Material im Alltag: Vom Papierbecher zum Korb

Eine (Video-) Kolumne von Gita Wikullil

Gestaltung beginnt selten mit einer fertigen Idee. Häufig steht am Anfang etwas, das bereits existiert: eine Konstruktion, ein Material oder eine Beobachtung. Im Studio Alltag sind es oft genau diese kleinen Entdeckungen, die Neugier wecken und zu neuen Entwürfen führen.

Ausgangspunkt dieser Ausgabe war der klassische Origami Papierbecher. Seine einfache Grundfaltung warf die Frage auf, welche weiteren Formen darin verborgen sein könnten. Über mehrere Tage entstand durch Variieren zunächst eine kleine Tasche. Mit jeder Veränderung der Proportionen entwickelte sich der Entwurf weiter und führte schließlich zu einem Korb für kleine Alltagsgegenstände.

Das Material verstehen

Jeder Entwicklungsschritt brachte neue konstruktive und gestalterische Herausforderungen mit sich. Bei der Tasche dienen die umgeschlagenen oberen Dreiecke als Verschluss. Beim Korb ließ sich diese Lösung nicht übernehmen. Erst das Einrollen der Dreiecke über einen runden Stab verlieh dem oberen Rand Stabilität und einen sauberen Abschluss. So entwickelte sich die Form nicht in einem einzigen Schritt, sondern durch viele kleine Entscheidungen.

Besonders spannend war bei diesem Entwurf, wie stark die Proportionen das Ergebnis beeinflussen. Bereits kleine Veränderungen innerhalb derselben Grundfaltung führten zu einer völlig anderen Form. Papier eignet sich für solche Entwurfsprozesse besonders gut. Faltungen lassen sich schnell verändern, Proportionen unmittelbar überprüfen und neue Varianten ohne großen Materialaufwand testen. Die Konstruktion bleibt dabei sichtbar. Jede Falte übernimmt eine Aufgabe.

Die Faltanleitung zeigt deshalb bewusst nur einen möglichen Weg. Weitere Varianten ergeben sich bereits durch andere Papierformate oder veränderte Proportionen. Gerade dieses Erproben und Vergleichen gehört zum Entwurfsprozess und macht den Reiz solcher Konstruktionen aus.

Material und Einstieg

Der erste Korb braucht etwa 20 Minuten. Die ersten Versuche dauern erfahrungsgemäß etwas länger.

Für den Einstieg genügt wenig Material:

  • quadratisches Papier (mindestens 15 × 15 cm)
  • Falzbein
  • Stab zum Einrollen des Papiers (Schaschlikspieß oder Bleistift)
  • Papierkleber (optional)

Je nach Größe verändert sich auch die geeignete Papierstärke. Für ein Quadrat von 15 × 15 cm reicht normales Kopierpapier oder ein schönes Origamipapier. Bei einem Quadrat von 29,7 × 29,7 cm sollte das Papier etwas fester sein, zum Beispiel Tonpapier. Selbst ein Quadrat von 50 × 50 cm lässt sich aus einem dünnen Karton falten.

Zum Schluss hilft es, die kleinen seitlichen Dreiecke sowie die Laschen am Boden mit etwas Kleber zu fixieren. Dadurch bleibt die Form im Alltag deutlich stabiler.

Für das Projekt stehen wieder zwei Faltanleitungen zur Verfügung. Beide dürfen gerne unverändert ausgedruckt und für nicht-kommerzielle Zwecke verwendet werden >> Papercup Variation Basket (Korb) und >> Papercup Variation Bag (Tasche)

Bilder: Gita Wikullil

08.09.2026

Studio Alltag – Material.Idee.Design

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34127 Kassel

Gita Wikullil ist Designerin mit Schwerpunkt Papier- und Verpackungsdesign. Sie betreibt ein Geschäft für Architektur- und Zeichenbedarf. Ihr Wissen gibt sie in Workshops weiter und auch über Lehraufträge an der Kunsthochschule Kassel sowie am Fachbereich Architektur, Stadt- und Landschaftsplanung der Uni Kassel.

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