik leiten lässt und anhand dieses Kriteriums den nächsten Kurator der documenta 16 bestimmt.

    Ideologiemaschinen – Wie Cancel Culture funktioniert
    Buch von Dr. Harry Lehmann

    Freiheitsrechte bilden den Kern liberaler Demokratien; Wissenschaftsfreiheit, Lehrfreiheit und Kunstfreiheit gelten als Verfassungsgrundsätze. Doch seit einiger Zeit kann selbst das Grundgesetz sie nur wenig schüt- zen, weil sie von den Institutionen, die sie hochhalten sollen, freiwillig preisgegeben werden.
    Cancel Culture, Wokeness und Identitätspolitik sind dabei nur Oberflächenphänomene, denen ein viel gravierenderes Problem zugrunde liegt: Durch digitale Medien katalysiert, werden Institutionen wie Uni- versitäten, Theater oder Kultureinrichtungen extrem durchlässig für politische Kommunikation. Das kann im Extremfall dazu führen, dass sie – anstelle von Wissen, Bildung und Kunst – Ideologie produzieren: Sie verwandeln sich in Ideologiemaschinen.

    Harry Lehmann identifiziert den Mechanismus, der zu dieser Art von dysfunktionaler Politisierung führt. Davon ausgehend entwickelt er Vorschläge zur System-Therapie. Man kann nämlich Ideologieunterbrecher in die Institutionen einbauen und so die liberale Demokratie restabilisieren.
    Ein kluger Einwurf in eine verschwommene Debatte, der mit Nachdruck demokratische Grundwerte anmahnt: Freiheit in Kunst, Lehre und Wissenschaft.

    30.08.2024

    Dr. Harry Lehmann
    studierte Physik und Philosophie, lehrt an der Universität Luxemburg, publizierte mehrere Bücher über Kunst- und Musikphilosophie. Soeben erschien sein neuestes Buch Ideologiemaschinen. Wie Cancel Culture funktioniert.

    Foto: Universität Luxemburg


    Dieser Debattenbeitrag erschien am 28.8.2024 erstmals im StadtZeit Kassel Magazin.

    Die documenta Debatte komplett in der StadtZeit-Ausgabe 121, Herbst 2024 zu lesen ab Seite 57
    >> hier zu lesen

    mittendrin dokumentiert die vom StadtZeit Kassel Magazin angestoßene Debatte zur Zukunft der Weltkunstausstellung.

    Meinung von Prof. Dr. Andreas Hoffmann, Geschäftsführer der documenta und Museum Fridericianum gGmbH lesen Sie  >> hier

    Meinung von Dr. Wendelin Göbel, Initiator der Petition DOCUMENTA fifteen: Danke! lesen Sie  >> hier

    Meinung von Dr. Harald Kimpel, Kunstwissenschaftler, Autor und Kurator lesen Sie  >> hier

    Meinung von Lutz Freyer, Künstler und Kurator lesen Sie  >> hier

    Meinung von Dr. Eva M. Schulz-Jander, Doktorin der Romanistik und Philosophie und Ehrenbürgerin der Stadt Kassel lesen Sie >> hier

    Meinung von Dr. Sven Schoeller, Oberbürgermeister der Stadt Kassel sowie Aufsichtsratsvorsitzender der documenta und Museum Fridericianum gGmbH lesen Sie >> hier

    Meinung von Timon Gremmels, Politiker und Politikwissenschaftler, seit 2024 Hessischer Minister für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur >> hier

     

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